Illucens verarbeitet Larven zu Proteinen und Ölen
Dirk Wessendorf bearbeitete beruflich ein Projekt im Zusammenhang mit der Insektenmast und kam so auf die Idee, Larven zu züchten. Er erkannte das Potential der südamerikanischen Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens). Aus den Larven gewinnt er wertvolle Proteine und Öle für Tierfutter und Lebensmittel. Das spare Transportwege und man könne Ressourcen wie Palmöle ersetzen, erklärt der Geschäftsführer aus Ahaus.
„Erste Versuche, Mehl im Brot oder Proteine in Fleischprodukte einzusetzen, sind bereits geglückt“, sagt Wessendorf. Produkte von Illucens seien für Tierfutter zugelassen, auf die Zulassung für Lebensmittel warte man noch. „Wir rechnen fest mit einer Zulassung in diesem Jahr.“ Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sei es in Deutschland um die Lebensmittelgewinnung durch Insekten eher schlecht bestellt. In den Niederlanden zum Beispiel seien Unternehmen wie Protix deutlich größer aufgestellt, berichtet Wessendorf.
Illucens produziert vollautomatisch. „Das ist ein einzigartiges, patentiertes System“, sagt Wessendorf. „In diesem Fall kann man über eine Marktführerschaft sprechen.“ Das 2018 gegründete Start-up beschäftigt 15 Mitarbeiter. „Was bei Unternehmen wie Protix zig Mitarbeiter für das Endprodukt leisten müssen, wird bei uns mithilfe eines Roboters gelöst.“
Die Soldatenfliege brütet bei 25 bis 30 Grad. Aus den Eiern schlüpfen in wenigen Tagen die Larven. Die mästet man mit Abfall. Die Soldatenfliege könne mit allem gemästet werden; aus weggeworfenen Lebensmitteln mache sie neue, sagt Bärbel Girardin, die die Mast koordiniert. Allerdings dürfen die Larven nur mit herkömmlichen Futtermitteln gemästet werden. Damit wolle man verhindern, dass beispielsweise Schweinefleisch-Abfallprodukte durch Tierfutter zurück an Schweine verfüttert würden. Das wäre dann Kannibalismus und nicht zulässig, erklärt Girardin. Allerdings plane man, mit Mutterkorn befallenes Getreide einzusetzen. Mit der Freigabe rechne man aber erst in zwei bis drei Jahren.
Die Larven befinden sich auf Hochregallagern in Schächten. Ein Lager hat Platz für 4200 Schächte. In einem Schacht befinden sich bis zu 200.000 Larven. So erzeuge man eine Mastfläche von 11.000 Quadratmetern auf einer Grundfläche von rund 800 Quadratmetern, berichtet Mitarbeiter Niklas Wolfering. Es dauert etwa zwei Wochen, bis die winzigen Tierchen zu Mehl und Öl weiterverarbeitet werden können. Über das Jahr verteilt, mästet Illucens ungefähr 30 Milliarden Larven. Das entspricht rund 3300 Tonnen lebenden Larven.
Gefüttert werden sie von einem Roboter. Er bläst das Futter über einen Schlauch zu den Larven. Sind diese kräftig genug, pumpt er Wasser in die Schächte. Da die Schächte nach unten geneigt sind, fließen die Larven samt Ausscheidungen in ein Abwassersystem und durchqueren mehrere Siebe; Ausscheidungen und Larven werden getrennt. Dann wird die Larve gesäubert, bevor sie in heißem Wasser abgekocht und gemahlen wird. In diesem Vorgang wird die Larve gepresst und zu Mehl und Öl verarbeitet. Die Ausscheidungen werden als Düngemittel verwendet. Da die Schächte mit Wasser gesäubert worden seien, seien sie wieder einsatzbereit.
Die Endprodukte kosten zwischen 3,50 und 5,50 Euro je Kilogramm. In den vergangenen Jahren erzielte man einen Jahresumsatz im unteren einstelligen Millionenbereich, berichtet Girardin. Bisher liefere man hauptsächlich an den Heimtierbedarf, zunehmend auch für Fischfutter.
„Wir wollen, dass Landwirte für uns mästen“, erzählt Wessendorf. Illucens biete ihnen den Bau der Mästungsanlage und die Halle an, zu Preisen im Millionenbereich. Die Bauern sollen die gemästeten Larven in Verarbeitungshubs bringen, wo sie zu Mehl verarbeitet würden. Mit einem halben Dutzend Landwirten sei man schon in Gesprächen.