Echterhoff baut Expressbrücken – das spart sehr viel Zeit
Wann seid ihr hier fertig?“ „Im November.“ „Welchen Jahres?“ „Nein, im November.“ So sei ein Gespräch zwischen ihm und einem Anwohner verlaufen, erzählt Bauleiter Thomas Echterhoff. Mit seinem Familienunternehmen Echterhoff Holding GmbH aus Osnabrück hat er eine Autobahnbrücke in gerade einmal drei Wochen gebaut. Das Unternehmen baut für die Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserstraße.
Aufgrund jahrelanger Erfahrung sei klar geworden, dass die Bauzeiten zu lang seien, sagt Echterhoff. Zu wenig beachtet wurden die allgemeinen Schäden durch Staus, wenn sich der Bau einer Brücke jahrelang hinzieht. „An einer hoch belasteten Autobahn haben wir bei der Errichtung einer Brücke durch unsere Bauzeitreduzierung und Staureduzierung einen zusätzlichen CO2-Ausstoß von 50.000 Tonnen verhindert“, erklärt Echterhoff. Dies hat die RWTH Aachen ausgerechnet.
Echterhoff tüftelte an Lösungen, wie man Brücken deutlich schneller bauen könnte. Auch die von Echterhoff gebauten Brücken seien „nur“ Standardkonstruktionen, sie seien jedoch anders geplant. So hatte man die Idee, schon vorher Betonfertigteile zu produzieren und produzieren zu lassen und diese zur Baustelle zu bringen. Die Widerlager, der massive Unterbau einer Brücke, und der Überbau würden als Fertigteile extern angefertigt.
Die Bauvorhaben würden kontinuierlich abgearbeitet, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche; die Autobahnen und Bundesstraßen müssten nur für wenige Tage gesperrt werden. Anders als beim länger dauernden Brückenbau wird parallel zum Bauen geplant. Die Konstrukteure arbeiteten Hand in Hand mit den Arbeitern auf der Baustelle. Alles in allem könne man so den Brückenbau um bis zu 70 Prozent beschleunigen.
Die Bauwerke sind keine Provisorien, sondern endgültige Bauwerke unter Einhaltung aller Gesetze, Regeln und Bauvorschriften. Ihre Lebensdauer sei so lang wie von anderen vergleichbaren Brücken in Deutschland. Eventuell ist sie sogar höher, weil durch die fabrikgefertigten Fertigteile Ungenauigkeiten, die bei der Herstellung der Betonbauteile vor Ort entstehen können, verhindert werden. Baumaterialien sind Stahlbeton, Spannbeton und Stahl.
Die von Echterhoff seit 2020 angebotenen Expressbrücken sind maximal 50 Meter lang. Auf der Internetseite berichtet man über ein Projekt, bei dem die normale Bauzeit 180 Tage betragen hätte – Echterhoff habe es in 15 Tagen geschafft. Die Expressbrücke lasse sich für etwa 80 Prozent aller Brückenersatzneubauten in Deutschland verwenden. Sie kosten laut Echterhoff zwischen 6 und 7 Millionen Euro.
Zwei Expressbrücken baute Echterhoff im Jahr 2022 auf der A 2 in der Nähe des stark befahrenen Autobahnkreuzes Kamen. Bei der einen Brücke wurde der Autobahnverkehr eigenen Angaben zufolge anstelle der vorgesehenen 228 Tage nicht einmal 50 Tage lang beeinflusst.
Das Unternehmen, das rund 700 Mitarbeiter beschäftigt, baut nicht nur Brücken; dieser Bereich steht für 55 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 240 Millionen Euro, wie Echterhoff berichtet. Vor knapp zehn Jahren war der Umsatz erst halb so hoch. Man finanziere die Projekte vor. Da gelte der Grundsatz „nicht drei große Eier im Nest, sondern 30 kleine“, sagt Echterhoff. Kunden des Bauunternehmens sind bisher die Autobahn GmbH des Bundes, der Landesbetrieb Straßen.NRW, die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, die Deutsche Bahn AG und Kommunen.
Echterhoff sagt, er kenne kein anderes Unternehmen, das schneller in diesem Sektor arbeite. Die Kosten für den Kunden seien jedoch bis zu 20 Prozent höher, weil zum Beispiel große und teure Mobilkräne gemietet werden müssten und Personal 24 Stunden am Tag arbeite. Echterhoff habe bisher 15 dieser schnellen Projekte abgeschlossen.
Man errichte im Jahr etwa sechs bis acht Brücken. Nach Angaben der Autobahn GmbH liegt der Bedarf an Sanierungen und Ersatzneubauten bei rund 4000 Brücken in den kommenden zehn Jahren. Besonders stolz ist Echterhoff auf den Bau der beiden großen Talbrücken auf der A 45 bei Siegen und Lüdenscheid, der Talbrücke „Eisern“ und der Talbrücke „Sterbecke“. Beide sind Großbrücken, die nicht mit dem Expressbrückensystem gebaut werden können.