WBC fertigt auf Maß – für Yachten und Wohnmobile
Bei uns bekommst du jedes eckige Ei“, sagt Schreinermeister Heinz Betz. Sein Unternehmen produziert individuelle, auf Maß gefertigte Gegenstände, die beispielsweise in einem herkömmlichen Möbelhaus nicht zu finden sind. Man stelle sich auch den speziellsten Kundenwünschen, sagt Betz. Bevor er sich 2005 zusammen mit dem inzwischen ausgeschiedenen Geschäftspartner Karl- Heinz Moritz entschloss, in Sulzfeld im Grabfeld eine leerstehende Halle zu erwerben, arbeitete er lange in der Möbelbranche. „Damals habe ich gemerkt, dass man in Deutschland als kleineres Unternehmen in diesem Bereich nicht überleben kann“, erzählt Betz.
Sie gründeten im selben Jahr die Wooden Boat Components GmbH (WBC) und fanden ihren ersten Kunden auf einer Messe in Düsseldorf: einen Holländer, für den sie einen Boden auf ein Boot bauen sollten. Dabei handelte es sich um eine „Sloep“. „Ein offenes Schiff, mit dem man in Holland auf den Kanälen fährt“, erläutert Betz. Man produzierte damals mit einem Stammpersonal von fünf Personen. Schon zu Beginn kamen rund 50 Prozent der Aufträge von der Bavaria Yachtbau GmbH. „WBC ist eines der wenigen Unternehmen, das Massivholzdecks auch in geringeren Anfertigungsmengen herstellt“, sagt Betz.
Der Betrieb ist spezialisiert auf komplexe Anfertigungen, die meistens in Kleinserien von 20 bis 30 Stück produziert werden. „Wir stellen zum einen alle Massivholzteile, die verbaut werden, her: Türen, Tische, Schränke, aber auch Dinge aus Plattenwerkstoffen, Küchenplatten. Zum anderen fertigen wir für Boote Außendecks, Unterkonstruktionen, Badeplattformen“, sagt Betz.
Seit 2018 ist WBC zudem im Caravaningbereich tätig. Anlass dazu gab die zwischenzeitliche Insolvenz der Bavaria Yachtbau GmbH; WBC hatte dem Unternehmen alle Möbelkomponenten geliefert. „Zu dieser Zeit hatten wir sehr großes Glück, denn ein Zulieferer von uns sagte: Geht doch mal zu Morelo, dort werden momentan Zulieferer gesucht. Dann bin ich mit meinem Sohn zu Morelo gefahren, wir haben uns vorgestellt und durften ein Probemuster bauen. Somit sind wir in die Reisemobilbranche eingestiegen“, erzählt Betz.
2018 erzielte man im Caravaningbereich rund 200.000 Euro Umsatz. Mittlerweile besitzt das Unternehmen zwei Caravaning-Standbeine: neben der Morelo Reisemobile GmbH die Concorde Reisemobile GmbH. Im Bootsbereich sind die größten Auftraggeber Hanse Yachts aus Greifswald und die finnische Werft Axopar. „Aktuell schwächelt die Bootsbranche etwas. Grund dafür ist unter anderem die wirtschaftliche Situation in Deutschland.“ Reisemobile machten rund 60 Prozent der Aufträge aus, die Bootsbranche den Rest.
Für die Herstellung der Bootsdecks verwendet WBC neben Iroko und Sapelli, beides Hölzer aus dem tropischen Afrika, meistens Teakholz aus Myanmar, ein ölhaltiges Holz, dessen Qualität mit der Dicke des Stamms zunimmt. Wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen in Myanmar verhängte die EU vor einigen Jahren Sanktionen gegen das Land, wodurch die Kosten für Teak stark gestiegen sind.
„Früher habe ich containerweise Rundstämme für 3000 Euro pro Kubikmeter gekauft und dabei eine Ausbeute von 60 Prozent gehabt“, berichtet Betz. „Mittlerweile ist ein Rundholzkauf aus Myanmar nicht mehr möglich, sondern nur noch der Kauf von bereits besäumter Ware.“ Dabei handelt es sich um Holz, dessen Rinde mitsamt der direkt angrenzenden Schicht abgetrennt wurde. „Zum Glück haben wir vor den Sanktionierungen noch eine größere Menge Teakholz eingekauft, denn seitdem zahlt man etwa 10.000 Euro pro Kubikmeter.“ Premiumware – stehende Jahresringe und keine Maserung – koste zwischen 20.000 und 25.000 Euro je Kubikmeter.
Wegen der gestiegenen Kosten wird Teakholz meistens nur für Eigneryachten verwendet, nicht für Serienanfertigungen. „Wir haben auch schon einmal Holz geliefert bekommen, in dem innen Nägel, die wohl vor vielen Jahren in den Baum geschlagen wurden, eingewachsen waren“, sagt Mario Betz, der Sohn von Heinz Betz und ebenfalls Schreinermeister. „Geschosse aus dem Krieg haben wir auch schon gefunden“, ergänzt der Vater. Das Typische des Teakholzes ist, dass durch das stetige Wachstum des Baums und wegen der Sandstürme in Myanmar der Sand mit in das Holz einwächst. Daher sei es wichtig, Teak nur mit Hartmetallsägemessern und -hobeln zu bearbeiten.
30 Prozent der Kunden kommen aus dem Ausland. Von einem österreichischen Architekten bekam WBC den Auftrag, im Wiener Stephansdom die Fresken an der Decke aus MDF, einer mitteldichten Holzfaserplatte, zu fräsen. Früher wurden diese aus Stuckgips gefertigt, jedoch ist dieser nicht so langlebig. Für Megayachten mit einer Länge von über 60 Metern hat WBC spezielle Unterkonstruktionen und Interieurs gefertigt. Die Kommunikation beim Bootsausbau findet meistens über Ingenieurbüros statt. Diese entwerfen die Pläne, kalkulieren und suchen Produzenten.
Mit 20 Angestellten habe WBC 2024 einen Umsatz zwischen 2,5 und drei Millionen Euro erwirtschaftet, in sehr guten Jahren habe der Erlös schon bei vier Millionen Euro gelegen. Groß ist die Schwierigkeit, Personal zu finden; die hochmodernen Maschinen seien teils kompliziert in der Bedienung. Sohn Mario Betz und Tochter Jennifer Pfeuffer wollen das Unternehmen in naher Zukunft weiterführen.