Den Umsatz in die Höhe schrauben

Die Pharmaindustrie hat sich leider die vergangenen Jahrzehnte dahinter versteckt, dass man gesagt hat, wir retten ja Leben, wir können nicht auch noch den Planeten retten“, sagt Joel Eichmann, Mitgründer und Geschäftsführer der Green Elephant Biotech GmbH aus Gießen. Der Elefant spielt auf den „elephant in the room“ an, in diesem Fall die Nachhaltigkeit. Forschungslabore verursachen jährlich Millionen Tonnen Plastik. Sie nutzen oft Einwegmaterialien aus kostengünstigem Plastik; das gilt auch für Gefäße, in denen Zellkulturen gezüchtet werden.


Green Elephant verwendet hingegen das Bioplastik Polylactid (PLA). „Wir sind das erste Unternehmen auf der Welt gewesen, das Labormaterialien aus Biokunststoffen hergestellt und vermarktet hat“, sagt Eichmann. Hergestellt werde das PLA aus Maisstärke. Mithilfe biotechnologischer Verfahren werde sie in Milchsäure umgewandelt. Der Mais stamme aus der EU und den USA. Green Elephant kenne die Lieferketten. „Wir können sogar sagen, wie viel Diesel der Traktor verbraucht hat, der den Mais angebaut hat“, sagt Eichmann.


2023, zwei Jahre nach der Gründung, habe das Hamburger Unternehmen Eppendorf ebenfalls ein Produkt aus Bioplastik auf den Markt gebracht. Sie wendeten in der Herstellung ein „Massenbilanz-Verfahren“ an, erklärt Eichmann. Dadurch sei nicht transparent, „ob die Produkte tatsächlich oder nur rechnerisch aus Biokunststoff hergestellt werden“.


Das Alleinstellungsmerkmal von Green Elephant besteht in einer Flasche aus PLA namens Cellscrew, in der man Zellkulturen züchtet. „Normalerweise wachsen Zellkulturen in Zellkulturflaschen aus Kunststoff, die eckig sind“, erklärt Patentanwältin und Biologin Michaela Kirndörfer, die das Patent für die Cellscrew bearbeitet hat. Diese sei hingegen eine runde Flasche. Die archimedische Schraube im Inneren mache die Flasche besonders. Dadurch habe sie „ein enorm vergrößertes Innenvolumen“; die Zellen wüchsen auf einer großen Oberfläche. Durch die Drehbewegung der Flasche über die Schraube werden die Zellen mit Flüssigkeit und Nährstoffen umströmt.


Die Flasche werde über 3D-Druck hergestellt, sagt Eichmann. Im Vergleich zu Konkurrenzprodukten aus herkömmlichem Kunststoff sei sie deutlich kleiner und leichter. Für die Cellscrew besitzt das Unternehmen auch ein europäisches Patent; das Patent in den USA stehe kurz vor der Erteilung. Kunden der Cellscrew sind große Pharmaunternehmen. „Sechs der zehn größten Pharmaunternehmen der Welt haben schon mal was bei uns gekauft“, sagt Eichmann. Abnehmer seien zudem Biotech-Start-ups, die Zelltherapien entwickelten.


Green Elephant bietet weitere Produkte für den Einsatz im Labor an, etwa eine Mikrotiterplatte aus PLA, die im Spritzgussverfahren hergestellt wird. Genutzt wird sie für die Kultivierung von Zellen und für das Screening von biologischen Reaktionen, wobei die Unbeständigkeit von PLA gegenüber Hitze nur manche Reaktionen in den Plates möglich mache. Im Mittelpunkt steht die Polymerase-Kettenreaktion (PCR).


Die billigsten Platten kosten in der geringsten Stückzahl von 25 mindestens 99 Euro, die teuersten (Stückzahl 100) 549 Euro. Für die Cellscrew liegen die Preise größenabhängig zwischen 446 bis 1199 Euro. Das Unternehmen beschäftigt ein Dutzend Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2023 Eichmann zufolge bei rund 27.000 Euro, 300 Prozent mehr als 2022. Derzeit sei man „noch auf externe Kapitalgeber und Investoren angewiesen“. Eichmann ist jedoch zuversichtlich: „Das dauert immer vier, fünf, sechs Jahre, bis so etwas richtig fliegt.“

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 02. Januar 2025 , Nr. 1, S. 21 - Alma Widmann, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

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