Seid ihr alle da?

Das Bauunternehmen Otto Heil und eine Tochtergesellschaft  der Telekom haben den digitalen Bauhof erfunden – damit teure Maschinen keine Füße  bekommen. 


Wir wollen vermeiden, dass unsere Geräte und Bauhilfsmittel Füße bekommen“, sagt Peter Heil, Geschäftsführer des Bauunternehmens Otto Heil GmbH & Co. KG in Eltingshausen in Franken. Um dies zu bewerkstelligen, entwickelte das Unternehmen eine innovative Idee: „Wir waren die Ersten, die so etwas in der Art gemacht haben. Wir nennen es die Digitalisierung unseres Bauhofes. Das bedeutet aber nicht nur den Bauhof in Eltingshausen, sondern auch den in Taucha.“ Mittlerweile zählt der Standort Taucha bei Leipzig zu den Zentralen der Unternehmensgruppe. „Es gibt einen weiteren Sitz in Erfurt für den Bau, und für die Immobilien haben wir zusätzlich Büros in Frankfurt am Main, Dresden und Berlin.“ Das 1907 in Bad Kissingen gegründete Familienunternehmen wird heute in vierter Generation geführt.  

Damit alles so reibungslos wie möglich funktioniert, schuf es ein neues Konzept in der Baubranche: den digitalen Bauhof. „Wir haben unzählige Groß- und Kleingeräte. Wenn man dann am Ende des Jahres eine Inventur macht, stellt man fest, dass irgendwie doch Geräte Füße bekommen haben und von der Baustelle entwendet wurden. Das wollen wir vermeiden und nachvollziehen, wenn es dann doch passiert“, erklärt Heil.

Erste Versuche mit Barcodes auf den Geräten führten nicht zum gewünschten Ergebnis, wie IT-Bereichsleiter Marco Wunderlich berichtet: „Im rauen Baustelleneinsatz, wo zum Beispiel Beton an die Geräte kommt, ist der Barcode schnell nicht mehr lesbar.“ In Gesprächen mit der Syfit GmbH in Aalen, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, entstand die Idee, gemeinsam etwas Neues zu entwickeln. „Wir haben dann in eineinhalb Jahren das System entwickelt und seit 2022 ausgerollt. Wir reden von ungefähr 9000 Beacons, die wir mittlerweile an und in Geräte und an Betriebsmitteln verbaut haben.“

Beacons sind batteriebetriebene Sender in verschiedenen Größen, die auf der Bluetooth-Low-Energy-Technologie basieren und kontinuierlich Signale an Empfänger senden. In der Theorie haben sie eine Reichweite von bis zu 100 Metern, was in der Praxis laut Wunderlich so nicht ganz funktioniert: „Draußen im Freien, wo die Signale auch einmal gedämpft sein könnten, sind es eher 50 Meter.“ Sie sind auch gegen Wasser geschützt. In ihre Kleinstgeräte haben sie NFC-Chips verbaut, kleine Knöpfe, die auch in Bankkarten verwendet werden.

Zum Empfang der Daten sind die Mobiltelefone der Mitarbeiter das Naheliegendste. Darüber hinaus gibt es „Hubs“, die Bluetooth-Daten empfangen. Inzwischen sammeln auch die Firmenfahrzeuge die Daten. Die Daten werden an eine Cloud-Plattform gesendet, die von der Telekom gehostet wird: „Es war uns wichtig, keine Server mit unseren Daten im Ausland zu haben“, sagt Heil.

Sobald die Daten dort eingegangen sind, können sie über eine App abgerufen werden, die beim Starten alle 9000 ­Beacon-Dateien lädt, wie Wunderlich erklärt. Nutzer können eine Baustelle auswählen und erhalten einen Überblick über die dort vorhandenen Geräte; zudem wird angezeigt, welche sich in Reichweite befinden. Man kann nach Geräten suchen und Informationen über diese abrufen.  „Wenn zum Beispiel ein Bagger einen Defekt hat, hinterlegt man diese Information auf dem Beacon des Baggers, so weiß jeder Bescheid.“ Bauleiter können genau nachvollziehen, welche Materialien und Werkzeuge sich auf ihrer Baustelle befinden. 

Das Smartphone hat sich laut Heil zu einem unverzichtbaren Arbeitsmittel entwickelt; alles könne jederzeit über das System lokalisiert werden. Bei Bedarf könnten Geräte direkt von einer Baustelle zur nächsten transportiert werden. Mittels Geofencing wird eine automatische Benachrichtigung ans Handy geschickt, sollten Geräte unautorisiert die Baustelle verlassen. „Ein Vermessungsgerät kostet zum Beispiel rund 50.000 Euro, es gibt Geräte, die einfach richtig was kosten“, betont Heil.

„Vom Presslufthammer über die Raupe bis zu den Schalttafeln haben wir überall ein Beacon eingebaut“, sagt Wunderlich. „Natürlich muss man den wirtschaftlichen Faktor mitbetrachten. Wenn ich an eine Schaufel für 20 Euro einen Beacon für 25 Euro montiere, macht das keinen Sinn.“ Mittlerweile seien 20.000 Teile mit Beacons beziehungsweise NFCs ausgestattet, Tendenz stark steigend.  Früher sei jemand bei der Inventur auf der Baustelle herumgegangen und habe jede Bohrmaschine gezählt und alles, was so herumliegt. „Nunmehr kann man sich das einfach sparen.“

Die Entwicklungsdaten liegen bei Syfit. Deshalb kann diese Technologie auch in anderen Unternehmen implementiert werden. „Je weiter sich das verbreitet, desto besser ist es für die komplette Bauwirtschaft.“ Erste Unternehmen schlössen sich an. Das öffentliche Interesse am digitalen Bauhof ist hoch. „Wir hatten schon Besuch vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder“, sagt Heil. 

Heil ist vor allem im Hochbau tätig und arbeitet viel für die öffentliche Hand. Gebäude werden zum Beispiel von Grund auf saniert, so auch der Kulturpalast in Dresden, „ein Leuchtturmprojekt“ des Unternehmens. Das größte Projekt zurzeit ist die Sanierung des Staatstheaters in Augsburg mit einem Auftragsvolumen von knapp 19 Millionen Euro. „Für 2024 rechnen wir mit einer Bauleistung von 85 Millionen Euro. 2010 war sie nur ein Drittel so groß“, sagt Heil. Rund 350 Mitarbeiter arbeiten im Bereich Bau und 40 im Immobilienbereich.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06. Februar 2025 , Nr. 31, S. 18 - Rosa Wilm, Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium, Münnerstadt

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