Leiber veredelt Bierhefe und profitiert von aktuellen Ernährungstrends
Die Leiber GmbH in Bramsche bei Osnabrück hat sich auf die Veredelung von Bierhefe spezialisiert. Gegründet wurde das Familienunternehmen 1954 im niedersächsischen Damme. „Leiber ist weltweiter Marktführer für Bierhefeprodukte und zur Veredelung von Bierhefe zu innovativen Produkten für Mensch und Tier“, berichtet Marketingleiterin Karolin Kreutzer.
Ursprünglich auf die Bierhefeverarbeitung für die Tierernährung fokussiert, gelang Leiber 1964 mit der Entwicklung eines Trocknungsverfahrens ein „technischer Durchbruch“: Bierhefe konnte so verarbeitet werden, dass bestimmte Inhaltsstoffe weitgehend erhalten blieben. Der Einsatz dieses Verfahrens bildete eine Grundlage für weitere Anwendungen, unter anderem in der Tierernährung. 1994 ging ein Hefeextraktionswerk in Betrieb. Seitdem wurde der Standort Bramsche durch mehrere Trocknungsanlagen weiter ausgebaut.
Laut Kreutzer beliefert das Unternehmen mehr als 65 Länder, insbesondere in Europa, Asien und Amerika. Rund 80 Prozent der Produkte gingen in den Export. „Leiber verarbeitet jährlich etwa 350.000 Tonnen Bierhefe.“ Das Prinzip dahinter ist Upcycling: Die Hefe wird als Nebenprodukt aus dem Brauprozess bezogen und zu hochwertigen Produkten in Pulver- und Pastenform verarbeitet, die in mehreren Branchen Verwendung findet, etwa als Futterzusatzstoff für Milchkühe und Geflügel oder als Hefeextrakt, der in Suppen oder Soßen als Geschmacksverstärker dient.
In der Biotechnologie werden Hefeprodukte in Fermentationsprozessen als Nährlösung für Mikroorganismen eingesetzt, etwa in der Produktion von Enzymen und Vitaminen. Außerdem werden die Inhaltsstoffe der Hefe im Bereich Nutraceuticals unter anderem in Tabletten und Kapseln verarbeitet, etwa zur Ergänzung bei veganer Ernährung.
In der Tierernährung stehe die gesunde Ernährung von Haustieren im Mittelpunkt. Ziel sei unter anderem die Stabilisierung des Verdauungstrakts sowie die Bindung und Inaktivierung von Schadbakterien und Mykotoxinen. „In der menschlichen Ernährung werden hauptsächlich Bierhefeextrakte mit unterschiedlichen Geschmacksprofilen und Funktionalitäten verwendet, zum Beispiel zur Geschmacksintensivierung und Verbesserung der Textur oder Cremigkeit von Produkten“, erklärt Kreutzer. Als Beispiel nennt sie die neue Arosta-Produktreihe, mit der sich bis zu 40 Prozent Kakao in Produktformulierungen wie Eiscreme oder Getränken einsparen ließen.
Julia Himmelreich aus Desingerode bei Göttingen berichtet von einer Futterkur mit Leiber-Hefe, die sie über mehrere Wochen an ihrem rund 600 Kilogramm schweren, alten Wallach ausgeführt habe, 50 bis 100 Gramm täglich. „Mein Pferd war sonst pingelig, aber das hat er echt gut gegessen“, sagt sie. Das Ergebnis sei gewesen: verbesserter Muskeltonus, mehr Energie und glänzendes Fell.
In der Lebensmittelindustrie steigt das Interesse an den Produkten aufgrund von Trends wie proteinreicher, veganer und nachhaltiger Ernährung. So findet man Hefeextrakte als natürliche Proteinquelle in veganen Aufstrichen. Produkte auf Basis von Bierhefe werden in Fleischersatz, Suppen und Backwaren eingesetzt.
Leiber erzielte laut Kreutzer 2024 einen Umsatz von 113 Millionen Euro; er stammte von der Leiber GmbH, der Leiber Sp. z o.o. in Polen und ABN in Spanien. Man beschäftige rund 200 Mitarbeiter. Die Preise variieren von ein- bis dreistelligen Beträgen je Kilogramm. Der Bierkonsum sinke seit Jahren, sagt Kreutzer. Leiber sichert sich durch Partnerschaften in Forschung und Produktion, etwa mit Asahi aus Japan, einem der weltgrößten Brauereikonzerne, den langfristigen Zugang zu Rohstoffen.