Da wird fleißig gebüffelt

Sie retten männliche Tiere vor der Tonne.

Die Büffel Bill Deutschland GmbH aus dem baden-württembergischen Singen am Hohentwiel lässt nicht nur eigenen Büffelkäse produzieren, sondern vermarktet auch das Fleisch der männlichen Büffel unter seinem Label. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2016 von den BWL-Studenten Manuel Ruess, Bastian Nagel und Martin Jaser.


Alles begann mit einem aufrüttelnden Zeitungsartikel über das Schicksal männlicher Büffel in der Mozzarella-Industrie. „Wir waren schockiert zu erfahren, dass die männlichen Jungtiere, die keine Milch geben, oft direkt nach der Geburt entsorgt werden“, erzählt Ruess. „Falls nicht, so wuchsen die Jungtiere in kleinen Ställen auf, ohne Weide oder Tageslicht. Diese Tiere waren für die Landwirte nicht rentabel. Man achtete nicht darauf, dass die Jungbullen eine artgerechte Haltung erfahren durften.“


Das wollte man ändern und einen Beitrag zu einem nachhaltigeren und ethischeren Fleischkonsum leisten. „Wir möchten, dass die Menschen Büffelfleisch kennenlernen und wertschätzen“, sagt Ruess. In ihren Recherchen entdeckten die Gründer, dass Büffelfleisch in vielen Teilen der Welt seit Jahrhunderten geschätzt wird und als Delikatesse gilt.


Die Tiere würden ausschließlich mit saftigem Weidegras, Wildblumen und Wildkräutern gefüttert und bekämen weder Hormone noch Antibiotika. Die Fleischqualität sei ausgezeichnet. „Durch einen äußerst geringen Fett- und Cholesterinanteil wie auch ein gutes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren und einen hohen Eisenanteil ist das Fleisch wesentlich gesünder, als man es von rotem Fleisch gewohnt ist“, sagt Ruess. Sterneköche wie Alexander Herrmann verwendeten gerne Büffelfleisch.

Büffel Bill liefere nicht nur direkt an Endverbraucher, sondern auch an renommierte Gastronomiebetriebe und Event-Caterer in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Mit einem neuen, von der EU zugelassenen Zerlege- und Verpackungsbetrieb in Konstanz bietet das Unternehmen ein vielfältiges Sortiment an, von Mozzarella und Burrata di Bufala über Special Cuts bis hin zu Wurst- und Burgerspezialitäten. Man verfolgt das „Nose to tail“-Prinzip, verarbeitet also den gesamten Büffel. „Wir sprechen ungern von Edelstücken, denn in unseren Augen ist jedes Stück Fleisch gleich gut, wenn man weiß, wie man es zubereitet“, sagt Ruess.


„Wir haben 16 Mitarbeiter und erwirtschafteten 2024 einen Umsatz von sieben Millionen Euro“, berichtet Ruess. Für 2025 strebe man zehn Millionen Euro an. Der durchschnittliche Einkaufsbetrag liege im Privatkundenhandel bei gut 90 Euro, im Handel mit Geschäftskunden bei etwa 320 Euro. Derzeit baue man in der Schweiz ein Schwesterunternehmen auf.


 In der Corona-Zeit hatte man neben den klassischen Büffel-Cuts deutsches Färsenfleisch und japanisches Wagyu-Fleisch ins Angebot aufgenommen. Derzeit werden jede Woche etwa fünf Tonnen Fleisch und Mozzarella-Spezialitäten versendet. Die Kunden seien unterschiedlichen Alters. „Manche möchten sich mal etwas Außergewöhnliches gönnen, manche genießen einfach die Vorteile der direkten Anlieferung“, sagt Ruess.


 Partnerschaften unterhält man mit Büffelzüchtern in Deutschland, Italien und Argentinien. Die italienischen Büffel zum Beispiel lebten das ganze Jahr über in freier Wildbahn entlang der Amalfiküste und würden durchschnittlich im Alter von 14 bis 18 Monaten geschlachtet. Der Preis für das Fleisch des Wasserbüffels liegt etwa 30 Prozent über dem für Rindfleisch. 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06. März 2025 , Nr. 55, S. 18 - Nick Broß, Kreisgymnasium Riedlingen

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