Bevor Kaffee getrunken wird, wird er geröstet – sehr oft in Maschinen des Weltmarktführers Probat aus Nordrhein-Westfalen.
Kaffee ist das meistgenossene Getränk der Deutschen. Bevor er getrunken wird, muss er geröstet werden. „Die effektivste Maschine für den Kaffee ist der Röster“, sagt der Geschäftsführer der Probat SE aus Emmerich in Nordrhein-Westfalen, Wim Abbing. Das Unternehmen rangiert als Weltmarktführer im Bereich Maschinen- und Anlagenbau für die Kaffee- und Nahrungsmittelindustrie.
Abbing leitet das 1868 gegründete Familienunternehmen in der vierten Generation. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann das Unternehmen Kolonialwaren wie Rohkaffee zu importieren. Diesen verkaufte man an die Haushalte, wo er in der Pfanne geröstet und anschließend aufgebrüht wurde. Wegen des höheren Verdiensts beim Verkauf von geröstetem Kaffee entschloss man sich, Kaffeeröster zu bauen. „Unser erster Export ging an Lindt in die Schweiz“, erzählt Abbing. Heute ist Probat in allen Regionen der Welt vertreten, man unterhält 14 Standorte. „Das einzige Land, in das wir nicht expandieren möchten, ist China; das gefällt mir einfach nicht so richtig“, sagt Abbing.
Produziert werden Röstmaschinen und Mühlen hauptsächlich für Kaffee, aber auch für Kakao und Schokolade. „Wir bauen die größten Kaffeeröster der Welt“, sagt Abbing. Die Kaffeeindustrie sei relativ einfach, während für Kakao und Schokolade der Röster nur eine von mehreren Maschinen sei, die zum Endprodukt beitrügen. Probat beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter, etwa 550 in Deutschland. „Ungefähr 10 Prozent unseres Umsatzes findet in Europa statt, der Rest hauptsächlich in Amerika und Asien“, berichtet Abbing.
Das Unternehmen beliefert internationale Konzerne wie Starbucks, Nestlé, Melitta und Jacobs. Auch Aldi röste mit den Maschinen. „Europa ist sehr stark auf die Großindustrie ausgerichtet“, sagt Abbing. In Südamerika und Asien beliefere man eher kleine bis mittelgroße Kunden. Probat produziert auch für Kunden wie „das kleine Café um die Ecke“.
Laut dem Geschäftsführer stellt man jährlich etwa 500 kleine Maschinen und 60 bis 70 große Industriemaschinen her. Die Produktpreise variierten von 30.000 bis 2 Millionen Euro. „In dem engen Markt, in dem wir uns bewegen, ist der Preis immer ein gut gehütetes Geheimnis“, sagt Abbing. Alle Produkte würden hausintern gefertigt.
„Was wir können, ist heiße Luft“, sagt Abbing. Damit werde der Kaffee geröstet. Bei der Herstellung der Röster wird das Blech gebogen, geschweißt, gebohrt und anschließend alles zusammenmontiert. „Die wichtigsten Zulieferer sind Stahlhändler und Unternehmen wie Siemens, die Elektrokomponenten liefern.“ Probat versucht, nicht abhängig von einzelnen Lieferanten zu sein.
Das Unternehmen hat sich auch zu einem Softwarehaus entwickelt. „Wir schreiben die Software für unsere Anlagen und Maschinen selbst“, berichtet Abbing. Ein wichtiger Bestandteil dieser Transformation ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Was man derzeit umsetze, sei Machine Learning. Dabei verstehe man immer noch, wie das Ergebnis mit den Eingangsdaten zusammenhänge.
„Je kleiner unsere Maschinen sind, desto größer ist die Anzahl der Wettbewerber, da es einfacher ist, einen kleinen Röster herzustellen als einen großen“, erklärt Abbing. Auf dem Markt für große Maschinen habe Probat nur zwei bis drei relevante Wettbewerber, etwa Neuhaus Neotec in der Nähe von Bremen. „Es ist interessant, dass keiner unserer Wettbewerber das gesamte Portfolio abdeckt; wir können Maschinen von klein bis groß anbieten, womit wir uns deutlich abheben“, sagt Abbing. Im Geschäftsjahr 2023 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro. Laut dem Geschäftsführer beträgt der Marktanteil etwa 70 Prozent.
Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands wird in Deutschland weniger Kaffee getrunken als noch vor einigen Jahren. Besonders jüngere Menschen greifen seltener zur Kaffeetasse. „Wenn die Jungen dann Eltern werden und immer noch keinen Kaffee trinken, lernen deren Kinder gar nicht mehr, Kaffee zu trinken“, sagt Abbing. Das könnte langfristig den Status von Kaffee als Lieblingsgetränk der Deutschen bedrohen. Energydrinks erfreuen sich derzeit größerer Beliebtheit unter jungen Menschen.
In Deutschland hemmen der sinkende Kaffeekonsum und die EU-Entwaldungsrichtlinie das Geschäft von Probat. Letztere verbietet ab dem nächsten Jahr die Einfuhr von Agrargütern wie Kaffee, die auf abgeholzten Flächen angebaut wurden. Dies stellt kleine Bauern, etwa in Guatemala, vor große Herausforderungen, da sie die Herkunft ihres Kaffees nachweisen müssen, was praktisch schwer umsetzbar sei.
Am Hauptsitz in Emmerich unterhält das Unternehmen ein Museum zur Geschichte des Kaffees. Dort sind neben dem Kaffeeanbau und verschiedenen Kaffeepflanzen auch historische Röstmaschinen zu sehen wie Pfannen- und Kugelröster, sowohl von Probat als auch von anderen Herstellern.