In Wagenfeld werden aus Windrädern Garne.
„Wir besitzen sechs Spinnverfahren, die keine Wünsche mehr offenlassen und querbeet alle möglichen Branchen abdecken“, sagt Dietmar Weber, Geschäftsführer der Wagenfelder Spinnereien GmbH im niedersächsischen Wagenfeld. Verglichen mit seinen früheren Stellen in Spinnereien habe er hier das Gesamtpaket aus allen möglichen Spinnverfahren und verwendbaren Fasertypen gefunden, berichtet Weber. Ein Angebot von mehr als 1000 Garnen und das lange Bestehen seit 150 Jahren machten die Spinnerei zu einem „echten Exoten“. Verkauft werden Natur-, Synthetik- und Hochleistungsfasern. Je nach Verarbeitungstechnik wird zwischen Streichgarn, Halbkammgarn, Rotorgarn, Luftdüsengarn, Umwindegarn und Kammgarn unterschieden.
„Unsere verarbeiteten Garne findet man sowohl auf den Stühlen im Bundestag als auch in diversen Fluglinien“, berichtet Weber. In der Papierproduktion werden ebenfalls Wagenfelder Garne verwendet. „Aus der zellulosehaltigen Masse muss man das Wasser erst herausquetschen, und das macht man mit einem Fleece aus unseren Garnen“, erklärt Weber.
Angefangen habe alles mit einer kleinen Spinnerei, die Schafswolle versponnen habe. Seit 1966 konzentriert man sich auf die Garnherstellung. Heute besteht die Wagenfelder Spinning Group aus der Wagenfelder Spinnereien GmbH, dem tschechischen Schwesterunternehmen Vlnap a. s. und der Tochtergesellschaft HKN-Machines.
Rund 100 Mitarbeiter sind in Wagenfeld beschäftigt, in Tschechien 200. Der Umsatz liege im unteren zweistelligen Millionenbereich und sei über die Jahre stabil geblieben. Die Exportquote betrage 60 Prozent. Die Preise hingen von den Energiekosten, den Löhnen und den schwankenden Rohstoffpreisen ab, sagt Weber.
Die Teppich- und Möbelstoffindustrie sowie die Reinigungsindustrie verwendeten die Garne ebenso wie die technische Filterindustrie und die Hersteller von Schutzbekleidung. Man produziert durchschnittlich 10 Millionen Kilogramm im Jahr. Es gebe wenig Spinnereien mit einem ähnlich umfassenden Angebot, sagt Weber. „Spinnereien sind kapitalintensiv. Das macht keiner mehr.“ Herausfordernd sei, geschultes Personal zu finden und die Energiekosten zu bewältigen. „Seit fast fünfzehn Jahren decken wir zu 50 Prozent unseren Energiebedarf mit eigener Photovoltaik ab.“
Für die Zukunft plant man eine Konzentration auf technische Textilien und auf Garne, die bestimmte Eigenschaften erfüllen. Man sehe zudem Chancen im Recyceln von Bekleidung und Bauteilen im technischen Bereich. „Dafür sind unsere Maschinen bestens geeignet“, sagt Weber. Derzeit habe man ein Alleinstellungsmerkmal: Als einzige Spinnerei auf der Welt schaffe man es, teures Carbon, das etwa in Windrädern verbaut gewesen sei, aufzubereiten. Aus dem recycelten Carbon werden Garne gesponnen. Carbonfasern haben eine besonders große Zugkraft.
Die industriell gefertigten Fasern bestehen zu einem Großteil aus Kohlenstoff. Sie werden beispielsweise im Leichtbau der Automobilindustrie verwendet. Die Garne würden auch in Form von Stäben für den Hausbau benutzt. Man sagt ihnen eine größere Belastbarkeit als Stahl nach und macht sich ihre Rostfreiheit zunutze. Die Nachfrage rund um Carbon steige.