Sie bringen Deep Purple auf Touren

Mexs transportiert für viele Bands das Equipment zu den Konzerten, manchmal auch einen Helikopter

Es muss alles genauestens geplant sein, sonst geht etwas schief“, sagt Rudolf Bäumker, Geschäftsführer des Speditionsunternehmens Mexs Transporte GmbH & Co. KG. Mexs ist spezialisiert auf Transporte in der Veranstaltungstechnik, man fährt zum Beispiel für Tourneen, Konzerte und Sportveranstaltungen. Ein Beispiel sind die Invictus Games, für die man das Equipment transportiert hat; sie fanden im September 2023 in Düsseldorf statt und zum ersten Mal in Deutschland. Die internationale Sportveranstaltung verfolgt das Ziel, körperlich und geistig erkrankte und verletzte Soldaten und Soldatinnen in ihrer Rehabilitation zu unterstützen.

 Zu Beginn, im Jahr 1983, hat das Unternehmen aus Sendenhorst im Münsterland auch Lampen und Lautsprecher vermietet. Der Bedarf im Transport von Showequipment war jedoch größer als in der Vermietung von Technik. Darauf spezialisierte man sich im Jahr 2000 und sei eins von sechs deutschen Unternehmen in dieser Branche.

Für den Transport von Showequipment müsse man vor allem wissen, wie man auf die Leute zugehe, und man müsse Englisch beherrschen, sagt Bäumker. „Wir sind ab dem Moment, wo die Kiste auf den Lkw kommt, für die Ware verantwortlich. Das Beladen und Entladen der Lkw wird von uns nur beaufsichtigt, da der Fahrer für eine vorschriftsgemäße Ladungssicherung verantwortlich ist.“ 

Viele Bands benötigen nur einen Lastwagen, um ihr Equipment zu transportieren, allerdings gibt es auch Künstler, die große Mengen an Equipment haben, wie die Band „Rammstein“, die mit bis zu 50 Lastwagen auf eine Tournee fahre, sagt Bäumker. Einige Aufträge sind speziell gewesen. Für ein Konzert der Band „Die Ärzte“ organisierte Mexs einen Helikopter und brachte ihn in einem Lastwagen zur Westfalenhalle nach Dortmund. So habe die Band am 19. Dezember 2011 einen spektakulären Abgang von der Bühne hinlegen können, sagt Bäumker.

Das Unternehmen sei in ganz Europa unterwegs; ungefähr 70 Prozent der Transporte fänden in Deutschland statt. Spannend sei der Transport von LED-Bandenwerbung zu allen Fußballstadien in Europa für das amerikanische Unternehmen TGI gewesen. Man habe auch  LED-Wände zu allen Rugby-Stadien der französischen Rugby-Liga gefahren.

Neue Kunden gewinnt Mexs ausschließlich über Mundpropaganda. Angenehm sei, öfter für den gleichen Kunden zu fahren, da beide Seiten wüssten,  wie das Ganze ablaufe.  Die Kontaktaufnahme erfolge meistens durch Manager, Technikdienste, Agenturen oder die Künstler selbst. Stark wachsen soll das Unternehmen nicht. Es wachse jedes Jahr gesund und beständig, betont Bäumker.

Eine bekannte Band, für die Mexs schon Equipment transportiert hat, ist „Toto“, für die das Unternehmen 2022 die „Dogz of Oz“-Tour begleitet hat. Für „Deep Purple“ hat man 2022 die „The Whoosh!“-Tour begleitet und für „Powerwolf“ 2022 die „Wolfsnächte“-Tour.  

Für die Kunden sei die Zuverlässigkeit am wichtigsten. Sie müssten sich darauf verlassen können, dass die Ware pünktlich am Veranstaltungsort ankomme und nicht am Tag des Events noch an irgendeiner Grenze stehe, sagt Bäumker. Wegen der langen Erfahrung wisse man, wo es öfter zu Komplikationen komme, und könne diese gut ausräumen.  Komplikationen können platte Reifen, ein ausfallender Motor oder Schwierigkeiten an Grenzübergängen sein. Dennoch habe man bisher jeden Transport pünktlich abgeschlossen, sagt Bäumker.

Der Preis für eine Dienstleistung setze sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, erklärt der Geschäftsführer. Dazu gehören die Kilometer, die jeder Lkw zurücklegt. Der Preis je Kilometer lag im September bei 2,20 Euro. Er wird an die aktuellen Mautkosten angepasst. Vergütet werden auch die Standtage und die Kosten für die Grenzpapiere für die Waren. Der Jahresumsatz liege bei 3,5 Millionen Euro, berichtet Bäumker. Meistens begleite das Unternehmen 300 bis 350 Events im Jahr. 

Eine große Produktion fand im vergangenen Jahr vom 3. August bis zum 22. September statt, die Tour der jungen Sängerin Ayliva. Sie wurde mit 16 Lastwagen begleitet, wie Bäumker berichtet. Für ihn ist das ein Routineauftrag. Ein Event, das auch für ihn ein Highlight darstellte, war der Transport von Equipment zu den Olympischen Spielen 2012 in London.

 Zur Konkurrenz sagt Bäumker: „Wir helfen uns auch untereinander aus, da jeder nur das machen kann, was er personal- und fahrzeugtechnisch liefern kann.“ Im Wettbewerb stehe man bei einzelnen Aufträgen. „Da gibt dann jeder einen Preis ab, und der Günstigste bekommt den Auftrag. Die meisten Kunden führen vorab schon eine Selektion durch, da sie nur von einem Unternehmen mit Erfahrung in dieser Branche begleitet werden wollen.“

Im Unternehmen arbeiten drei Mitarbeiter im Büro, eine Person in der Buchhaltung, zwei in der Werkstatt und ein Disponent, der für die Kommunikation zwischen Büro und den Lkw-Fahrern verantwortlich ist; außerdem beschäftigt das Unternehmen rund 30 Lastwagenfahrer. Ein Lastwagen legt jährlich rund 60.000 Kilometer zurück. „Was das Gewerbe besonders auszeichnet“, sagt Bäumker, „ist, dass man wirklich zusammen- und miteinander arbeitet und freundlich miteinander umgeht.“

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2024, Nr. 129, S. 21 - Katharina Take, Hans-Böckler-Berufskolleg, Münster

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