Lastwagenfahrer sollen ruhig schlafen

Roatel bietet Minihotels für Trucker an – bisher übernachten dort  vor allem Geschäftsleute und Handwerker


Die Roatel GmbH aus Düsseldorf sei 2019 in dem Wissen entstanden, dass die Europäische Union ein Mobilitätspaket verabschieden und das Kabinenschlafverbot für Berufskraftfahrer durchsetzen würde, erklärt Christian Theisen, neben Ralf-Peter Kals und Martin Swart einer der Geschäftsführer des Unternehmens.  „Die Idee für ein Übernachtungsangebot für Trucker lag auf der Hand.“ Kals habe die „geniale Idee“ gehabt, einen 45-Fuß-Überseecontainer auszubauen, in den vier Einzelzimmer passen, sagt Theisen. Als „High-Cube-Container“ hat er ein Außenmaß von fast 3 Metern, sodass die Zimmer 2,50 Meter hoch sind. „Das ist für das Raumempfinden sehr wichtig.“

  Roatel setzt sich aus den Worten „Road“ und „Hotel“ zusammen. Das Unternehmen sorgt dafür, dass ein Hotel zu den Fahrern gebracht wird. Diese parken an Autohöfen, Raststätten und Großtankstellen. Dort können sie nun auch gesetzeskonform in Roatels übernachten und lassen ihre Ladung nicht allein.

Nach dem EU-Beschluss des Kabinenschlafverbots habe Roatel schnell gehandelt. „Wir konnten Roatel als ,first mover‘ quasi in eine monopolähnliche Stellung positionieren“, sagen die Gründer. Das Verbot, das im Februar 2022 in Kraft trat, bestimmt, dass Lastwagenfahrer ihre regulären wöchentlichen Ruhezeiten von mehr als 45 Stunden nicht in der Fahrerkabine verbringen dürfen. Es   ist eher für ausländische Fahrer relevant, weil sie nicht jedes Wochenende in ihre Heimat zurückkehren können. 

Im Jahr 2022 wurden zehn Roatels in Deutschland aufgestellt. Inzwischen gibt es 22 Roatels an 19 Standorten. Von 2019 bis 2021 habe das Unternehmen keine Umsätze verzeichnet. 2022 habe man 145.000 Euro ohne Gewinn eingenommen. Die Auslastung liege 8 bis 10 Prozent über dem Branchendurchschnitt, gibt Theisen an. Für 2023 prognostizieren die Gründer einen Umsatz von 900.000 Euro, bei einem Verlust von 1,3 Millionen Euro. Im kommenden Jahr ist der erste Gewinn in Höhe von 70.000 Euro bei einem Umsatz von 3,6 Millionen Euro geplant. Die Zimmer kosten sonntags 49 Euro und werktags 57 Euro.

Die Container sind wärme- und schallisoliert und per Videoüberwachung gesichert. Zur Standardausstattung der Zimmer gehören WLAN und Sat-TV, Toi­lette, Duschbad und Klimaanlage. Die drei Geschäftsführer beschäftigen 16 Mitarbeiter in der Zentrale und zehn gewerbliche Arbeitnehmer in der Reinigung.

Wettbewerb gebe es bislang wenig. Ein konventioneller Hotelbau lohne sich erst ab rund 20 Zimmern, sagt Theisen. Roatel sei hingegen flexibel; die Container könnten stufenweise aus- oder wieder abgebaut werden. Die Standortpartner müssten nicht viel Geld in die Hand nehmen, sagt Swart. „Im Gegenteil: Abgesehen von der Pacht, die Roatel an die Autohöfe zahlt, wird der Standort attraktiver; er zieht neue Kunden an, ein Mehrumsatz entsteht.“

Daniel Ruscheinsky, Vorstand der Vereinigung Deutscher Autohöfe und Geschäftsführer der 24-Autobahnraststätten GmbH, berichtet: „Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass die Roatel-Zimmer zwar klein, aber sehr hochwertig eingerichtet sind.“ Durch die Modularität sei die Errichtung eines Roatels relativ unkompliziert. Ruscheinsky lobt, dass alles digitalisiert sei und man keine Rezeption brauche.  Die Roatels seien für Durchreisende aller Art interessant.  

Die Fernfahrer sind freilich noch nicht überzeugt. „Dass noch verhältnismäßig wenige Berufskraftfahrer zu unseren Gästen zählen, liegt daran, dass das Kabinenschlafverbot hauptsächlich für Fahrer aus dem Ausland relevant ist und wir diese noch nicht erreichen“, sagt Theisen. „Erst wenn es Roatels an allen wichtigen Verkehrsachsen in Deutschland gibt, ist unsere Lösung relevant für Transportunternehmen auch aus dem Ausland.“ Das Ziel seien 2000 Roatels in Europa, davon 700 im wichtigen Transitland Deutschland. Der deutsche Fernfahrer Uwe Milz sagt: „Ich schlafe gut in meinem Lkw, da brauche ich eine solche Übernachtungsmöglichkeit nicht.“

Eine andere Zielgruppe sind Handwerker und Monteure. Diese machten nach dem ersten Jahr rund ein Fünftel der Gäste aus. 50 Prozent seien Geschäftsleute und weitere 30 Prozent privat Reisende. Daher seien Roatels zukünftig an Messen, Flughäfen, auf Parkhausdächern, an Reit-, Fahrrad- und Wanderwegen sowie Universitäten geplant.  

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2023, Nr. 255, S. 18 - Noah Hagemann Eichsfeld-Gymnasium, Duderstadt

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