So schließt man eine Marktlücke

 „I lock it“-Schlösser bedient man ohne Schlüssel


Viele kennen das: Man ist mit dem Fahrrad unterwegs und hat einiges zu erledigen. Ständig muss man das Fahrradschloss ab- und aufschließen. Die Gründer der Haveltec GmbH, Christian Anuth und Markus Weintraut, haben ein Produkt entwickelt, mit dem das einfacher geht. Aus einem Projekt für die Uni wurden smarte Fahrradschlösser der Marke „I lock it“.

Sie hätten eigentlich nur eine Produktidee für einen Businessplan im Masterstudium an der TU Cottbus-Senftenberg gesucht, berichtet Anuth. Dabei hätten sie an das System „Keyless Go“ für das Auto gedacht und festgestellt, dass ein System ohne Schlüssel für das Fahrrad noch praktischer wäre. „Mit dem Fahrrad hält man in der Stadt doch öfter an.“

Sie bekamen ein Gründerstipendium und riefen 2015 Haveltec in Brandenburg an der Havel ins Leben. Im Jahr darauf lieferten sie die ersten Rahmenschlösser aus. Diese werden nicht mit Schlüssel oder Zahlencode bedient, sondern mithilfe des Smartphones geöffnet und geschlossen. Durch Bluetooth Low Energy schließt das smarte Fahrradschloss, sobald man sich entfernt, und es öffnet sich, wenn man sich dem Fahrrad nähert. Nach der ersten Einrichtung des Schlosses in einer App auf dem Smartphone ist das Öffnen auch mit einer Apple Watch oder einem Hand­sensor möglich. Zusätzlich lasse sich das Schloss per Knopfdruck versperren und durch einen personalisierbaren Farbcode öffnen. Der Farbcode sei eigentlich dafür da, das Schloss zu öffnen, wenn der Smartphoneakku leer sei.

Als Diebstahlschutz dient ein Alarm, der losgeht, sobald das Fahrrad mehrfach bewegt wird. Denn das Schloss aus schlagfestem Polymer könne mit dem richtigen Werkzeug und genügend Zeit demontiert werden, berichtet  Anuth. Einen weiteren Schutz vor Diebstahl bietet GPS-Tracking; dafür entscheiden sich zwei Drittel der Käufer. Für die Dauer von zwei Jahren kostet diese Variante 199 Euro, später könne man ein Abo abschließen. Das Jahresabo ist für 30 Euro erhältlich. Für 259 Euro habe man die Möglichkeit, das smarte Schloss inklusive lebenslangen GPS zu kaufen. Das Basismodell ohne GPS-Tracking kostet 149 Euro. Die Installation des Fahrradschlosses sei bei den meisten Trekking- und Cityrädern direkt möglich, sagt Anuth. Für Sporträder gebe es für rund 10 Euro eine Adapterlösung.

Während der Corona-Jahre habe man vom Boom der Fahrradbranche profitiert. Der Umsatz habe 2021 bei 1,4 Millionen Euro gelegen. Dann sei die Nachfrage gesunken. 2022 habe der Erlös rund 1,2 Millionen Euro betragen. Im vergangenen Jahr belaufe er sich auf etwa eine Million Euro. Die jährlich verkaufte Stückzahl liege zwischen 10.000 und 15.000. Das Unternehmen beschäftigt 16 Mitarbeiter. 

Mit dem Nischenprodukt smarte Fahrradschlösser sei man in Deutschland Marktführer. Im Bereich Rahmenschloss gebe es nichts Vergleichbares, lediglich in Belgien und Amerika böten Unternehmen solche Schlösser an. Haveltec verkauft ausschließlich über den Onlinehandel. Die Kundschaft bestehe vor allem aus Männern ab 45 Jahren. Die meisten Schlösser erwürben Alltags- und Tourenradfahrer mit E-Bikes. 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2024, Nr. 3, S. 18 - Hanna Manderbach, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

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