Viele Ärzte führen Lungen- und Atemtests mit Geräten von Geratherm Respiratory aus Bad Kissingen durch. In der Pandemie entwickelte man eine besondere Atemmaske.
Damals gab es von der Gera-therm Medical AG das Interesse, sich breiter aufzustellen“, beschreibt Manuel Heinz den Ursprung der Geratherm Respiratory GmbH in Bad Kissingen, dessen Geschäftsleitung er sich seit 2021 mit Florian Dassel teilt; 2007 wurde das Unternehmen gegründet. Die Geschichte des Mutterunternehmens, Geratherm Medical AG, reicht bis in die ehemalige DDR zurück. Man war für Fieberthermometer bekannt – und ist es immer noch: Laut Heinz ist der Hersteller von medizinischen Messgeräten europäischer Marktführer in diesem Segment. Das Unternehmen hatte bis vor wenigen Jahren ein Patent auf eine alternative Flüssigkeit für das giftige Quecksilber, das früher in Thermometern genutzt wurde. Geratherm-Thermometer enthalten ungefährliches Galinstan.
Geratherm Respiratory begann mit dem Spirometer. „Dies ist ein Gerät, das die Luftmenge beim Ein- und Ausatmen sowie die Geschwindigkeit des Luftstroms misst“, erklärt Heinz. Alle Produkte würden im professionellen Bereich eingesetzt. „Wir haben keine Geräte für Privatanwender, sie gehen zu niedergelassenen Ärzten oder Kliniken.“
Beim Einsatz des Spirometers bekomme man eine Klemme auf die Nase und muss verschiedene Atemmanöver durchführen. „Der Arzt muss für ein Spirometer etwa 1500 bis 2000 Euro bezahlen“, berichtet Heinz. Man produziere etwa 500 bis 1000 Stück im Jahr. Kostspielig seien das Griffteil, das viel Elektronik enthalte, und eine intelligente Software, die zum Gerät gehöre.
Doch das Spirometer ist nicht mehr das Hauptprodukt. Es gibt zwei weitere Produktsparten. Die eine ist der Lungenfunktionstest (PFT), der beispielsweise in Klinken und Lungenfacharztpraxen in Glaskabinen, die ein wenig wie Telefonzellen aussehen, durchgeführt wird. Bei der Untersuchung muss der Patient auch Atemmanöver durchführen.
Die Geratherm Medical AG hat 2023 laut Geschäftsbericht einen Umsatz von rund 21 Millionen Euro erzielt. Der Anteil von Geratherm Respiratory betrug gut ein Viertel. Die PFT-Produkte haben mit etwa 45 Prozent den größten Anteil am Umsatz, die Spirometer machen ungefähr 25 Prozent aus. Der dritte Produktbereich ist CPET.
Damit wird das Herz-Kreislauf-System unter Belastung gemessen und dabei zum Beispiel die Sauerstoffaufnahme angeschaut. „Der Patient ist entweder auf einem Fahrrad oder auf dem Laufband und hat eine Maske auf dem Gesicht, gleichzeitig ist der Brustkorb verkabelt, weil die Herzaktivität mitgemessen wird“, erklärt Heinz.
„Die Belastung wird stufenweise immer stärker, bis der Patient erschöpft ist oder der Arzt sagt, es genügt.“ Man nutze diese Untersuchung unter anderem bei Schwerkranken, die auf eine Herztransplantation warteten, und prüfe, ob sie fit genug für die Operation seien. Man nutze es auch für Profifußballer, die einen Gesundheits- und Leistungscheck machten, bevor sie unter Vertrag genommen würden.
„Die ganze Branche rund um die Messung der Lungenfunktion ist unterfränkisch dominiert“, berichtet Heinz. In der Nähe sind Vyaire Medical aus Höchberg und Ganshorn Medizin Electronic in Niederlauer Mitbewerber. Geratherm Respiratory habe, wenn man die Spirometrie außen vor lasse, bis zu zehn relevante Mitbewerber auf der Welt. Der Exportanteil sei sehr hoch, sagt Heinz. Nur gut 20 Prozent der Produkte blieben in Deutschland. 20 Prozent würden in Nicht-EU-Länder versendet.
Das Gesamtunternehmen beschäftigte 2023 knapp 200 Mitarbeiter. Für Geratherm Respiratory arbeiten etwa 30 Personen, rund ein Drittel in der Entwicklung. Die Personalkosten seien der zweitgrößte Posten, Material sei der größte Kostenfaktor, sagt Heinz. Zum Fachkräftemangel sagt er: „Wir haben schon gemerkt, dass es schwieriger wird.“ Schweinfurt und Bad Neustadt mit der jeweiligen Großindustrie saugten viele Arbeitsplätze auf.
Was plant Geratherm Respiratory? „Wir nutzen die drei Produktbereiche als Zugpferde“, sagt Heinz. „Wir wollen diese Produkte weiterentwickeln und Nachfolgeprodukte auf den Markt bringen, mit neuen Funktionen und auch optisch verändert, „quasi eine neue Generation“.
„Die Zulassungshürden, um ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, sind relativ hoch“, erklärt Heinz. „Bis ein neues Produkt auf den Markt kommt, vergehen fünf bis zehn Jahre.“ Eine interessante Zusammenarbeit fand in den vergangenen sechs Jahren mit der Universität in Erlangen statt. Es ging darum, mit Radarsensoren, die sich auch in jedem Auto befinden, die Atmung und den Herzschlag von Patienten auf Palliativstationen zu überwachen. „Patienten, die im Sterben liegen, sollen möglichst wenig belastet werden, nicht mehr verkabelt oder mit irgendwelchen Schläuchen verbunden sein. Aber trotzdem möchte man sehen können, wie es ihnen geht“, erläutert der Geschäftsführer.
Heinz berichtet von einer Anfrage der Universität Amsterdam aus der Zeit der Corona-Pandemie. Die niederländischen Partner, Nutzer der Geratherm-Respiratory-Produkte, versuchten mit einfachen Mitteln, Beatmungsgeräte zu bauen. Zusammen mit Heinz und seinen Kollegen wurde ein Prototyp entwickelt, aus ganz einfachen Komponenten, die man überall bekommt, unter anderem aus einer Schnorchelmaske. „Damit gelang es, ein System aufzubauen, womit man dann eine ganze Reihe von Patienten beatmen konnte. Und man realisiert: Okay, ich kann akut helfen.“