Verbrechen lohnen sich doch – für die Polizei

Das Polizeipräsidium in Kaiserslautern verkauft zu Schnäppchenpreisen Unterhosen und Autofelgen


In Actionfilmen wird gerne in Asservatenkammern eingebrochen, um Waffen, Drogen und anderes zu stehlen. Leichter kommt man an Asservate über die Onlineplattform des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern. Auf ihr  werden viele Dinge angeboten, von Schuhen und Unterhosen über Drogerieprodukte und Soundboxen bis hin zu Autofelgen und Solarleuchten.  

 Seit ziemlich genau einem Jahr kann man auf der Plattform Neues und Neuwertiges zu günstigen Preisen erwerben. Zum Beispiel zahlt man im Drogeriemarkt dm für fünf Farbglanz-Blond-Shampooflaschen der Marke Guhl und eine passende Spülung rund 21 Euro, beim Polizeipräsidium Westpfalz 10 Euro. Sneaker der Marke Werner kosten dort 50 Euro, in Internetshops 160 bis 200 Euro.

 Auktionen gab es zuvor schon auf Bundesebene, allerdings existierte keine Internetseite, die mit einem Onlineshop zu vergleichen war. „Christina Kölsch war vorher im Polizeipräsidium Rheinpfalz tätig und kannte von dort den Asservatenverkauf. Sie regte an, das auch bei uns umzusetzen“, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz, Bernhard Christian Erfort. Das Präsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen war laut Erfort das erste Präsidium in Rheinland-Pfalz, das eine solche Seite hatte. „Die Plattform ist nicht zwingend immer online. Wenn sie gerade nichts zu verkaufen haben, dann ist die Seite offline; das ist bei uns genauso“, erklärt Erfort.

Bis die Asservate zum Kauf freigestellt werden, dauert es eine Zeit. Polizisten stellen bei ihren Einsätzen Gegenstände sicher, zum Beispiel Beweismittel bei Straftaten  oder wenn es zum Schutz beiträgt oder Gefahren verhindert. „Wir wollen verhindern, dass jemand betrunken Fahrrad fährt, also können wir sein Fahrrad sicherstellen“, sagt Erfort. „Wird das Fahrrad nach mehrfacher Aufforderung und einer gewissen Frist von seinem Besitzer nicht abgeholt, kann es in unserem Onlineshop zum Verkauf angeboten werden.“ Hygieneartikel gingen besonders gut weg, auf Platz zwei stünden Fahrräder und Werkzeug, berichtet Kölsch, die sich um den Verkauf kümmert und stellvertretende Leiterin des Referats Haushalt/Finanzen ist.

 Wenn es nicht gelingt, Kontakt zum Besitzer aufzunehmen, werden die Asservate je nach Zustand vernichtet, zum Verkauf weitergegeben oder an Hilfsorganisationen gespendet. Beim Verkauf müssen die Asservate abgeholt werden, und die Bezahlung muss im Voraus getätigt werden. Melden sich mehrere Interessenten, wird durch Los entschieden. Eine Besichtigung der Artikel ist nach Absprache möglich. Die Kundschaft ist nach Angaben von Pressesprecher Erfort „querbeet“.

An dem Verkauf arbeiten drei bis vier Mitarbeiter, darunter ein bis zwei aus dem Referat Finanzen, die dafür verantwortlich sind, die Gegenstände zu fotografieren, Artikelbeschreibungen zu verfassen und Preise festzulegen. Diese betragen etwa 50 bis 75 Prozent der Originalpreise. Das Geld, das durch den Verkauf eingenommen wird, fließt in den Landeshaushalt von Rheinland-Pfalz. Seit die Plattform existiert, hat man nach Erfort bis Ende 2023 einen Umsatz von rund 3000 Euro erzielt.  „Da man sich so oder so mit den Artikeln beschäftigt und irgendwann Fotos macht, ist das Ganze kein Minusgeschäft“, sagt er.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2024, Nr. 57, S.22 - Emilie Bleul, Hohenstaufen-Gymnasium, Kaiserslautern

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