Die Rose geht fensterln

Das Fenster trotz Blumen auf dem Brett öffnen

„Ich war gelangweilt und wollte wieder etwas bauen“, erzählt der Student Benedikt Hartmann aus München. Und er wollte den sehr theoretischen und mathematischen Themen in seinem Studium etwas entgegensetzen. Zudem absolvierte er neben seinem Maschinenbaustudium ein Programm am Center for Digital Technology and Management, in dem es um das Firmengründen ging.


„Das Problem hatte ich schon ewig: dass zu viele Pflanzen auf dem Fensterbrett stehen“, sagt Hartmann. So entwickelte er mit einem anderen Studenten, Lukas Benkhoff, nach Dutzenden 3D-Druck-Prototypen das „Frischluft-Fensterbrett“, ein Brett, das einfach am Fenster befestigt werden kann. Man kann das Fenster öffnen, ohne Pflanzen herunternehmen zu müssen. Das Lüften geht viel leichter. Weil das System kopiert werden könnte, läuft eine Patentanmeldung, die laut Hartmann mit 5000 bis 10.000 Euro nicht günstig ist.


2023 gründeten Hartmann und Benkhoff ihr Unternehmen. Sie sind bisher die einzigen Beschäftigten und arbeiten mit MaS-Solutions aus Deggenhausertal zusammen, einem Spezialisten für Oberflächenbeschichtung. Sie produzieren in Deutschland. Im Oktober 2023 produzierte man die ersten Bretter, und sie erstellten mit Shopify eine Verkaufsseite im Internet. Auf Pinterest luden sie Bilder hoch, was aber nicht erfolgreich war.


„Der erste Durchbruch kam dann durch ein Video, das wir im März 2023 auf Instagram veröffentlicht haben“, berichtet Hartmann. Es hatte mehr als 20 Millionen Aufrufe und führte zu allen möglichen Anfragen. 2023 verkauften sie erst zehn Bretter, 2024 dann rund 2000 Stück und erzielten einen Umsatz von etwa 50.000 Euro; die Gewinnmarge belief sich auf 30 Prozent. Ein zweites Video auf Instagram erreichte 40 Millionen Aufrufe, auf Tiktok, Facebook und Youtube erhielten Videos millionenfach Aufrufe.


Die beiden haben rund 14.000 Euro investiert, davon 10.000 Euro in eine große Standbohrmaschine und Kameraequipment. Sie legen Wert auf Nachhaltigkeit, doch haben die Bretter eine Plastikbeschichtung. Mit einer umweltfreundlichen Beschichtung würde der Preis stark steigen und womöglich Kunden – vor allem Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahre – abschrecken. Angeboten wird die bloße Halterung ohne Brett für 39 Euro. Mit Brett kostet das Set je nach Länge 49 bis 79 Euro. Künftig wollen sie ihr Produkt in den Einzelhandel bringen. Dafür sei eine Investition von 10.000 bis 30.000 Euro geplant.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05. Juni 2025, Nr. 129, S. 18 - Sina Herbst, Parler Gymnasium, Schwäbisch Gmünd

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