Die Sonne bringt es an den Tag

Brote unabhängig vom Stromnetz backen


Nachhaltigkeit und Arbeitsplätze schaffen sind wichtige Ziele der Solarbakery GmbH aus Stuttgart. Die Geschäftsidee sind Containerbäckereien, die mit Solarstrom betrieben werden, vor allem in Regionen mit schlechter Stromversorgung.  „Alles, was in Äquatornähe liegt, ist durch die Sonneneinstrahlung perfekt geeignet. Wenn es um Nordeuropa geht, ist es deutlich schwieriger, so eine Containerbäckerei mit 100 Prozent Solarstrom zu betreiben“, sagt Geschäftsführer Simon Zimmermann. Das Unternehmen zielt deshalb auf Afrika.

Im „Social Impact Lab“ in Stuttgart trifft man ein engagiertes Team, das aus sieben Personen besteht.  Einige Meter entfernt befindet sich der Prototyp der Solarbakery. „Im Sommer haben hier einige Backevents stattgefunden; auch auf dem Schlossplatz haben wir die Sonnenstunden zum Backen nutzen können“, erzählt Zimmermann. Der Gründer zeigt stolz das Innenleben des Prototyps. Dort befinden sich der Ofen und genug Fläche zum Zubereiten der Backwaren. Der wohl wichtigste Teil sei aber der Raum mit den Batterien. „In Afrika werden die Batterien tagsüber durch die Sonnenenergie aufgeladen, und nachts kann dieser Strom zum Backen verwendet werden.“

2009 beginnt Zimmermann in München das Studium „Management Sozialer Innovationen“. „Damals habe ich immer Mitfahrgelegenheiten genutzt, und auf einer dieser Fahrten saß Rodrick neben mir, der in Kongo aufgewachsen ist. Er hatte den Traum, etwas in seiner Heimatstadt auf die Beine zu stellen, und das haben wir dann gemacht.“ Ein Jahr später flogen sie nach Kongo. In der Hauptstadt Kinshasa entstand die erste Containerbäckerei, die es bis heute gibt. Sie diente als Geldquelle für eine gebührenfreie Schule vor Ort. Für ihre Errichtung waren sie auf viele Spenden angewiesen. Daniel Petruccelli, ein ehemaliger Investmentbanker, vervollständigte das Gründerteam. Er war seiner Leidenschaft gefolgt und Bäckermeister geworden. Nach Zimmermann erwirtschaftete man 2018, im ersten Geschäftsjahr, einen Umsatz von rund 128.000 Dollar. 

120 Frauen verteilten die Brote. Die Bäckerei war an das Stromnetz angeschlossen, Stromausfälle störten den Betrieb. Dann traf Zimmermann 2019 Torsten Schreiber, den Gründer der Africa Greentec AG in Hainburg, der schon viel Erfahrung in der Elektrifizierung afrikanischer Dörfer gesammelt hatte. Es entstand die Idee, eine vom Stromnetz unabhängige Containerbäckerei zu bauen. Diese spart nach Unternehmensangaben im Vergleich zum Anschluss an das Stromnetz jährlich 5000 Euro Energiekosten. 2020 gründeten Zimmermann und Schreiber die Solarbakery GmbH.

 Umsatz generiert man bisher nur mit der Bäckerei in Kongo. In Senegal werden derzeit vier energieautarke Bäckereien gebaut, die im Mai fertig sein werden. In dem Land ist Baguette beliebt; man wird aber auch Vollkornbackwaren, Körnerbrote, Maismehlbrote, Pizza, Süßwaren und Tapalapa, ein traditionelles westafrikanisches Brot, anbieten. 2021 ermöglichte Crowdinvesting den Bau eines Prototyps, der doppelt so breit ist wie der Container in Kongo, weil es einen separaten Gärraum gibt. Der Container  ist 13,7 Meter lang, 2,9 Meter hoch und 2,5 Meter breit. Bis 2026 sind in Senegal 30 Bäckereien geplant. Es gebe Anfragen aus gut  30 Ländern, sagt Zimmermann. Vorerst konzentriert man sich auf Afrika. Auch sei geplant, bald Container in Australien aufzustellen.

In Kongo erzielt das Unternehmen inzwischen einen Jahresumsatz von 250.000 Euro. Bisher habe man 114 Arbeitsplätze geschaffen, auch durch den Bau der Container in Dakar, der Hauptstadt Senegals.


Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2024, Nr. 70, S.20 - Lea Ziegler, Gymnasium Neckartenzlingen

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