Unterwasserfotograf mit Weltmeistertiteln: Konstantin Killers ungewöhnlicher Nebenberuf
Konstantin Killer liebt es, zu tauchen und zu fotografieren. Er ist zweifacher Weltmeister in der Unterwassermodelfotografie und Deutscher Meister in dieser Disziplin, er hat zudem schon viele Preise gewonnen. Der Fünfzigjährige wohnt in Bobenheim-Roxheim in Rheinland-Pfalz. Die Weltmeistertitel gewann er 2018/19 und 2021/22 in der Kategorie „Unterwasser-Fashion“. Das ist eine von neun Kategorien des internationalen Underwater Photo Grand Prix aus Israel. 2014 gewann Killer die Kamera Louis Boutan und ist somit Deutscher Meister.
Killer hat schon mit Prominenten wie Daniela Katzenberger und bekannten deutschen Rappern gearbeitet, die er wegen einer vertraglichen Schweigepflicht nicht beim Namen nennen darf. Er war zudem der Hauptvideograf für die Folge „Belize: Marteria – Blue Hole Apnoe Tauchen“ der Show „Das Duell um die Welt“ von Joko und Klaas.
„Prägend für meine Entwicklung als Unterwasserfotograf waren die Kurse bei Kurt Amsler“, erzählt Killer. Amsler sei der Vorreiter der Unterwasserfotografie; er habe schon 1980 aufsehenerregende Nahaufnahmen von großen Haien gemacht und die Arbeit mit analogen Kameras perfektioniert.
Zusammen mit einem Team von zwei bis 14 Personen macht Killer mit einer speziellen Ausrüstung aufwendige Shootings. „Je nach Jahreszeit widme ich meinem Hobby unterschiedlich viel Zeit. Im Sommer und Herbst sind das ungefähr drei bis vier Stunden täglich, im Winter zwei bis drei Stunden und im Frühling dann nur noch maximal eine Stunde am Tag“, berichtet der Fotograf. Zu seinem Team zählen je nach Shooting ein Model, eine Designerin, ein Make-up-Artist, ein oder zwei Sicherheitstaucher, ein weiterer Kameramann, der das Shooting dokumentiert, ein Fototechniker und Bodenpersonal.
Angefangen hat Killer 2010 mit der Fotografie im Meer. Weil er als Kind oft segeln war, verspürt er eine tiefe Verbundenheit zum Meer, und in seiner Jugend habe er die analoge Fotografie erkundet. „Irgendwann habe ich dann aber angefangen, nicht nur die Dinge in der Natur zu fotografieren, sondern auch die Taucher. Der Mensch braucht immer einen Menschen als Referenzbild, um beispielsweise einschätzen zu können, wie groß der Fisch oder die Koralle auf dem Bild wirklich ist“, erzählt Killer. Er plane und kreiere gerne: welcher Gesichtsausdruck hier, welche Pose da? „Im Meer kann man nicht planen. Der Fisch schwimmt so, wie der Fisch schwimmt.“
Für die Shootings benutzt er eine Nikon Z6 II, eine spiegellose Vollformatkamera. „Der Unterschied zu normalen Kameras ist, dass diese Kamera bessere Sensoren für Licht hat, was für die Fotografie unter Wasser sehr wichtig ist“, erklärt Killer. Zu der Kamera benötigt er ein Gehäuse aus Aluminium, damit sie auch bei Shootings in der Tiefe nicht kaputtgeht. Das Gehäuse der Marke Seacam koste rund 12.000 Euro. „Insgesamt komme ich mit meinem gesamten Equipment, also Kamera, Gehäuse, Beleuchtung und Objektiven, auf einen Wert von ungefähr 25.000 Euro.“ Alle vier Jahre kauft sich Killer eine neue Kamera. Dann braucht er auch ein neues Gehäuse. „Ich gebe deswegen alle vier Jahre ungefähr 16.000 Euro für mein Equipment aus.“ Der Jahresumsatz, den er mit seinem Hobby erziele, betrage 30.000 Euro.
