Fleisch ist mein Gemüse

Rebel Meat produziert hybride Lebensmittel


Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen verursacht die industrielle Tierhaltung rund 15 Prozent der Treibhausgasemissionen. Empfehlungen von Ernährungsfachleuten legen nahe, dass die Deutschen zu viel Fleisch essen. Die „Hybridfleisch“-Produkte der Rebel Meat GmbH aus Wien bestehen aus Fleisch und Gemüse. Die Gründerin und Molekularbiologin Cornelia Habacher beschreibt sie als „innovativ, nachhaltig und lecker“. 2018 traf sie ihren Mitgründer Philipp Stangl, der IT und Wirtschaft studiert hatte. Mitte 2019 kamen sie auf den Markt. Ihr erstes Produkt war ein Burgerpatty.

 Inspiriert hat sie  das US-Projekt „Blenditarian Movement“, in dem Köche versuchen, einen Teil des Fleischs durch Pflanzen zu ersetzen.  In Deutschland gibt es entferntere Konkurrenten wie die Marke „Respekt das schmeckt!“ des Unternehmens Houdek, das Frikadellen aus 50 Prozent  Hähnchen und 50 Prozent Jackfruit herstellt. Doch nach eigenen Angaben beträgt der Anteil von Rebel Meat an im Biofachhandel verkauften Tiefkühlprodukten 100 Prozent. Man sei die einzige spezialisierte Marke für Hybridfleisch.

Inzwischen konzentriert sich Rebel Meat auf Produkte für Kinder. Die Kids-Linie umfasste zunächst Fleischbällchen und Nuggets. Im Mai fügte man Hühnersticks hinzu. Die Preise variieren je nach Anbieter. Im österreichischen Onlinesupermarkt der Billa Aktiengesellschaft kosten sie 4,69 Euro je 220-Gramm-Packung. Bei Knuspr.de in Deutschland beträgt der Preis für die beiden ersten Produkte  5 Euro. Man ist auch bei Denns und Alnatura in Deutschland vertreten.

 Rebel Meat richtet sich an Kinder zwischen zwei und acht Jahren und ihre Eltern. Viele Eltern, die selbst vegan essen, ernähren ihre Kinder nicht vegan.  Wenn Kinder zu wenig Gemüse äßen, was oft der Fall sei, könnten Eltern auf die Produkte von Rebel Meat zurückgreifen, sagt Habacher.

Es gibt jedoch auch Kritik an Rebel Meat, vor allem aus veganen Kreisen. Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland kritisierte, das Hybridfleisch vermittle das gute Gefühl, weniger Fleisch zu essen. Doch selbst ein halb so hoher Fleischkonsum trüge zur Klimakatastrophe bei und stoppe das Leid der Tiere in der Fleischindustrie nicht. Nach PETA deckt eine ausgewogene vegane Ernährung den Nährstoffbedarf.  Habacher hat nichts gegen eine vegane Essensweise, sieht   das Problem aber auf der gesellschaftlichen Ebene: Die Gesellschaft insgesamt müsse weniger Fleisch konsumieren. Rein pflanzliche Ersatzprodukte böten wenig Chancen für eine Verringerung des Fleischkonsums in der Breite, sie seien eher eine Ergänzung im Speiseplan.

Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung sieht dies ähnlich. Die Gesellschaft im Allgemeinen müsse sich pflanzenbasiert ernähren. Für einige könne Hybridfleisch eine gute Wahl sein; man solle aber die Zutatenliste genau überprüfen. Bei Rebel Meat steht auf der Verpackung, von welchem Bauernhof das Fleisch stammt, und auf der Homepage, von welchen Produzenten man die Zutaten bezieht.

 Im Mai 2022 expandierte Rebel Meat und betrat den deutschen Markt mit dem Burgerpatty und den Kids-Produkten. Der deutsche Markt sei von günstigen und herkömmlichen Fleischprodukten geprägt. Man hoffe, einen positiven Einfluss ausüben zu können, möglicherweise auch große Fleischunternehmen zum Umdenken anzuregen, sagt Habacher selbstbewusst. 

 Rebel Meat beschäftigt mittlerweile neun Mitarbeiter, einschließlich der Gründer. Der Umsatz stammt zu 30 Prozent aus Deutschland. Für das laufende Jahr prognostiziert man einen Anstieg des Erlöses in den niedrigen siebenstelligen Bereich, wobei der Fokus verstärkt auf dem deutschen Markt liegt. 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2023, Nr. 231, S. 21 - Niclas Bahlmann, Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Neunkirchen

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