Marktführer Schneestern baut Actionsportanlagen für Olympische Winterspiele
Den Actionsport möchte die Schneestern GmbH & Co. KG aus Durach weiter verbreiten. Das eigene Bedürfnis, Actionsport auszuüben, sei die Initialzündung für die Gründung des Allgäuer Unternehmens im Jahr 1999 gewesen, erklärt Dirk Scheumann. Der Gründer, der selbst Freeski gefahren ist, fügt an: „Der Sport war zu wenig akzeptiert, es fehlte an Infrastruktur.“ Begonnen hat das Unternehmen mit dem Bau von Snowboardparks. Das Produktportfolio wurde stark erweitert. Neben Indoor- und Outdoor-Skateparks, Urban Sport Parks und Pumptracks produziert Schneestern auch Bikeparks und -trails. Damit halte man die Biker auf den Wegen und verhindere, dass sie wild durch den Wald führen und Pflanzen zerstörten.
In den Urban Sport Parks soll sich die ganze Familie wohlfühlen. Zu dem Schwerpunkt Rollsport werden in diesen Parks auch Fitnesstrends realisiert. Dazu gehören Slacklining, Geräte für Calisthenics und Flächen für Outdooryoga. „Jede gebaute Anlage ist ab Tag eins fast schon voll“, sagt Scheumann. Mit den Produkten wolle man auch eine „soziale Rendite“ ermöglichen. Wer sich etwa in der Natur bewege, verbringe weniger Zeit mit negativ behafteten Tätigkeiten wie Fernsehen.
Man legt Wert auf Nachhaltigkeit. Für die Herstellung der Skaterampen verwendet das Unternehmen recycelte Kunststoffe. Das Hauptmaterial besteht aus alter Kleidung kombiniert mit recyceltem Plastik, beispielsweise Joghurtbechern. Schneestern beschäftigt rund 120 Mitarbeiter. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Wartung der Anlagen. Dabei ist der Aufwand unterschiedlich. So benötigen Skateparks und Pumptracks im Vergleich zu Mountainbike-Trails wenig Wartung. Man produziert in Durach. „Es gab natürlich auch die Überlegung, ins Ausland zu gehen, allerdings haben wir uns bewusst zugunsten kürzerer Lieferketten dazu entschieden, den Standort in Deutschland zu behalten“, erklärt Scheumann.
Scheumann berichtet, man könne bei Schneestern etwas für 100 Euro erwerben und etwas für zwei Millionen Euro. Beispielsweise habe ein Skatepark in Meran mit einer Größe von 750 Quadratmetern 136.200 Euro (netto) gekostet. Bei den Auftraggebern handele es sich zu 70 Prozent um Kommunen, der Rest sind private Kunden wie Stiftungen, Vereine und Bergbahnen. Der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr habe knapp über zehn Millionen Euro gelegen. In den vergangenen Jahren habe die Corona-Pandemie die Sportentwicklung stark gefördert, sagt Scheumann.
Mittlerweile trage der Sommerbereich am stärksten zum Umsatz bei, das Unternehmen habe sich in diesem Bereich stark weiterentwickelt. In den vergangenen Jahren sei der Umsatz jährlich um zehn bis 20 Prozent gestiegen. „Je weiter wir in den Wintersport gehen, desto internationaler wird es“, sagt der Geschäftsführer. Man realisiert Winterprojekte in China, Korea, der Türkei und Skandinavien. Die Sommersparte, also die Skateranlagen und Bikeparks, beschränkten sich auf Deutschland und Österreich. Die Konkurrenz sei auf einzelne Sparten begrenzt, berichtet Scheumann. „Es gibt meines Wissens nach global keinen Anbieter mit derselben Vielfalt an Produkten.“ Im Bereich der Snowparks sei man Weltmarktführer.
Zu diesen Projekten zählt der Bau der Anlagen für die Slopestyle- und Big-Air-Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking. Big-Air-Anlagen sind große Freestyle-Rampen, auf denen Skifahrer und Snowboarder ihr Können unter Beweis stellen. Sie bestehen zu einem großen Anteil aus Schnee.
Im April sprang der Japaner Ryōyū Kobayashi auf einer Schneestern-Schanze in Island eine Bestmarke von 291 Metern und schrieb damit Skiflug-Geschichte. Doch blieb der Sprung ein inoffizieller Weltrekord, da er außerhalb eines Weltcup-Wettbewerbs stattfand. Für das Allgäuer Unternehmen war es trotzdem ein großer Erfolg.
In der Mitte der Wintersaison erhielt man den Auftrag von Red Bull. Für Schneestern, das zuvor noch keine Skisprung- oder Skiflugschanze gebaut habe, sei das eine Herausforderung gewesen. Die Schanze wurde aus reinem Naturschnee geformt. Dieser wurde über mehrere Wochen gesammelt. Hierzu wurde der Schnee zu einem Hügel aufgeschoben und mit Planen abgedeckt. In der kompakten Form bleibt er länger erhalten. Auch Skigebiete nutzen diese Methode des Snowfarmings vermehrt und können dadurch Kunstschnee im Sommer lagern.
Das Formen der 950 Meter langen Anlage in Island dauerte zwei Wochen. Sie hatte einen Anlauf von 160 Metern und einen Schanzentisch in zwei Meter Höhe. Schanzen aus Schnee müssen täglich gewartet werden. Wenn es nicht besonders viel Niederschlag gebe oder zu warm sei, könnten die Snowparks den ganzen Winter überstehen, sagt Scheumann und fügt hinzu: „Das Wetter und die baulichen Herausforderungen waren in 25 Jahren noch nie so krass wie auf diesem Vulkangebirge im Norden von Island.“ Dazu gehörten Sturm, Schnee und schlechte Sicht.
Insgesamt bevorzugt der Geschäftsführer Projekte aus Naturschnee. Sie seien nachhaltiger, da „nichts verschwendet wird und die eingesetzte Energie im Verhältnis zu anderen Baumaterialien absolut überschaubar ist“.
2023 hat man die Rollspiel GmbH gegründet, mit Sitz in Düren in Nordrhein- Westfalen. Sie sei auf Kinder zwischen drei und zehn Jahren spezialisiert. „Wir haben gemerkt, dass in Kindergärten, Schulen und auf Spielplätzen das Thema Rollen fehlt“, erläutert Scheumann. Durch Kooperationen mit Wissenschaftlern fand man heraus, dass gewöhnliche Spielplätze die Kinder aufgrund der Digitalisierung kaum noch begeistern. Man entwickle nun „Mini-Skateparks“, die schon Kleinkinder mit Bobbycars, Laufrädern und Scootern gefahrlos nutzen könnten.