Das ist ja der Hammer

In Bayern steht Europas älteste Hammerschmiede. Der Beruf des Hammerschmieds ist sehr selten – Frank Wagenhofer verdient damit sein täglich Brot. Mit einem großen, meist wasserbetriebenen Hammer bearbeitet er Eisen, um Halbzeuge und Gebrauchsgegenstände herzustellen. Die Hammerschmiede Burghausen in Oberbayern ist nach eigenen Angaben die älteste noch betriebene Hammerschmiede Europas. Sie wurde 1465 in Betrieb genommen. 

Damals stellte man Rüstungen und Waffen her, in Friedenszeiten Arbeitsgeräte und Werkzeuge. 1997 übernahm mit 27 Jahren Wagenhofer die Schmiede. „Da gibt es einfach eine Generationenverpflichtung“, sagt er. Heute führt er das Unternehmen  mit seinem 27 Jahre alten Sohn in sechster Generation in Form einer GbR und mit einem Eigenkapitalanteil von 100 Prozent. Hohe Kosten verursache die Erhaltung des historischen Gebäudes.

Man schmiedet  Werkstücke, vor allem für den historischen Verein Herzogstadt Burghausen, fertigt auf Anfrage Kunstobjekte für Haus und Garten und bietet Erlebnisführungen an. In einem eintägigen Schmiedekurs fertigen Teilnehmer ein historisches Jagdmesser, Sax genannt, unter fachkundiger Leitung selbst. Der Mindestpreis einer Erlebnisführung liegt bei einer Gruppe bis 25 Personen bei 325 Euro. Es kommen vor allem Schulklassen, für sie gibt es  eine Ermäßigung.

 „Wir sind seit 25 Jahren jährlich auf dem größten Mittelalterfest in Europa zu finden“, erzählt Wagenhofer. Dort stellen sie unter anderem Absperrstangen, historische Grills und andere Feuerstellen zur Verfügung.

Kunden sind Privatpersonen, Fachleute und Lehrbetriebe. Die Führungen und Kurse machen  70 Prozent der Aufträge aus. Die Auftragsarbeiten, etwa Gartenfackeln, Wasserspeier und Kerzenleuchter, stehen für 20 bis 30 Prozent. Man erwirtschafte einen Umsatz von 40.000 bis 60.000 Euro im Jahr. Es kommen auch Kunden von weiter her. „Letztens hatten wir Kundschaft aus Berlin, Salzburg und sogar Wien bei uns“, sagt Wagenhofer.

Um Hammerschmied zu werden, brauche es „nur zwei gesunde Hände und eine funktionierende Wechselwirkung zwischen Körper und Geist“, sagt Wagenhofer – und außerdem eine Ausbildung im Metallhandwerk, im Metall- oder Stahlbau.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 07.05.2026, Nr. 105, S. 20 - Alexandra Wilcke, Max-Planck-Gymnasium, Lahr

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