Der Weltmarktführer für Kleiderbügel Mawa forscht an neuen Materialien
Können Kleiderbügel toxisch sein und keine Zukunft haben? Ja, sagt die Geschäftsführerin des Kleiderbügelherstellers Mawa, Michaela Schenk. Die Mawa GmbH aus Pfaffenhofen an der Ilm in Bayern stellt Qualitätskleiderbügel her, zu zwei Dritteln für den Kleiderschrank zu Hause, zu einem Drittel für Modegeschäfte und Hotels. Man ist in mehr als 80 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv und beschäftigt rund 75 Mitarbeiter. Mawa produziert vor allem Metallkleiderbügel mit Antirutschbeschichtung. „An Kunststoffbügel glauben wir nicht“, sagt die Geschäftsführerin. Diese würden auf Erdölbasis hergestellt und seien damit zukunftslos. „Sie brechen schnell, und Endverbraucher werden immer kritischer.“
Mit 20 Millionen verkauften Bügel im Jahr und einem Umsatz im zweistelligen Millionenbereich sei Mawa Weltmarktführer, sagt Schenk. Gegenüber der „deutlich schlechteren“ chinesischen Kopie seien ihre Bügel „platzsparend, unvergleichlich vielfältig und qualitativ besser“.
Unternehmensgründer Martin Wagner erfand 1955 den ersten Hosenspanner, den er zum Rockspanner weiterentwickelte. 1960 begann man mit der Produktion der beschichteten Metallbügel. 2005 gerät das Unternehmen wegen billiger Plagiate in Turbulenzen. Mawa meldet Insolvenz an. Schenk übernimmt das Unternehmen 2008. „Ich habe das Unternehmen aus der Insolvenz gekauft, die Marke neu erfunden und Jahre daran gearbeitet, sie auf den heutigen Stand zu bringen“, sagt sie.
Man vertreibt die Produkte über Onlineshops. International verkauft Mawa an Importeure, die die Ware einlagern und dann online und über Kaufhäuser und Haushaltswarengeschäfte weitervertreiben. Die Exportquote liege höher als 80 Prozent. Die Metallbügel machten 90 Prozent des internationalen Verkaufs aus.
Neben den Metallbügeln verkauft Mawa Holzbügel und Kunststoffalternativen aus nachhaltigem Material. Die Holzbügel werden hauptsächlich an Bekleidungsindustrien und Hotels in den USA und Europa verkauft. Die nachhaltigen Produkte, die C-Cycle-Bügel, vertreibt man schwerpunktmäßig in Europa. Der Markt entwickle sich aber erst. Mit dem C-Cycle-Bügel habe man eine „neue Generation an Kleiderbügeln“ begonnen. Die Bio-Bügel bestehen bis zu 98 Prozent aus Pflanzenresten, Sägespänen und Resten der Zuckerherstellung und zu 2 bis 6 Prozent aus fossilen Polymeren.
Mawa produziert zu 100 Prozent in Deutschland. Bevor die Produkte auf den Markt kommen, müssen sie harte Tests durchlaufen. So finden Zerstörungstests statt; zum Beispiel wird der Haken verbogen, um sicherzustellen, dass der Nickel nicht abplatzt.
Die Kleiderbügel gibt es in verschiedenen Farben und Formen. Die Preise reichen von einem Euro für einen einfachen Metallbügel bis zu knapp 20 Euro für einen Anzugbügel aus Holz. Für den „Home & Living“-Bereich verkauft Mawa die Metallbügel vor allem in Schwarz, Weiß und Silber, aber auch in eleganten Varianten mit vergoldeten Haken. Dabei sieht der Bügel für jedes Kleidungsstück anders aus. Neben dem klassischen Bügel gibt es welche mit Schulterverbreiterung, sehr schmale, abgerundete und kurvige. Die Oberteilbügel sind die meistverkauften Bügel.
Für Röcke und Hosen gibt es Stangen, die an die Oberteilbügel angebracht werden, auch drei auf einmal, um besonders viel Platz zu sparen. Klammern dienen dazu, Hosen aufzuhängen, mit Haken befestigt man Röcke. Angeboten werden zudem Gürtelbügel, Krawatten- und Taschenhalter. Jeder Bügel wurde mit einer Antirutschbeschichtung überzogen, damit Kleidung, die man auf den Bügel hängt, „nicht sofort verrutscht und runterfällt“, wie Schenk erklärt.
Es ist wichtig, sich an die Kulturen der jeweiligen Länder anzupassen. „Während Europäer ihre Hosen gerne an Klammern hängen, werfen Menschen in asiatischen Ländern ihre lieber über einen Bügel“, berichtet Schenk. In Zukunft möchte man sich zum Beispiel in Indien weiterentwickeln und erinnert sich an Japan. Für einen dortigen Kunden entwarf man einen glitzer-pinken Metallkleiderbügel. „Wir mussten dafür erst einmal die Farbe entwickeln und haben ihn jetzt immer noch auf dem Markt“, berichtet Schenk.
Mit der Technischen Universität Dresden arbeitet Mawa an einem Bügel aus Hopfen, im Rahmen eines Projekts, in dem Bügel aus landwirtschaftlichen Pflanzenresten und -abfällen sowie aus Altpapier und Zellstoff ohne den Zusatz von fossilen Polymeren hergestellt werden.