Michael Schumacher fuhr Kartrennen – auch mit Produkten von Hetschel, dem einzigen deutschen Hersteller.
Max Verstappen, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Michael Schumacher – diese Größen des Motorrennsports haben eines gemeinsam: Sie haben im Kartsport begonnen. Am erfolgreichsten waren sie mit italienischen Fabrikaten wie CRG und Tony Kart. Diesen führenden Unternehmen bietet ein deutsches Unternehmen seit den siebziger Jahren Paroli: Die Hetschel GmbH & Co. KG aus Brackenheim in Baden-Württemberg stellt unter der Marke Mach1 Fahrgestelle für Karts und Zubehörteile her.
Nach Angaben des Unternehmens ist Michael Schumacher einst mit einem Kart von Hetschel Rennen gefahren. Das Unternehmen sei das einzige in Deutschland, das Rennkarts für den Motorsport herstelle. Laut Martin Hetschel, Geschäftsführer in der zweiten Familiengeneration, begann alles im Jahr 1968. „In seinem Keller fing mein Vater an, mit seinem Bruder kleinere Teile selbst herzustellen.“ Bekannter wurden die Produkte, als sein Onkel Wilhelm Hetschel 1972 mit einem Mach1-Kart die Europameisterschaft gewann. Anfangs stellte man viel in Handarbeit her, inzwischen laufe einiges automatisiert, berichtet Hetschel. Das Unternehmen beschäftigt 17 Mitarbeiter.
Ein Mach1-Kart-Chassis ist 1,50 Meter lang und 73 Zentimeter breit. Mit allen Anbauteilen wie Reifen, Front- und Heckspoiler sowie Seitenkästen ist das Kart knapp zwei Meter lang und 1,30 Meter breit. Die Hinterachse besteht in der Regel aus einem Stahlrohr und ist nicht massiv. Dadurch soll das Kart bessere Fahreigenschaften in Kurven haben.
Ein Kart wiegt rund 100 Kilogramm. Die Motorisierung variiert von sechs bis 52 PS. Die kleinsten Motoren schaffen eine Spitzengeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern, die größten fast 180. Nach Hetschel entwickelt man Neues im Bereich Indoor-Karts, vor allem aber im Segment E-Karts. Das „Kart-Magazin“, ein auf Kartsport spezialisiertes Magazin, stellt fest: „Mach1 ist beim Thema E-Kart-Motoren Vorreiter.“
2001 und 2002 wurde jeweils ein deutscher Meistertitel mit einem Mach1-Kart in der Deutschen Kart Meisterschaft (DKM) eingefahren. Das „Kart-Magazin“ kommentierte: „Mach1 ist zwar im Vergleich zu den italienischen Herstellern ein kleines Unternehmen, könnte aber vom Material her dennoch im internationalen Bereich mitmischen.“
2016 wurde ein Vize-Europameister-Titel mit einem Mach1-Kart eingefahren. Auf nationaler Ebene werden hierzulande bis heute Siege errungen. So fährt das Werkteam von Mach1 in der Deutschen Schaltkartmeisterschaft regelmäßig Podiumsplätze und Siege ein. Chefredakteur Björn Niemann vom Kart-Magazin sagt allerdings: „Mach1 hat nicht sehr viele prominente Fahrer aus der heutigen Zeit hinterm Steuer gehabt. Die einzige prominente Person, die mir einfallen würde, wäre Sophia Flörsch, die aktuell in der Formel 3 fährt.“
„Klar könnten wir bei großen internationalen Meisterschaften mitmachen und bestimmt auch erfolgreich sein, jedoch steckt dies nicht in unserer Philosophie“, sagt Hetschel. „Wir möchten, dass es ein Hobby für so viele wie möglich bleibt und dass es kostentechnisch für so viele Kunden wie möglich zugänglich bleibt.“
Der Kartsport mit Verbrennermotoren sei teuer geworden, auch wegen der gestiegenen Rohstoffpreise, sagt Hetschel. Man arbeite gezielt an Indoor- und Slalomkarts, die eine gute Alternative für deutlich weniger Geld böten. „Heute ist der Kartsport ein Hobby für Kinder reicher Eltern. Vorne mitfahren ist somit mit einem kleineren Budget so gut wie nicht möglich.“ Günstiger ist das Fahren von Kartslaloms, einer Breitensportvariante, die zum Beispiel auf Parkplätzen stattfindet. Eines der neusten Projekte ist laut Hetschel der elektrische Slalomkart, den der ADAC für Slalom-Meisterschaften kaufe.
Rennkarts von Hetschel für die Outdoorrundstrecke kosten 3000 bis 6000 Euro. Zum Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023 sagt Hetschel, er habe bei zwei Millionen Euro gelegen und sei gestiegen. Das meiste müsse reinvestiert werden. Händler habe man in ganz Europa. Außerhalb Europas gebe es Händler in Chile und den USA. Den größten Gewinn erziele man mit den Slalomkarts, die wegen der neuen elektrischen Version sehr gefragt seien.