Fleischfressende Pflanzen in Baumärkten wie Hornbach und Toom stammen von Weilbrenner aus der Pfalz. Wie werden sie gefüttert?
In Freinsheim, einer kleinen Stadt in Rheinland-Pfalz, liegt die Gärtnerei Gartenbau Weilbrenner GbR. Seit ihrer Gründung 1983 hat sie sich auf fleischfressende Pflanzen spezialisiert. „In Deutschland sind wir neben einer Handvoll Onlineshops für Sammler und Liebhaber der fleischfressenden Pflanzen die einzige Gärtnerei dieser Größe, die ausschließlich für den Großhandel produziert“, sagt Lukas Weilbrenner, der den Betrieb mit seinem Bruder Philipp leitet. „Wir sind somit auch deutscher Marktführer in diesem Bereich. In Europa gibt es von diesen Gärtnereien insgesamt sieben. Da gehören wir zu den Top drei.“
Im Jahr produziere man rund eine Million Pflanzen und liefere sie an Großhändler, Gartencenter, Baumärkte und teilweise auch Supermärkte in Deutschland und Europa. Stolz ist die Familie auf regelmäßige Auszeichnungen: Mehr als siebzig Goldmedaillen hat man auf Bundes- und Landesgartenschauen gewonnen. „Die Geschichte der Gärtnerei begann mit meinem Vater, Bernd Weilbrenner, und seinem Vater“, erzählt Lukas Weilbrenner. „Die beiden wurden von einem Pharmakonzern gefragt, ob sie Interesse daran hätten, die Venusfliegenfallen für dessen Krebsforschung anzubauen.“ Diese Pflanze enthält Enzyme, die Eiweiße zersetzen – eine Eigenschaft, die das Interesse der Forschung weckte. Zu Beginn habe die gesamte Produktion der Gärtnerei ausschließlich diesem Zweck gedient. „Doch als die Forschung abrupt eingestellt wurde, hat sich mein Vater dazu entschieden, das gesammelte Know-how zu nutzen und in den Zierpflanzenmarkt einzusteigen“, berichtet Weilbrenner.
Ursprünglich betrug die Gewächshausfläche nur 40 Quadratmeter. „Heute bepflanzen wir eine Fläche von 5000 Quadratmetern. 5000 Quadratmeter ist im Gegensatz zu anderen Gärtnereien nicht groß, aber wenn man bedenkt, dass unsere Karnivoren nicht viel Platz wegnehmen und recht eng beisammenstehen, kommt ganz schön viel zusammen“, erklärt Weilbrenner. Damit das Familienunternehmen seine Produktionsmenge bewältigen kann, beschäftigt es rund 25 Mitarbeiter.
„Von den 1000 Arten, die es auf der Welt gibt, umfasst unser Sortiment etwa 20 Arten fleischfressender Pflanzen“, berichtet Weilbrenner. „Besonders beliebt ist die Venusfliegenfalle, gefolgt von Sonnentau, Schlauchpflanzen und Fettkraut.“ Für die Pflanzen interessieren sich vor allem junge Männer im Alter zwischen etwa zehn und 35 Jahren.
Jede dieser Pflanzen hat ihre eigene Methode, um Beute zu fangen: Während Schlauchpflanzen ihre Opfer in Fallgruben locken, nutzen Sonnentau und Fettkraut klebrige Sekrete, die Insekten festhalten. Aber brauchen die Pflanzen wirklich Fleisch, um zu überleben? Lukas Weilbrenner klärt auf: „Nein, zum Überleben brauchen die Pflanzen nicht zwingend Fleisch. Wenn eine Pflanze jedoch keinen Zugang zu Fliegen oder anderen kleinen Insekten hat, wächst sie entweder gar nicht oder sehr langsam.“
Deswegen „füttere“ man die Pflanzen in der Gärtnerei mit einem speziellen Dünger, der die Nährstoffe enthalte, die sie zum Wachsen brauchten. „Es gibt auch einige Pflanzen, die in der Aufzucht und Pflege etwas anspruchsvoller sind, zum Beispiel der Zwerg- und Sumpfkrug sowie die Kobralilie. Im Großen und Ganzen gilt aber: Die Pflanzen brauchen es hell, warm und feucht, so geht es ihnen am besten.“
Der Betrieb verwendet eine Hackschnitzelheizung, um in der kühlen Jahreszeit eine optimale Temperatur von 20 Grad für die Pflanzen zu erzielen. Zur Beheizung im Winter werden rund 1500 Kubikmeter Hackschnitzel benötigt. Einen Teil davon produziert die Gärtnerei selbst. Auf einer Fläche von fünf Hektar wird Miscanthus angebaut, ein Gras, das bis zu vier Meter hoch werden kann und auch eine Art Stamm bildet. Im Winter verliert es seine Blätter, zurück bleibt nur der hölzerne Stamm, der gehäckselt wird.
Die Pflanzen werden in Töpfen verschiedener Größe angeboten, vom Neun-Zentimeter-Topf für fünf bis zehn Euro bis zur 25-Zentimeter-Hängeampel für 40 bis 60 Euro. „Etwa 65 Prozent unseres Absatzes bleiben in Deutschland, die restlichen 35 Prozent gehen nach Europa, insbesondere in die Niederlande und nach Polen“, erzählt Lukas Weilbrenner. „An Privatkunden verkaufen wir eigentlich nicht.“ Man nehme nur Bestellungen von großen Garten- und Bauhäusern wie Hornbach, Obi, Dehner und Toom an und von inhabergeführten Gartencentern.
Die Pandemie hat die Gärtnerei positiv beeinflusst. „Die Leute hatten mehr Zeit, sich mit dem eigenen Zuhause zu beschäftigen, und Gartencenter blieben geöffnet. Das hat unser Geschäft angekurbelt. Vor Corona hatten wir einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro, nach Corona ist dieser dann auf 2 Millionen Euro gestiegen“, berichtet Weilbrenner. In der Corona-Zeit hat man das Sortiment um die Grünpflanze Monstera Thai Constellation erweitert. „Wir haben die weiß gesprenkelte Monstera zu unserem Sortiment hinzugefügt, da diese während Corona in den sozialen Medien vor allem durch Influencer sehr bekannt wurde.“