Alles andere als taktlos

Wittner produziert seit 130 Jahren im Allgäu Metronome.

Wittner zählt nach eigenen Angaben zu den letzten deutschen Präzisionsmanufakturen, die Zubehör und Hilfsmittel für Musiker herstellen, in moderner Fertigungstechnologie und handwerklicher Facharbeit. Das Unternehmen produziert Metronome, Stimmgabeln und weiteres feinmechanisches Zubehör für Laien und Profis.

Gustav Wittner hat das Unternehmen 1895 gegründet. Seit mehr als 130 Jahren produziert man in Isny im Allgäu. „Seit April 2024 gehört Wittner als eigene Division zu unserer Unternehmensgruppe“, sagt Marcel Messner, einer der beiden Geschäftsführer der Gewa Music GmbH. Gewa wurde 1925 in Adorf im Vogtland gegründet. Ursprünglich stellte das Unternehmen Streichinstrumente sowie die zugehörigen Etuis und Koffer her. „Heute sind wir global aufgestellt und stehen für hochwertige Instrumente, vom Einsteiger- bis zum Premiumsegment“, sagt Messner.

Wittners Produktspektrum umfasst drei zentrale Bereiche: Zubehör für Streichinstrumente, Notenhalter und Stimmgabeln sowie Metronome unter der Schutzmarke Taktell. „Wittner hat das mechanische Metronom zwar nicht erfunden, sich aber seit der Gründung 1895 auf die Herstellung von Metronomen konzentriert und dazu beigetragen, dass es in seiner heutigen Form perfektioniert und weltweit etabliert wurde“, sagt Messner. Das Metronom wurde 1815 von Johann Mälzel zum Patent angemeldet und populär gemacht.

Das Sortiment umfasst elf Serien mit Modellen in unterschiedlichen Materialien und Ausführungen. Zu den gängigsten Designs gehört das Pyramidenmetronom, das 60 bis 230 Euro kostet. Modelle aus Massivholz, etwa Ahorn, Eiche oder Nussbaum, liegen im oberen Preissegment, günstigere Varianten bestehen aus Kunststoff. „Ein Wittner-Metronom hält das Tempo über Jahrzehnte“, sagt Messner. Die Mechanik im Inneren ähnelt der eines kleinen Uhrwerks. Eine aufgezogene Feder treibt über Zahnräder und eine sogenannte Hemmung ein Pendel an, dessen gleichmäßige Bewegung den Takt erzeugt.

„Wittner sieht sich als Weltmarktführer im Premiumsegment von Metronomen“, sagt Messner. Zwar gebe es viele preisgünstige Modelle, insbesondere aus Asien. „Trotzdem gehen wir sehr stark davon aus, dass Wittner heute als Art Synonym für Metronome wahrgenommen wird und über alle anderen Anbieter hinweg den höchsten Marktanteil aufweist.“

Der Markt stagniere oder schrumpfe. Eine wachsende Konkurrenz für mechanische Metronome stellen Apps und Internetseiten dar. Die meisten kosten nichts oder nur wenige Cent. „Digitale Apps sind praktisch, ersetzen aber kein mechanisches Metronom“, glaubt Messner. Man werde leicht abgelenkt, während ein klassisches Metronom den Fokus ganz auf den Takt lenke. Wieland Bosse unterrichtet seit gut 25 Jahren Musik am Liselotte-Gymnasium in Mannheim. „Schon als Kind schlug bei uns zu Hause ein Metronom von Wittner.“ Eine App zu benutzen, kann er sich vorstellen, wenn er kein mechanisches Metronom zur Verfügung hat. „Was mir jedoch fehlt, ist der optische Eindruck, wenn das Pendel hin und her schwingt.“ Im Gegensatz dazu setzt Joshua Yang, der an der Musikhochschule Mannheim „Dirigieren Sinfonik“ studiert, auf die App. Sie sei am praktischsten, „weil ich mein Handy sowieso immer dabeihabe und als Student viel unterwegs bin“.

Der größte Produktbereich von Wittner ist das Zubehör für Streichinstrumente, dazu gehören Kinnhalter, Feinstimmwirbel und Saitenhalter. „Wir sind Weltmarktführer im Bereich Zubehöre für Streichinstrumente“, sagt Messner. Wittner beschäftigt rund 60 Mitarbeiter. Die Exportquote liegt nach eigenen Angaben bei 75 Prozent; wichtige Länder sind die USA, Japan, Südkorea und Frankreich. Man stelle jährlich rund 400.000 Produkte im Bereich Streichinstrumentenzubehör, 80.000 Metronome und etwa 100.000 Stimmgabeln her. Der Jahresumsatz liege bei etwa sechs Millionen Euro. Gewa erziele rund 100 Millionen Euro.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 06.08.2026, Nr. 180, S. 18 - Amelie Reissfelder, Liselotte-Gymnasium, Mannheim

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