Backen wir’s an

Warum der HSV Fußballschuhe in den Ofen stellt

Die Formbase sieht aus wie ein normaler Umluftofen. Entwickelt hat sie die K-tech Kons­truktion Automation Produktion GmbH in Konstanz. Sie ist ein Komplettsystemlieferant etwa für den Prototypenbau, den Sondermaschinenbau, die Robotik und mechatronische Systeme. Die Formbase ist ein Thermoheizgerät zur Anpassung von Sportschuhen, etwa von Skischuhen sowie Schuhen von Profifußballern und Eishockeyspielern. „In den Neunzigerjahren kam solch ein Ofen das erste Mal auf den Markt. Im vergangenen Jahr wurde die 30.000. Formbase ausgeliefert“, berichtet Alexander May, der für Finanzen und Vertrieb zuständig ist.

 „Kunden im Fußball sind Vereine, Verbände, Nationalmannschaften oder auch Spieler, die uns direkt kontaktieren“, sagt May. Bekannte Beispiele seien der 1. FC Kaiserslautern, der Hamburger SV, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, der 1. FSV Mainz 05, der 1. FC Union Berlin und der FC Augsburg. Auch Shimano, einer der größten Fahrradkomponentenhersteller der Welt, nutzt das Gerät zur Anpassung von Radsportschuhen.

„Die Lizenzspielermannschaft des Hamburger SV nutzt die Heizöfen für Fußballschuhe schon seit etwa acht bis zehn Jahren“, teilt die Presseabteilung des HSV mit. „Mittlerweile ist es sogar Liga-Standard der Deutschen Fußball Liga, dass der Heimverein der Gästemannschaft zwei Heizöfen zur Verfügung stellt.“

Die Technik ähnelt der eines normalen Backofens. „Je nach Produkt wird eine gewisse Temperatur von uns voreingestellt, und dann funktioniert das ganz normal per Umluft“, erklärt May. Je nach Material werden die Schuhe unterschiedlich lang erwärmt. Kunstleder zum Beispiel wird nur drei Minuten erwärmt, echtes Leder etwa fünf Minuten. Dann zieht der Spieler den noch warmen Schuh direkt an, damit er sich optimal an seine Fußform anpasst. Weil das recht schnell gehe, könne selbst mit ein, zwei Geräten ein Großteil der Mannschaft das Gerät vor dem Training nutzen. Fußballschuhe werden laut May bei ungefähr 75 bis 85 Grad erwärmt. Für Skischuhe seien es je nach Material zwischen 85 und 117 Grad.

Ein Griff sorge dafür, dass man die Formbase einfach zu Trainings- oder Auswärtsspielen mitnehmen könne. Das Gerät ist 44 Zentimeter hoch, 37 Zentimeter breit und 43 oder 46 Zentimeter lang. Es passt nur ein Paar Eishockeyschuhe hinein. „Im Fußballbereich haben wir eine separate mittlere Einlage eingebaut, da passen dann mindestens zwei Paar rein; aber die Erfahrung hat gezeigt, dass teilweise auch vier Paar gleichzeitig angepasst werden.“ Die Technik sei nicht patentierbar. „Aber dadurch, dass wir schon so lange auf dem Markt sind, weiß die Sportindustrie auf der Welt, dass wir der Hersteller des Geräts sind.“

Die reinen Materialkosten liegen laut May bei knapp 200 Euro. „Mit Montage und Selbstkosten liegen wir dann bei 300 bis 320 Euro.“ Der Verkaufspreis beträgt je nach Ausstattung zwischen 500 und 850 Euro. Man verkaufe in der Regel 500 Geräte im Jahr, es seien auch schon mal rund 2000 gewesen. Der Umsatz liege bei 200.000 bis 250.000 Euro.

Die Formbase sei einzigartig auf der Welt. Versuche, sie in Asien zu kopieren, seien bislang gescheitert. Man habe sich über die Jahre ein spezielles Wissen erworben, etwa zur Heißluft. Ein Wettbewerbsvorteil sei auch die hauseigene Fertigung. K-tech habe gut 50 Mitarbeiter und in den vergangenen 35 Jahren mehr als 700 Projekte abgeschlossen.

Durch das Erwärmen des Materials soll das Einlaufen neuer Schuhe stark verkürzt, Schmerzen, Blasen und Druckstellen vermieden werden. Früher hätten Fußballer die Schuhe mit in die Dampfsauna genommen oder auf die Heizung gestellt. Teilweise bekämen die Spieler alle sechs Wochen neue Schuhe. „Die Spieler nutzen den Heizofen, vor allem wenn sie neue Fußballschuhe bekommen“, heißt es vom HSV. Dort lobt man die Robustheit der Geräte, würde sich aber etwas mehr Volumen wünschen. „Unmittelbar vor den Spielen kommt es öfter vor, dass mehr als vier Paar gleichzeitig in die beiden Heizöfen gepackt werden müssen.“

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 04.12.2025, Nr. 282, S. 21 - Chiara Lobert, Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal

zurück