Wenn man in der Tinte sitzt

Der Name der Ex-Freundin oder ein dummer Spruch: Wie wird man ein Tattoo wieder los? „Endlich Ohne“ verspricht ein effektives Verfahren.

Je nach Umfrage ist jede vierte oder sogar dritte Person in Deutschland tätowiert. Besonders unter jungen Menschen im Alter von 25 bis 34 Jahren sei das Tätowieren zu einem Trend geworden. Tattoos sind stumm und erzählen dennoch eine Geschichte. Sie dienen als Ausdruck von Persönlichkeit, Religion, politischer Meinung, Liebe oder Zugehörigkeit. Doch was passiert, wenn sich diese Geschichten ändern oder nicht mehr erzählt werden sollen? Mandy Fischer, 50 Jahre, ließ sich mit 29 Jahren ihr erstes Tattoo stechen und möchte sich nun eines ihrer Tattoos entfernen lassen. Sie sei damit sehr unzufrieden, sagt sie. Fischer ist Kundin der Dr. Goeman Ästhetik GmbH & Co. KG aus Waiblingen, bekannt als „Endlich Ohne Tattooentfernung“.


Man ist nach eigenen Angaben Marktführer für Tattooentfernungen in Deutschland. Laut Nicolai De Marco, einem der Inhaber, basiert die Marktführerschaft auf der Anzahl der Standorte und der Behandlungen. Man hebe sich durch modernste Lasertechnologie, sehr hohe Sicherheitsstandards, ein erfahrenes Ärzteteam und individuelle Beratungen von Konkurrenten ab. „Durch standardisierte Abläufe, Qualitätssicherung und die konsequente Aufklärung der Kunden konnten wir Vertrauen aufbauen, und dieses Vertrauen ist der Hauptfaktor für unseren Wachstumserfolg“, sagt De Marco. Der Marktanteil sei schwer zu bestimmen, da es viele kleinere Anbieter gebe. „Nach internen Hochrechnungen der Standorte kann man jedoch davon ausgehen, dass wir in vielen Regionen einen signifikanten Anteil am Markt für medizinisch fundierte Tattooentfernung haben.“


Man lege viel Wert auf Kundenzufriedenheit und die kontinuierliche Schulung der Mitarbeiter. „Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Bei unserem Erstgespräch wurde mir alles genau erklärt und meine Fragen genauestens beantwortet“, sagt Kundin Mandy Fischer. Der Kundenkreis hat sich laut De Marco sehr verändert: „Der klassische Kunde war früher männlich, 25 bis 40 Jahre alt, mit sichtbarem Tattoo und in beruflich sensibler Position. Heute ist der Kundenkreis deutlich vielfältiger; etwa 60 Prozent sind Frauen und 40 Prozent Männer.“ Die Altersspanne reiche von 20 bis 50 Jahren.


„Zunehmend kommen auch junge Menschen nach einem ersten Impulstattoo, das sie bereits nach wenigen Monaten bereuen“, sagt De Marco. „Früher galt die Tattooentfernung als letzter Ausweg nach Fehlentscheidungen, heute ist sie ein Teil eines bewussten Lifestyle-Managements. Aktuelle Trends sind die Aufhellung für Cover-ups, die Entfernung kleiner Finger- oder Handtattoos oder die Vorbereitung auf bestimmte Lebensphasen wie ein Karrierewechsel.“


Die Mitarbeiter führen nach De Marco jährlich etwa 100.000 Behandlungen durch. Am häufigsten entfernen sie Sprüche, Namen von Ex-Partnern und sichtbare Tattoos, die für den Beruf hinderlich sein könnten. „Problematisch sind sichtbare Tattoos im Gesicht, am Hals, an den Händen und den Unterarmen.“ Sie stellten womöglich in Berufen mit Kundenkontakt ein Problem dar, oder in Sicherheitsdiensten, bei der Polizei, in der Justiz, der Luftfahrt oder im Gesundheitswesen. „Auch beleidigende, sexuelle oder extremistische Motive führen häufig zu beruflichen Nachteilen oder Kündigungen.“


Laut Axel Blocklinger, Mitarbeiter des „Endlich Ohne“-Studios in Mannheim, war einer der kuriosesten Aufträge, ein Tattoo zu entfernen, das sich jemand selbst mit einer Stichmaschine gestochen hatte, da er kein Geld für einen professionellen Tätowierer hatte. Mandy Fischer erzählt: „Ich habe mir mein Tattoo auf einer Convention stechen lassen und sehr schnell gemerkt, dass es nicht so geworden ist, wie ich es haben wollte.“ Auch sei es auf ihrer Hand gestochen worden und für jeden sichtbar gewesen.


