Die Sonnenuhren von Helios aus Wiesbaden kann man auch um den Hals und am Arm tragen.
Für viele ist die Sonnenuhr ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Für Carlo Heller ist sie hingegen ein Mittel, um Zeit neu erfahrbar zu machen. Die Sonnenuhren seines Wiesbadener Unternehmens Helios Sonnenuhren e.K. zeigen nicht nur die klassische Sonnenzeit, sondern bilden mithilfe innovativer Technik präzise die mitteleuropäische Zeit ab.
Schon um 3500 v. Chr. nutzten die Ägypter einfache Schattenstäbe; später verfeinerten die Griechen die mathematischen Grundlagen, und die Römer hatten öffentliche Sonnenuhren im gesamten Reich. Heute dient die Sonnenuhr meist dekorativen Zwecken.
"In unserer schnelllebigen Zeit ist den Menschen das Gefühl für die natürlichen Zeitabläufe abhandengekommen", sagt Heller. "Wenn die Sonne mittags am höchsten steht und Sie auf Ihrer Armbanduhr halb zwei Sommerzeit ablesen, ist es ja eigentlich erst zwölf Uhr wahre Sonnenzeit." Mit seinen Uhren will er erreichen, "dass die Menschen diese Rhythmen wieder entdecken und Zeit wieder bewusster erleben".
1971 beobachtete er mit damals elf Jahren einen hellen Meteor. Dieses Erlebnis weckte seine Begeisterung für den Kosmos, schon in jungen Jahren baute er eine Sonnenuhr. Lange arbeitete er als Ingenieur in der Industrie, suchte aber zunehmend nach kreativer Freiheit. 1999 gründete er sein Unternehmen; zwei Jahre später brachte er die erste Sonnenuhr auf den Markt.
Seine Uhren seien keine dekorativen Standardmodelle, sondern technologisch anspruchsvolle Neuentwicklungen, sagt Heller selbstbewusst. Sie funktionieren ohne Batterie oder Elektronik. Das Sortiment umfasst Tisch-, Garten- und Wandsonnenuhren sowie Armband-Sonnenuhren mit Kompass. Heller greift nicht auf bestehende Uhrentypen oder historische Formen zurück; anders als viele andere Anbieter konstruiere er seine Sonnenuhren vollständig neu. Mit der Verbindung aus naturbasierter Zeitmessung, ingenieurtechnischer Präzision und modernem Design will er seine Produkte von der Konkurrenz abheben.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Sonnenringe, die ihren Ursprung in der bäuerlichen Zeitmessung haben. Diese Entwicklung führte zu einer Zusammenarbeit mit der Pariser Luxusmarke Louis Vuitton. Auf der Frühjahrsmodenschau 2015 inszenierte man die Cielo Ringsonnenuhr als Taschenaccessoire und die Sonnenringe als Halsschmuck. Der Chefdesigner habe die Sonnenringe nach der Show begeistert gelobt, sagt Heller.
"Für mich ist es wichtig, jedes Jahr etwas Neues zu entwickeln. Meine Stammkunden erwarten das von mir", berichtet Heller. Seine Kollektion umfasst fast 50 Produktgruppen mit Varianten und Zubehör. Zu den neuesten Modellen zählt die Luce Sonnenuhr, an der Heller rund drei Jahre gearbeitet hat. Sie besteht aus einem Glaszylinder, der das Sonnenlicht auf laserbeschriftete Glaswendel projiziert, sodass die Zeit an einem schmalen Lichtstrich ablesbar ist. Der Preis liegt bei 745 Euro. Die Icarus für 395 Euro gelte als erste tragbare Reisesonnenuhr, die alle Weltzeitzonen anzeige und zugleich als Navigator diene. Auf der Orbis Solaris ist die halbe Welt mit dem eigenen Standort im Mittelpunkt dargestellt. Auf dieser Karte sitzt ein Plexiglaskörper mit einer Lochblende, der einen Lichtkreis auf das Zifferblatt projiziert. Dort liest man die mitteleuropäische Zeit, das Datum und die Sonnenposition über der Welt ab.
Die Cielo Ringsonnenuhr gelte als technologischer Höhepunkt, sie kostet 645 Euro. Sie findet die Nordrichtung mithilfe der Sonne, ist für alle Breitengrade auf der Welt nutzbar und wird in Gold oder Palladium angeboten. Die Uhr vermittelt den Ursprung der Zeitmessung aus kosmischer Perspektive, mit Meridian- und Datumsring aus Edelstahl sowie Skalen und Zeitring aus Aluminium. Im Jahr 2019 überreichte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Cielo Ringsonnenuhr als Staatsgeschenk an König Abdullah II. von Jordanien. 2023 wählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) dieses Modell als Geschenk für den Sultan von Oman.
Besonders beliebt, vor allem zur Weihnachtszeit, sei die Hora Floris. Der Preis liegt bei 70 Euro, man verkaufe etwa 1000 Stück im Jahr. Die Sonnenringe, die ab rund 150 Euro kosten, werden jährlich etwa 50 Mal abgesetzt. Ähnlich hoch ist die verkaufte Stückzahl der Helioswatch, deren Preis bei 60 Euro liegt.
Rund 90 Prozent des Umsatzes erzielt Heller über den Direktvertrieb. Nur wenige Händler wie Manufactum vertreiben seine Produkte. In der Manufaktur arbeitet er mit einem Team aus drei spezialisierten Mitarbeitern. Die Fertigung erfolgt mithilfe moderner Lasertechnik und präziser Werkzeugmaschinen. Neben Serienmodellen entstehen auch individuell auf die geographischen Koordinaten der Kunden abgestimmte Unikate.
Der Jahresumsatz wachse stetig und liege bei 250.000 Euro. Wesentlich zum Erfolg trage seine Suchmaschinenoptimierung bei, die seine Homepage in den unbezahlten Suchergebnissen weit oben positioniere. Exportiert wird in die ganze Welt. Der Markt sei klein, aber stabil. Die Kundschaft besteht zu rund 80 Prozent aus Männern. Viele Käufer seien schon im Ruhestand. Während Frauen oft die dekorative Hora Floris wählten, interessierten sich Männer eher für Modelle wie Chronos und die Helioswatch.