Im Schwarzwald baut Bernhard Hammig besonders klangvolle Instrumente
Bernhard Hammig ist ein in der Szene bekannter Querflötenbauer aus dem Schwarzwald. Sein Großvater gründete 1951 in Freiburg die heutige Kunstwerkstätte für Böhmflötenbau. „Nach einigen Jahren waren wir einer der auf der Welt führenden Hersteller von Böhmflöten“, sagt Hammig. Zu dieser Zeit war das Angebot an Querflöten gering, der Markt wuchs schnell. „In unseren besten Zeiten, den Siebziger- und Achtzigerjahren, betrugen die Lieferfristen für eine Flöte ungefähr sieben Jahre.“
Die Berliner und Wiener Philharmoniker und berühmte Flötisten wie Severino Gazzelloni, Karlheinz Zöller und Gustav Scheck waren Kunden. 1996 übernahm Bernhard Hammig das Unternehmen, es firmiert unter „Bernhard Hammig – Kunstwerkstätte, Böhmflötenbau“. Die Werkstatt liegt in Lahr in der Nähe von Freiburg. Dort arbeitet man in einer ruhigen Atmosphäre, weil höchste Konzentration gefordert ist. Auf großen Holztischen und in Schubladen liegen die Teile des zukünftigen Instruments, die fertigen Flöten warten auf dünnen Holzstäben auf ihre Kunden.
Bei der Böhmflöte handelt es sich um eine moderne Querflöte, die auf Weiterentwicklungen des deutschen Flötisten und Flötenbauers Theobald Böhm beruht. Böhm führte die heutzutage geläufige zylindrische Bohrung ein und verbesserte die Akustik durch die Umordnung und Vergrößerung der Tonlöcher.
„Die billigsten Flöten bewegen sich im Preisspektrum von 13.000 bis 16.000 Euro. Für Goldflöten fängt der Preis bei 25.000 Euro an und steigt je nach Legierung für die 22ct-Flöte bis auf 54.000 Euro. Eine Goldmechanik ergibt noch einen Aufpreis von 16.000 bis 19.000 Euro“, berichtet Hammig. In eine Flöte fließen etwa 120 Stunden Arbeitszeit. In Taiwan lässt man auch billigere Silberflöten, die Mezzo-Flöten, bauen, durchschnittlich zwanzig Stück im Jahr, die zwischen 3000 und 6000 Euro kosten.
Der Markt sei groß, die Konkurrenz hart. Beim japanischen Unternehmen Yamaha finden Kunden Flöten von 3000 Euro an. Man punkte mit Individualität und Klang. „Wir verkaufen eine Vorstellung von Klang“, sagt Hammig. Maschinen setze man nur sparsam ein. Hammig sieht sich als Hersteller der klangvollsten Flöten: „Die Flöten haben eine sehr große Tragfläche und sind eher warm im Ton.“
Für die heutige Generation der Flötisten ist hingegen die Technik sehr wichtig. Musiker suchen nach einer schnellen Ansprache und leichteren Spielweise. Hammigs Marktanteil ist deshalb sehr klein: „Der Jahresumsatz lag im vergangenen Jahr bei ungefähr 500.000 Euro, und mittlerweile produzieren wir zusätzlich zu den Mezzo-Flöten rund zwanzig Flöten im Jahr. Davon sind die Hälfte Silberflöten, fast ein Drittel der Flöten ist aus Holz, der Rest aus Gold“, sagt Hammig.
Solche Manufakturen gibt es in Deutschland nur noch wenige. Jelka Weber, Flötistin bei den Berliner Philharmonikern, sagt: „Die handwerklichen Flöten sind brillanter und besonderer. Die anderen sind Funktionsflöten, welche auch sehr schön klingen können, aber hinter jeder handgefertigten Flöte steht ein Künstler.“ Weber spielte einst eine vergoldete Silberflöte von Hammig. „Mit dieser Flöte habe ich meine Hochschulantrittsprüfung gemacht, ein wunderbares Instrument.“ Für die zeitgenössische Musik benötigt man jedoch Klappen mit einem Innenring, mit denen man Viertel- und Halbtöne erzeugen kann. „Diese neue Technik konnte man mit geschlossenen Klappen der August-Richard-Hammig-Flöte nicht spielen. Eine Veränderung am Instrument ist zwar möglich, ob sich schlussendlich ein guter Klang ergibt, ist aber nicht sicher“ erklärt Weber, die dann zur Muramatsu-Flöte wechselte.
Beim Bau einer schönen Silberflöte werde großer Wert auf die Legierung gelegt, sagt Hammig. „Obwohl 925-Silber der Standard ist, nehmen wir eine spezielle 950-Silberlegierung und bauen teilweise weitere Metalle hinein. Für die Mezzo-Flöte werden beispielsweise 97 Prozent Silber und 3 Prozent Palladium gemischt.“
In den 1930er- und 1940er-Jahren war die Querflöte aus tropischem Grenadillholz. Sie mischt sich laut Hammig jedoch zu gut mit dem Orchester. „Oboen, Klarinetten und Fagotte sind alle aus Holz. Hier kann sich die Holzflöte schwer von anderen Instrumenten abgrenzen. Eine Metallflöte hingegen hat mehr Obertöne und wird stärker wahrgenommen.“ Deswegen ist man zum Metall übergegangen. In den 1990er-Jahren erlebte die Holzflöte dann eine Renaissance.
Laut Weber gibt es durchaus Orchester, in denen die Hammig-Flöte viel gespielt wird, beispielsweise im Kammerorchester des Saarländischen Rundfunks und im Orchester der Bayerischen Staatsoper. Hammigs Kunden sind meistens professionelle Flötisten. Den Großteil verkauft er im deutschsprachigen Raum. Man habe auch einen Händler in Japan und sei in China „sehr aktiv“.