Speyer & Grund ist Marktführer für Essigessenz
Eines der ältesten Lebensmittelherstellungsverfahren ist die Produktion von Essig. Dieser wurde schon vor rund 5000 Jahren von den Ägyptern und Chinesen hergestellt. Allgemein lässt sich Essig durch eine Essigsäuregärung mit Alkohol oder durch eine Verdünnung von gereinigter Essigsäure mit Wasser gewinnen; anschließend besteht er zu 5 Prozent aus Säure und zu 95 Prozent aus Wasser. Essigessenz ist zum Kochen und Putzen weit verbreitet. Während Essig einen Säureanteil von mindestens 5 Prozent aufweist, handelt es sich bei Essigessenz um konzentrierten Essig, der zu 15,5 bis 25 Prozent aus Essigsäure besteht.
Erstmals war es einem Mainzer Unternehmen in den 1870er-Jahren gelungen, reinste Essigsäure herzustellen, sodass diese als Lebensmittel verwendet werden konnte. Die beiden Gründer der Speyer & Grund GmbH & Co. KG erkannten 1877 das Potential der Essigsäure und sicherten sich die Rechte für die Vermarktung. „Das war ein kleiner Markt, ein Nischenmarkt. Der ist jetzt etwas größer geworden, aber immerhin ist es immer noch ein Markt, der klein ist und nur von wenigen Herstellern bespielt wird“, sagt Johannes Kaluza, einer der Gesellschafter von Speyer & Grund aus Mainz.
Das mittelständische Unternehmen ist mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent nach eigenen Angaben in Deutschland Marktführer für Essigessenz. Sie wird seit 1973 unter der Marke Surig verkauft und weist einen Säureanteil von 25 Prozent auf. „Wir versuchen den großen Märkten ein Stück weit aus dem Weg zu gehen und Spezialitäten anzubieten, die es so noch nicht gibt. Erst dann haben wir eine Chance, uns auf dem Markt zu etablieren“, erklärt Kaluza. Surig stammt aus dem Plattdeutschen von „sur“, was so viel wie „sauer“ bedeutet.
Neben der Essigessenz produziert das Unternehmen seit 1954 auch Zitronensäure unter dem Namen Citrovin und weitere Essigsorten wie Apfelessig. Monatlich werden mehrere Millionen Flaschen hergestellt. „Die Maschinen sind im Einschichtbetrieb gut ausgelastet“, berichtet Kaluza. Das Unternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeiter, die auf die Werke in Karlsruhe und Meerane in Sachsen sowie die Hauptverwaltung in Mainz verteilt sind. Mit der Marke Surig erwirtschafte man einen jährlichen Umsatz von etwas über 40 Millionen Euro. Dabei liege der Umsatz der Zitronensäure bei ungefähr einem Zehntel dessen, was mit der Essigessenz umgesetzt werde.
Sowohl die Produktionsmenge als auch der Umsatz seien seit vielen Jahren auf einem konstanten Niveau. „Normalerweise haben wir ein sehr stabiles Geschäft“, sagt Kaluza. Dies sei der Vorteil von Grundnahrungsmitteln, der Konsum sei nicht zyklisch. So konnten mit Großhändlern Verträge geschlossen werden, die das Unternehmen für die Zukunft absichern. Verkauft werden die Produkte zu rund 90 Prozent in Deutschland.
Zu Beginn der Produktion steht der Einkauf von Rohstoffen und weiteren Materialien. Dabei werde der fermentative Teil der Essigsäure im Schwesterwerk in Karlsruhe hergestellt, während ein weiterer Teil der Essigsäure auch zugekauft werde, wenn diese bestimmte Anforderungen erfüllen soll. Die Zitronensäure wird vollständig zugekauft. Grundsätzlich erhalte man alle Rohstoffe aus dem Inland oder dem europäischen Ausland, beispielsweise Österreich. Anschließend wird aus den Rohstoffen nach einer festgelegten Rezeptur das Fertigprodukt hergestellt und abgefüllt. Die Glasflasche wurde vor einigen Jahren durch eine PET-Flasche ersetzt, da diese bruchsicher und leichter zu transportieren sei.