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Verlagsleiter Michael Müller: „Der Reiseführer in der gedruckten Ausgabe ist ein totes Pferd.“


Die Reiseführer von Michael Müller kennen viele. 1953 im oberfränkischen Ebermannstadt geboren, drängte es ihn nach einer Ausbildung zum Automechaniker Ende der Siebzigerjahre in die weite Welt. In Quito, Ecuador, traf er Martin Felbinger, der an einem Reiseführer über Südamerika arbeitete. Müller berichtet, dass er von der Idee begeistert war und sich Felbinger bei der Recherche in Chile und Argentinien anschloss. 1979 veröffentlichte Müller nach Gründung seines ­Verlags seinen ersten eigenen Reiseführer über Portugal. Die üblichen Anfangsschwierigkeiten wie fehlende finanzielle Mittel und mangelnde Schreiberfahrung hinderten ihn nicht daran, sich durchzukämpfen.

Derzeit belege die Michael Müller Verlag GmbH in Erlangen mit Blick auf den Marktanteil den dritten Platz hinter den Verlagen Marco Polo und Reise-Know-How, sagt Alleininhaber Müller. Man arbeite mit rund 100 freiberuf­lichen Autoren zusammen. „Autoren kom­men meistens auf uns zu, weil sie unser Konzept gut finden und gerne ein Gebiet bearbeiten würden, worüber wir noch nichts publizieren“, erzählt Müller. Dazu kämen noch 16 Mitarbeiter in der Produktion sowie 30 Mitarbeiter im ­Vertrieb. Man bietet derzeit 220 Reiseführer an. Sie kosten zwischen 15 und 30 Euro und werden alle drei Jahre überarbeitet. Nach Angaben von Müller werden im Jahr rund 450.000 Exemplare verkauft, wobei der Anteil von Apps mit nur ­einigen Prozenten noch sehr gering ist. Zurzeit ist vor allem die Atlantik­küste von Nordspanien über die Bretagne bis nach Irland nachgefragt, was nach ­Müller mit den hohen Tempera­turen im Süden zusammenhängt. Außerdem bietet der Verlag Städteführer, Wander­führer, Kochbücher sowie sa­tirische oder abenteuerliche Versionen der normalen Reiseführer an. Seit 2010 gibt es die mmtravel-App, ein digitaler Reiseführer.

Die Reiseführer hätten einen sehr hohen praktischen Wert, „beispielsweise in welchem Stadtviertel man ganz gut nächtigen kann und wo man ein originelles Essen bekommt“, erklärt Müller. Außerdem sind in Regionalführern fast immer Wanderbeschreibungen enthalten. Was laut Müller wieder „richtig in ist“, ist das Campen; auf die Erwähnung von Campingplätzen wurde in seinen Reiseführern immer viel Wert gelegt.

Der Umsatz lag nach Müller im vergangenen Jahr bei 5,3 Millionen Euro, aber „der Reisebuchmarkt ist seit Corona um 20 Prozent geschrumpft“. Der Buchhandel habe sofort reagiert; die Regale für Reiseführer seien verkleinert, die überalterten Lagerbestände ausrangiert worden. Kein Kunde wollte mehr ein Buch kaufen, das nicht auf dem aktuellen Stand war. Auch sein Verlag müsse den Corona-Hilfskredit noch zurückzahlen, berichtet Müller. Es mussten Einsparungen vorgenommen werden, so wird jetzt in Litauen gedruckt.

„Wir stehen immer noch etwas unter dem Niveau von 2019. Ich vermute, es hat ein leichter Paradigmenwechsel stattgefunden. Viele Reisende fühlen sich durch die Möglichkeit, online Informationen zu holen, genug bedient. Andere, vor allem Jüngere, wollen nicht mehr viel lesen“, sagt Müller. Viele Leute seien freilich glücklich mit ihrem Reiseführer, meint Müller. „Man kann Eselsohren reinmachen, mit dem Marker Sachen markieren und Handnotizen machen.“

Fast niemand habe die App bemerkt, die es schon länger als 12 Jahre gebe. Noch sind die gedruckten Versionen deutlich beliebter, doch Müller ist überzeugt: „Der Reiseführer in der gedruckten Ausgabe ist ein totes Pferd.“ Für die Papierausgaben benötige man eigentlich vier Hände, zwei für die Karte und zwei für das Buch. Müller hat selbst keine Lust, mit dem Buch auf einer Reise zu hantieren.

 „Algarve, Lissabon und Nordportugal“ gibt es schon auf Englisch in der App. Müller möchte dieses Jahr die App einem nichtdeutschen Publikum schmackhaft machen. Es wäre leichter, wenn mehr Verlage mitzögen, sagt er. „Die Zukunft des Reiseführers ist digital.“

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2024, Nr. 153, S. 21 - Luca Rabenstein, Ehrenbürg-Gymnasium, Forchheim

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