Für die Kleider der Models muss Killer kein Geld ausgeben, denn er arbeitet mit Designerinnen wie Oksana Schlee-Keil und Fatima Halwani zusammen, die ihm die Kleider ausleihen. Im Gegenzug erhalten die Designerinnen Werbebilder und eine größere Reichweite durch Killers Profil im Internet.
Im Hauptberuf ist Killer technischer Leiter eines Krankenhauses. Er sei froh, die Unterwasserfotografie nicht hauptberuflich auszuüben. Er nehme sich gerne viel Zeit für das Planen der Shootings, damit alles perfekt laufe. Auch das Bearbeiten der Bilder ist ihm wichtig. „Wenn ich es hauptberuflich machen würde, würde einfach die Magie verloren gehen, weil ich nicht so ausführlich vorgehen könnte, wie es mir Spaß macht.“
Jedes Jahr geht er mindestens zweimal auf Reisen. Südfrankreich, Thailand, Sardinien, Ägypten, Mallorca, Lanzarote und die Malediven hat er schon besucht. „Zunächst muss unter Wasser alles vorbereitet werden“, sagt er. Manchmal sind die Shootings in einem Pool, manchmal im Meer. „Man kann es sich vorstellen wie ein Fotostudio, denn ich baue die Blitze mit den Lichtleitern einmal auf, und da bleiben sie so lange stehen, bis das Shooting vorbei ist.“ Je nach Shooting können das bis zu 14 Blitze sein. Sobald die Models eingekleidet und mit wasserfestem Make-up geschminkt sind, erklärt er ihnen, wie man vorgehen wird. „Es gibt Shootings, in denen das Model und ich alle 30 Sekunden wieder auftauchen und Zwischenbesprechungen machen. Meistens bleiben wir jedoch für längere Zeit von bis zu zwei Stunden unter Wasser, weshalb ich die Posen mit ihnen größtenteils bespreche, bevor wir abtauchen.“
Zwischen den „Aufnahmesekunden“ haben die Models Verschnaufpausen, in denen sie mit einem Atemregler den nötigen Sauerstoff bekommen, damit sie nicht zu lange die Luft anhalten müssen. „Unterwasser können wir uns nur noch mit Händen und Füßen verständigen.“ Die Dauer eines Shootings hängt stark von der Wassertemperatur ab. Auch die Strömung im Meer beeinflusst die Dauer. Ist sie zu stark, muss man das Shooting abbrechen. „Da sich sowohl das Kleid als auch der Aufbau der Blitze durch die Bewegungen im Wasser verändern können, sollte schnell aufgebaut und fotografiert werden“, sagt Killer.
Für die Sicherheit ist ein Sicherheitstaucher zuständig. Er sei immer ab einer Wassertiefe dabei, in der das Model nicht mehr selbst stehen könne. „Im Meer bei einer Tiefe von fünf Metern muss man die Augen immer beim Model haben, weil man sonst nicht schnell genug reagieren kann, wenn sie sich beim Atmen zum Beispiel verschluckt.“
60 Prozent seiner Kundschaft seien Privatkunden, der Rest Filmstudios, Stadtwerke und sonstiges Gewerbe. Zu den Privatkunden gehörten Bräute, Junggesellenabschiede und Schwangere. Filmstudios verwendeten die Aufnahmen zum Beispiel für Unterhaltungs- und Nachrichtensendungen, Stadtwerke machten damit Werbung für Schwimmbäder. „Konkurrenz habe ich in Deutschland eigentlich keine“, sagt Killer. Je Monat habe er im Durchschnitt rund 40 Shootings. Am häufigsten gebucht werde das Minishooting; es dauere zehn Minuten und koste 55 Euro. Ein reguläres Shooting von zwei Stunden koste 425 Euro.