In Thüringen züchtet ein Ehepaar eine vom Aussterben bedrohte Ziegenrasse und verkauft Käse aus der Milch.
Katja Peter und ihr Mann Wolfgang Peter züchten auf dem Ziegenhof Peter in Greußen in Thüringen die in Deutschland heimische, bedrohte Tierrasse Thüringer Wald Ziege. Katja Peter ist die Betriebsleiterin der Hofkäserei und Wolfgang Peter der Geschäftsleiter des Landwirtschaftsbetriebs. Die erste Ziege war laut Katja Peter ein Zufall, man habe dann aber entdeckt, dass sich die regionale Rasse gut zum ,,Storytelling“ für regionale Produkte eigne. Die Thüringer Wald Ziege gilt wegen ihres niedrigen Bestands von etwa 1300 Zuchtziegen als stark gefährdet. Der Ziegenhof Peter gehört mit 100 Herdbuchziegen und fünf Zuchtböcken nach eigenen Angaben zu den wichtigsten Zuchtbetrieben.
Die dort produzierte Ziegenmilch wird vor Ort in der Hofkäserei zu Spezialitäten verarbeitet. Sehr beliebt ist der erfrischende Trinkjoghurt aus Ziegenmilch Mit „Zickolo“ sei man der einzige Ziegenhof in Deutschland, der seine Produkte unter einer eingetragenen Marke verkaufe. Außerdem bietet man Käse an, etwa den Frischkäse „Frische Ziege“ und den Schnittkäse „Greußener Mühlenkäse“. Der durchschnittliche Verkaufspreis des Ziegenkäses liegt laut Peter bei 25 Euro je Kilogramm im Hofladen und für Wiederverkäufer bei 20 Euro. Die Produkte werden überwiegend in einem Umkreis von 50 Kilometern verkauft.
Wolfgang und Katja Peter wurden in Agrarwissenschaften promoviert, bevor sie 1998 die historische Steinfahrtsmühle kauften, um den Vierseitenhof als Betriebs- und Wohnstätte zu nutzen. Die Hofkäserei zu gründen sei relativ einfach gewesen, weil sie schon vorher im Landwirtschaftsbetrieb bestanden habe. Inzwischen, glaubt Katja Peter, sei aber der bürokratische Aufwand, ein solches Unternehmen zu gründen, so hoch, dass es kaum noch machbar sei. „Wir haben irgendwann mal überlegt, ob wir die Käserei zurück in den Landwirtschaftsbetrieb stecken“, sagt sie. Doch auch dies sei inzwischen zu kompliziert.
Neben der Thüringer Wald Ziege findet man auf dem Hof noch andere alte Haustierrassen wie Exmoor-Ponys und Thüringer Barthühner; dafür hat die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) den Hof als „Arche-Hof“ anerkannt. Nach GEH-Angaben gibt es nur noch 4180 Exmoor-Ponys auf der Welt, wovon 1792 Zuchttiere seien. Die Zahl der Thüringer Barthühner beläuft sich auf etwa 1000 Hennen und rund 250 Hähne. Alle zwei Woche sterbe eine Nutztierrasse aus. In Deutschland stehen mehr als 130 Rassen auf der „Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen“. Zur Erhaltung dieser Rassen hat die GEH 1995 das Arche-Projekt ins Leben gerufen. Neben den Arche-Höfen gibt es Arche-Parks, Arche-Dörfer und Arche-Regionen. In Arche-Dörfern schließen sich innerhalb einer Dorfgemeinde vier oder mehr Arche-Betriebe zusammen, um der Öffentlichkeit die Rassenvielfalt näherzubringen.
Der Umsatz der Käserei, den Katja Peter für 2024 auf etwa 200.000 Euro schätzt, sei nach langer Stagnation deutlich gestiegen. Der Grund sei der Einstieg in die Eisproduktion. Seit zwei Jahren verkauft man Eis aus frischer Milch und Zickolo-Joghurt. Auch zwei Eiswagen bieten das Eis von April bis Oktober in der Region an, auf Feiern ebenfalls. Viele Kunden können laut Katja Peter Eis aus Ziegenmilch nicht von dem aus Kuhmilch unterscheiden.
Morgens und abends werden die Ziegen erst mit der Hand vorgemolken und danach mit einem speziellen Ziegenmelkzeug schonend gemolken. 90 Ziegen produzierten rund 70.000 Liter Milch im Jahr. In der Hofkäserei arbeiten neben Katja Peter vier weitere Frauen, die die Milch nach handwerklichen Rezepten und in viel Handarbeit verarbeiten. Eine gute Gelegenheit für einen Blick hinter die Kulissen bietet zum Beispiel das Hoffest, das jedes Jahr am Pfingstmontag stattfindet. Für Kinder wird Ponyreiten, Tierstreicheln und das Herstellen von Käse angeboten.