2TOP berät Frauen, die ganz nach oben wollen
„Wenn eine Frau als Vorstand in den Medien beschrieben wird, dann wird sie durchschnittlich mit 3,8 Kompetenzen beschrieben. Wenn ein Mann Vorstand wird, wird er durchschnittlich mit 5,8 Kompetenzen beschrieben“, sagt Elke Benning-Rohnke. Die 67 Jahre alte Gründerin und Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens 2TOP GmbH in Tegernsee bezieht sich auf den Gender Equality Index der Boston Consulting Group. „Frauen machen ihre Karrieren immer gegen Widerstände.“ Sie begegneten Vorurteilen mit Blick auf Kompetenz, Übernahme von Verantwortung und Führungsqualität.
Benning-Rohnke hat für Procter & Gamble gearbeitet und war die erste weibliche Marketingdirektorin für das Süßwarengeschäft von Kraft Jacobs Suchard, heute Mondelez. Danach war sie im Vorstand des Kosmetikunternehmens Wella. Sie ist geschäftsführende Gesellschafterin ihres Beratungsunternehmens Benning & Company.
2TOP wurde 2023 gegründet und bietet Beratungsprogramme für die Inklusion und Förderung von Frauen an. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren 2023 knapp 30 Prozent der Führungskräfte weiblich. Im europäischen Vergleich belegt Deutschland den 22. Platz. Lettland führt mit einer Quote von 45 Prozent, es folgen Polen (42,9 Prozent) und Schweden (41,7 Prozent). Dabei ist es für Unternehmen profitabler, wenn das Führungsteam heterogen ist, wie die Studie „How diverse leadership teams boost innovation“ der Boston Consulting Group zeigt.
2TOP führt zunächst eine Problemanalyse durch. Man frage etwa, wie Beurteilungsprozesse aussehen, sagt Benning-Rohnke. „Es gibt bestimmte Parameter, die in Frauenkarrieren besonders sind. Der erste ist, wenn sie ein Kind kriegen, der zweite ist, wenn sie den Sprung ins Topmanagement machen.“ Die Beratung umfasst neben Angeboten wie dem „Parental Transition Programm“ und dem „Executive Excellence Programm“ für Unternehmen auch Angebote für Einzelpersonen. Das Parental Transition Programm beinhaltet Coaching für Eltern und umfasst unter anderem die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und -modellen.
Es gehe darum, Eltern in ihrer Familienzeit „in ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen, Karriereambitionen zu verwirklichen und sie langfristig an das Unternehmen zu binden“. Darüber hinaus werden Führungskräfte in ihrer Kommunikationskompetenz geschult. Angestrebt wird eine Rolle als Motivator und Bezugsperson. Das Executive Excellence Programm richtet sich an Frauen, die den Sprung ins Topmanagement wagen wollen. Ihre Führungs- und Selbststeuerungskompetenzen sollen erweitert werden.
„Ich habe gedacht, ich würde das Unternehmen für große Mittelständler gründen“, sagt Benning-Rohnke. Schließlich seien die Konzerne von Gesetzen zur Frauenförderung betroffen und hätten schon viel mehr umgesetzt. Doch sie arbeite für diese Unternehmen. Durch das zweite Führungspositionen-Gesetz sind börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen verpflichtet, ab einer Vorstandsgröße von mindestens drei Mitgliedern eine Position mit einer Frau zu besetzen.
Zu den Kunden gehören Automobilhersteller, Siemens, Infineon und Großbanken wie die BNP Paribas und Unicredit. Man erschließe mit dem Fokus auf Frauen ein neues Geschäftsfeld. Derzeit gebe es „keine Mitbewerber, weil es für diese Art von Projekten gewöhnlicherweise auch sehr wenig Geld gibt“. Das Start-up habe im ersten Jahr einen „sechsstelligen Umsatz“ erwirtschaftet, sagt Benning-Rohnke. Neben ihr und Christine Vitzthum in der Geschäftsleitung hat das Unternehmen 16 weitere Mitarbeiter. Viele Mitglieder des Teams sind selbst als Unternehmer, C-Level-Executives, Dozenten oder Coaches tätig. Die Geschäftsleitung und einige Mitarbeiter arbeiten pro bono.