Rucksäcke erleichtern die Arbeit im Rettungsdienst.
Fast jeder Rettungsdienstler in Deutschland hat sie schon genutzt: die Notfallrucksäcke der Marke Pax. Produziert werden sie von der X-CEN-TEK GmbH & Co. KG, gegründet im Jahr 2000 von Andreas Harms und Thomas Busch. Busch war der Vorgesetzte von Harms im Rettungsdienst des Malteser Hilfsdienstes. Dort brauchte man alle Hände für die Patientenversorgung. Zum Holen des Materials, das in Koffern getragen wurde, musste man wieder zurück zur Einsatzstelle. Busch bestellte sich eine Tasche in den USA. Daraufhin fing man an, Rucksäcke zu nähen. Die ersten vier Prototypen verkaufte man 1997.
Mittlerweile ist Pax nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Den Marktanteil im professionellen Rettungsdienst schätzt man auf etwa 75 bis 85 Prozent. 68 Prozent der Produkte verkauft man in Deutschland und 27,5 Prozent in der EU. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wardenburg bei Bremen beschäftigt 38 Mitarbeiter in Deutschland. Der Umsatz liegt laut Harms bei gut 15 Millionen Euro. Produziert wird im Ausland, viel in Handarbeit.
Der Preis für einen Standard-Notfallrucksack ohne Zubehör beginnt bei 415 Euro. Oft wird das Material auf einen Kreislauf- und einen Beatmungsrucksack aufgeteilt. Die Rucksäcke werden mit zwei Handgriffen aufgeklappt und neben dem Patienten offen hingelegt. Pax hat für die Anwendung in der Luftrettung einen doppelten Reißverschluss entwickelt, mit dem sich ein Rucksack hoch und quer öffnen lässt. Er sei patentrechtlich geschützt und mittlerweile Standard in der Luftrettung.
Zum Standardsortiment des Unternehmens gehören auch Notfalltaschen und Produkte für die Rettung und den Transport von Notfallpatienten. So habe Pax Vakuummatratzen entwickelt, mit denen Patienten nach schweren Unfällen immobilisiert und schonend transportiert werden können.
Seit Mai 2023 ist Pax Teil der Protect Medical Holding GmbH, eines Zusammenschlusses von internationalen Unternehmen aus der Branche. Das hat einen persönlichen Grund: „Meine Kinder wollten das Unternehmen nicht führen. Ihnen fehlt die Verbindung zum Rettungsdienst“, sagt Harms. Man möchte durch das Vertriebsnetz der Partner vor allem den Absatz im asiatischen und südamerikanischen Raum steigern.
Kunden sind Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und Feuerwehren. Sebastian Kehr, Rettungsassistent aus Aachen, bestätigt die robuste Bauweise der Produkte und hebt die anpassbare Inneneinteilung der Rucksäcke hervor. Pax habe auch Marktlücken gefüllt. „Was ich zum Beispiel nur von Pax kenne, sind Kindernotfalltaschen.“
Die Rucksäcke halten laut Harms besonders lange. Ein Kunde habe sich über den hohen Preis im Vergleich zu einem asiatischen Produkt beschwert. Doch hielten die Pax-Rucksäcke nicht wie vom Kunden gedacht drei Jahre, sondern viermal so lang. Karsten Nieder-höfer von der Johanniter-Unfall-Hilfe in der Region Aachen-Düren-Heinsberg berichtet, dass es mittlerweile Unternehmen gebe, die Pax Konkurrenz machen können. „Das war lange Zeit nicht so.“ Man schaue sich zurzeit die günstigeren Rucksäcke von Hestomed + Helbig Medizintechnik an. Praktische Erfahrung habe man allerdings noch nicht.