„Endlich Ohne“ ist an rund 35 Standorten vertreten, mit etwa drei bis fünf Mitarbeitern je Praxis. Laut Fortune Business Insights soll der Markt der Tattooentfernung global jährlich um 16 Prozent wachsen. „Eine Expansion ins deutschsprachige Ausland ist langfristig geplant, der Fokus liegt jedoch aktuell auf der weiteren Konsolidierung und dem Ausbau unseres Netzwerks in Deutschland“, sagt De Marco. 2025 will man zehn neue Praxen eröffnen. 2024 kamen fünf Standorte hinzu.


Die Verwendung hochmoderner Lasertechnologien wie des „gütegeschalteten Nd: YAG-Lasers“ und des „Rubin-Lasers“ soll eine effektive und präzise Entfernung sicherstellen. De Marco erklärt: „Der Laser zerschießt Farbpigmente in mikroskopisch kleine Teilchen, die dann über das Lymphsystem abgebaut werden.“ Bei richtiger Anwendung sei das Narbenrisiko minimal, die Behandlung sei nichtinvasiv. Außerdem sei durch die schrittweise Aufhellung sehr oft eine vollständige Entfernung möglich. Der Nachteil sei der hohe Kosten- und Zeitaufwand. Eine Alternative sei bei kleinen Tattoos eine chirurgische Entfernung, eine Dermabrasion, die jedoch veraltet und riskant sei.


Eine Tattooentfernung ist allerdings nicht immer machbar. Laut De Marco scheitert die Entfernung meistens an vier Punkten: Farbauswahl, Tiefe und Technik der Tätowierung, Hauttyp und Hautreaktionen oder einer fehlerhaften Nachsorge. Um die Qualität der Behandlungen zu steigern, investiert „Endlich Ohne“ jährlich bis zu 200.000 Euro in die Erweiterung eines Ärztenetzwerks sowie in die Verbesserung seiner Produkte.


Laut De Marco wächst der Umsatz stetig, er liege im unteren siebenstelligen Bereich. Die allermeisten Praxen seien Lizenznehmer und generierten ihren Umsatz selbst. Die Preise für eine Tattoo­entfernung variieren je nach Größe des Tattoos und können je Behandlung zwischen 80 und 600 Euro liegen. In der Regel sind sechs bis zwölf Behandlungen nötig, um ein Tattoo vollständig zu entfernen. „Fünf Behandlungen habe ich bereits hinter mir. Ich denke, dass ich noch drei bis vier brauchen werde. Pro Sitzung bezahle ich 140 Euro und liege somit momentan bei 700 Euro“, berichtet Mandy Fischer.


Für das Stechen des Tattoos habe sie 130 Euro bezahlt, es habe 1,5 Stunden gedauert. Das Entfernen habe je Sitzung nur fünf bis sieben Minuten gedauert. „Die Haut wird mit kalter Luft auf die Behandlung vorbereitet. Durch den Laser wird es dann ziemlich heiß. Es ist ein stechender und sehr intensiver kurzer Schmerzimpuls. Ich empfinde es schmerzhafter als das Tätowieren selbst.“ Mögliche Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen, Rötungen und Schwellungen. Fischer erlitt keine allergische Reaktion. „Doch nach den ersten zwei Laserbehandlungen war meine Hand für zwei Tage angeschwollen. Ab dem dritten Mal hatte ich keine Probleme mehr.“

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 07. August 2025, Nr. 181, S. 18 - Zara-Sophia Isiker, Liselotte-Gymnasium, Mannheim

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