Für Lehrer ohne Plan

Untis beendet die Zettelwirtschaft in den Schulen

Spätestens seit Corona kennen viele die Stundenplan-Software der Untis GmbH aus dem österreichischen Stockerau. „In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Untis Marktführer in Schulsoftwarelösungen“, sagt Geschäftsführer Christian Gruber. Während sich Konkurrenten auf einzelne Aufgaben wie Stunden- oder Vertretungsplanung fokussierten, biete Untis eine ganze Palette universell anwendbarer Funktionen an. Melde sich ein Lehrer krank, könne mit der Software eine Vertretung gefunden werden; die Information werde anschließend an die Schüler weitergeleitet. Außerdem zeige die Software Lehrkräften an, welche Räume belegt seien; so könne schnell nachgeschaut werden, in welchem Raum eine Prüfung geschrieben werden könne.

 „Unsere Software konnte die lange Zeit an Schulen herrschende Zettelwirtschaft und die Magnettafeln ablösen“, sagt Gruber. Es gebe nun eine Stelle, an der alle beteiligten Personen, Lehrer, Eltern, Schüler und Stundenplaner, informiert würden. Die Software verfüge auch über wichtige verwaltungsinterne Tools wie Statistiken und eine Berechnung der Bezahlung der Lehrkräfte. „Unsere Kundschaft reicht von der kleinen Dorfschule bis zum großen Berufskolleg mit Tausenden von Schülern und Hunderten von Lehrern“, betont der Geschäftsführer.

Man plane, weitere Funktionen in die Software einzufügen, zum Beispiel ein Noten-Tool, das eine Endnote berechne. Es soll auch ein Algorithmus zur Berechnung von Kursschienen hinzugefügt werden. In vielen Schulen sei es eine Herausforderung zu analysieren, welche Kurse parallel laufen könnten und welche nicht, erklärt Gruber.

Untis wurde 1970 gegründet. Es sei eines der ältesten Softwareunternehmen der Welt, berichtet Gruber stolz. Zum Vergleich: Microsoft wurde fünf Jahre später gegründet. Untis wurde damals an einem IBM-Großrechner mit Lochkarten programmiert.

Die heute bekannte Online-Plattform Webuntis gibt es seit 2005. Das „Ende der Zettelwirtschaft“ habe man 2006 mit der Veröffentlichung des digitalen Klassenbuchs eingeleitet.

 Die App wurde 2011 auf den Markt gebracht. Nach Angaben des Unternehmens ist die Webuntis-App jedes Jahr seit 2018 die am meisten heruntergeladene App im Apple- und Android-Appstore. In der Corona-Pandemie sei die Kundenzahl nochmal stark gestiegen, sagt Gruber. Untis beschäftigt 150 Mitarbeiter. Genutzt wird die Software in mehr als 26.000 Schulen in 98 Ländern. Der Jahresumsatz beträgt nach eigenen Angaben 14 Millionen Euro.

 Simone Waltermann ist Schulleiterin des Hans-Böckler-Berufskollegs in Münster. Die Schule nutzt Untis seit 1995. Damals habe es keine anderen Softwareangebote mit diesem Funktionsumfang gegeben, sagt Waltermann. Ein weiterer Vorteil sei die hohe Kompatibilität mit Softwareprogrammen, die die Verwaltung nutze. „Somit können wir uns teure Verwaltungssoftware sparen und Freeware benutzen.“

Untis nutzt die Schule für Stundenpläne, Vertretungspläne, Bereitschaftsdienste und das Klassenbuch. Funktionen wie die Berechnung der Bezahlung von Lehrern, den Messenger und die automatische Stundenplanung hält Waltermann für nicht praktikabel an Berufskollegs. „Diese Funktionen sind für uns leider zu komplex. Da wir mit so vielen Schülern und Lehrern zu tun haben, gibt es zu viele Faktoren, die einbezogen werden müssen.“ Zum Beispiel gebe es Blockklassen, die nur an einigen Tagen in die Schule kämen.

Die Preise schwanken je nach Softwarepaket, Schulgröße und Land von ein paar hundert Euro für eine kleine Grundschule bis hin zu mehreren tausend Euro für eine große Berufsschule. Der Preis je Schüler liege zwischen einem und 3,50 Euro. Das Hans-Böckler-Berufskolleg mit mehr als 3100 Schülern bezahlt nach Angaben der Schulleiterin rund 3500 Euro im Jahr. Dies wird über den Verwaltungsetat finanziert; die Schülerinnen und Schüler zahlen nichts.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 07. November 2024, Nr. 260, S. 21 - Kuno Heller, Hans-Böckler-Berufskolleg, Münster

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