Kathrein sorgt für Fernsehempfang - wie lange noch?
Die Kathrein Digital Systems GmbH (Kathrein DS) ist nach eigenen Angaben deutscher Marktführer für digitale Satellitenempfangstechnik. Die Traditionsmarke bietet laut Geschäftsführer Michael Auer alle Produkte an, die für die Verteilung des Fernsehsignals im Haus nötig sind. In Rosenheim und in der Tochtergesellschaft in Österreich arbeiten rund 80 Mitarbeiter. Kathrein wurde 1919 gegründet. "Wir setzen immer noch auf 'Made in Germany', da versuchen wir uns auch vom Wettbewerb abzuheben", sagt Auer. Während die Konkurrenz schrumpfe, baue Kathrein den Marktanteil aus, der rund 20 Prozent betrage.
Kathrein DS verkauft an Elektrogroßhändler wie Sonepar, die Würth-Gruppe und Rexel. Das Unternehmen bietet alle Produkte zur Verteilung des Fernsehempfangs im Haus an. Auch Krankenhäuser, Hotels und Wohnmobile würden versorgt. Für das Haus einer Fünf-Personen-Familie werden rund 20 bis 25 Produkte benötigt, wie Auer ausführt. Dazu gehören die Außeneinheit, also die Satellitenschüssel, und die Montagevorrichtung; hinzu kommen Kleinstecker, Kabel, Steckdosen und die Antennenanschlüsse in den Räumen. Je nachdem, wie viele Zimmer das Signal empfangen sollen, braucht man noch eine Verstärkung und Verteilungen im Keller.
Eine Komplettversorgung kostet Auer zufolge 500 bis 600 Euro. Für eine Verteilung, die nur das Wohnzimmer mit einem Fernsehempfang ausstattet, benötigt man hingegen nur rund ein halbes Dutzend Produkte, die zusammen rund 150 Euro kosten. "Wir sind nicht der Billigheimer, dafür geben wir auf unsere Antennen auch zehn Jahre Garantie", sagt Auer. Billigprodukte rosteten schon nach drei bis vier Jahren. "Bei uns können Sie nach einem Jahrzehnt die Antenne bei Rost immer noch kostenlos austauschen."
Das Gesamtunternehmen ist durch viele Höhen und Tiefen gegangen. 2019 musste man Werke schließen und Stellen abbauen und die Automotivesparte und das Antennen- und Filtergeschäft verkaufen. Heute belastet die wirtschaftliche Lage; es würden weniger Häuser gebaut und deshalb weniger Installationsprodukte gekauft. Standards zum Beispiel für die Auflösung des Signals - das HD-Signal ersetzt das SD-Signal - und der Umstieg auf Glasfaser stellten ebenfalls Herausforderungen dar. Produkte müssten umgerüstet und ausgetauscht werden.
Nach Auer ist die größte Herausforderung, "inwiefern der Fernsehempfang in der bisherigen Form noch Bestand haben kann und wie lange". Rund 40 Prozent der Haushalte empfingen das Signal noch über eine Satellitenschüssel, weitere 40 Prozent nutzten Kabelfernsehen, knapp zehn Prozent streamten nur über das Internetsignal - sie schauten kein Livefernsehen mehr. Man arbeite an Produkten, die den Fernsehempfang auch über Streaming gewährleisteten.
Zudem erweitert man die Produktpalette. Einen kleinen Anteil des Jahresumsatzes von rund 30 Millionen Euro erwirtschafte man mit digitalen DAB+-Radios. Von den 80 Millionen Radios in deutschen Haushalten seien 80 Prozent noch analoge UKW-Radios.