Wo der Widerstand wächst

In den Fitnessstudios ist Milon zu Hause


Fitness ist in. „13 Prozent der Deutschen gehen regelmäßig ins Fitnessstudio“, sagt Bernhard-Stefan Müller, Geschäftsführer der Milon Industries GmbH aus Emersacker bei Augsburg. Milon beschäftigt 150 Mitarbeiter und fertigt elektronisch gesteuerte Trainingsgeräte. 1986 präsentierte man mit „Trainlab“ die erste Serie. „Das war ein Meilenstein in der Entwicklung“, sagt Pressesprecherin Antonia Wörlein. Statt der üblichen Steckgewichte besitzen die Geräte Elektromotoren zur Erzeugung eines Widerstands. Eine wichtige Entwicklung war die Memory-Funktion. Sie stellt die Geräte nach dem Einführen einer Chipkarte automatisch auf die Körpermaße und Trainingsparameter des Nutzers ein.

Mit der Serie „Traintec“ schuf man 2005 die Basis für eines der erfolgreichsten Produkte: das elektronisch gesteuerte Zirkeltraining. Sechs Kraft- und sechs Ausdauergeräte stehen im Kreis. Mit einem smarten Armband können sich Nutzer mit ihren Daten einloggen. 

 Bei den elektronischen Geräten kann das Gewicht für die konzentrische und exzentrische Muskelbewegung unabhängig voneinander eingestellt werden. In der Dehnungsphase (Exzentrik) kann ein Muskel höhere Lasten kontrolliert bewegen als in der Verkürzungsphase (Konzentrik). Der exzentrische Widerstand wird daher höher eingestellt als der konzentrische, damit die Muskeln in jeder Phase optimal belastet sind.

Seit 2020 bildet  Milon mit Five-Konzept eine Einheit unter dem Dach der Milon Group. Five-Konzept habe den ersten Beweglichkeitszirkel aus Holz zum Muskellängentraining gebaut, sagt  Müller. Ein spezielles Dehnungskonzept von Muskeln und Faszien soll zu einer Stabilität und einer gestärkten Rumpfmuskulatur führen und alltagsbedingten Fehlhaltungen entgegenwirken. Im Juni 2023 hat der österreichische Unternehmer Christian Jäger die Milon Group gekauft.

„Jährlich trainieren über 2 Millionen Menschen auf unseren Fitnessgeräten“, berichtet Müller. In mehr als 3000 Einrichtungen, davon 550 Physiotherapiepraxen, rund 150 Kliniken und Rehaeinrichtungen, seien die Geräte im Einsatz. „Wir sind der einzige Anbieter auf dem Markt, dessen elektronisch gesteuerte Geräte als aktive Medizinprodukte registriert, geeignet und zertifiziert sind.“

Die Milon Group ist in 30 Ländern präsent. Der Kernmarkt befindet sich zu rund 70 Prozent in Deutschland. „Sowohl in Europa als auch in Asien haben wir bereits einen starken Vertrieb.“ Wachstumspotential sieht Müller in den USA. 

 Lag der Umsatz der Milon Industries GmbH 2019 noch bei rund 36 Millionen Euro, fiel er im Corona-Jahr 2020 um 41 Prozent. „Für 2023 haben wir wieder einen starken Anstieg“, sagt Müller. „Die Umsatzzahlen für 2023 liegen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.“ Ein Trainingsgerät kostet 12.000 bis 14.000 Euro. Ein kompletter Gerätezirkel schlägt mit etwa 135.000 Euro zu Buche.

Milon-Geräte werden zum Großteil in Handarbeit gefertigt, die Geräte von Five-Konzept in einer Schreinerei in Donaueschingen. Zur Produktpalette gehört das Analysegeräte Milon YOU, das mit einer 3-D-Avatar-Technologie ausgestattet ist. Über Kamerasysteme und Sensorik würden in Sekunden die Körperlängen vermessen und Fitness- und Bewegungstests angeboten, die den Istzustand des Trainierenden analysierten und einen individuellen Trainingsplan zuwiesen. 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2024, Nr. 153, S. 21 - Alexa Erb, Max-Planck-Gymnasium, Lahr

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