Wie SNB ausgediente Bergbauschächte sichert
Die 1889 gegründete Schachtbau Nordhausen GmbH (SBN) aus Nordhausen zähle zu den traditionsreichsten Schacht- und Maschinenbauunternehmen Deutschlands, sagt Geschäftsführer Danny Bodenstab. „Im Bereich Bergbau konzentriert sich das Unternehmen auf die Sanierung und Verwahrung, das dauerhafte, wartungsfreie und wirkungsvolle Verschließen von abgeworfenen Schächten sowie auf Dienstleistungen im Endlagerbergbau.“ Stahlbauprojekte wie die Sanierung der Elisabethbrücke in Halle und mehrerer Rheinbrücken gehörten ebenfalls zum Portfolio. „Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Anlagentechnik, insbesondere in der Planung und dem Bau von Wasser- und Abwasseraufbereitungsanlagen.“
Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatz zwischen 150 und 160 Millionen Euro. Man beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter. Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde aus dem staatlich gelenkten Kombinat eine GmbH. Die Zahl der Beschäftigten sank von 3000 auf 450. Ein entscheidender Wendepunkt war die Übernahme durch die Bauer AG aus Schrobenhausen 1992. Sie brachte in einer eher schlechten Marktlage finanzielle Stabilität, man konnte neue Geschäftsfelder erschließen.
Ein technisch besonders anspruchsvolles Projekt sei der gut 800 Meter tiefe Schacht „Saale“. Der ehemalige Kalischacht gehört zur Grube Teutschenthal in der Nähe von Halle (Saale). Ziel ist, den schon in der DDR verschlossenen Schacht durch Verwahren langfristig zu sichern und Umweltschäden zu verhindern. „Im Durchschnitt arbeiten hier 15 bis 25 SBN-eigene Mitarbeiter, aufgeteilt in einem Dreischichtbetrieb“, sagt Bodenstab.
Beim „Wiederaufwältigen“, dem Ausräumen und abermaligen Absichern eines schon aufgegebenen Schachts, habe man problematische Zustände angetroffen. Wo ein Widerlager geplant war, befindet sich eine Verbruchzone, die den Schachtdurchmesser nahezu verdreifacht. Daher kann das vorgesehene Abdichtbauwerk nicht eingesetzt werden. Diese Zone wurde nun aufwendig gesichert und schon teilweise mit einem Spezialbeton aufgefüllt. Diese Salzbetonmischung werde zum ersten Mal auf der Welt in einem Kalischacht verwendet. Der Beton ist anspruchsvoll; er wird über Tage angemischt und dann unter Tage gebracht, wo er unter Erzeugung sehr hoher Temperaturen rasch aushärtet.
Ein Beispiel für ein Projekt im Ausland ist die 284 Meter lange Bøkfjord-Brücke in Kirkenes in Norwegen. „Sie wurde vollständig in Nordhausen gefertigt und anschließend nach Kiel und mit dem Schiff weiter bis zum Montageort transportiert und dort eingeschoben“, sagt Bodenstab. Seit gut zehn Jahren ist SBN in Kasachstan aktiv und fährt dort mit Thyssen Schachtbau Strecken in einem Chromerzbergwerk auf: Für die Gewinnung von Erzen fördert man Gestein aus dem Berg und schafft so Hohlräume.
Als eines von wenigen Unternehmen produziert SBN Förderhaspeln – Zug- und Hubwinden zur Bewegung von Lasten und Personen in Schächten. Ein Beispiel ist die „Rettungswinde Südharz“, die mit einer Sattelzugmaschine auf einem hochfahrbaren Lkw-Achssystem ohne Sonderzulassung schnell zum Notfallort gebracht werden kann. Der Preis der Förderhaspeln variiere stark, eine mobile Variante könne etwa eine Million Euro kosten, sagt Bodenstab.