Der Patient wird schneller ans Messer geliefert

Software von MedDV verhindert, dass mangelnde Digitalisierung in Notfällen Leben gefährdet


Eine Paketlieferung könne man digital in Echtzeit verfolgen. „Doch wenn ein Patient im Rettungsdienst transportiert wird, weiß oft niemand, wo er sich gerade befindet, und die Dokumentation erfolgt noch immer auf DIN-A3-Bögen.“ So beschreibt Carsten Rausch, Geschäftsführer der MedDV GmbH aus dem hessischen Fernwald, den Stand der Digitalisierung im Rettungsdienst. Neben dem BWL-Studium arbeitete er als Rettungssanitäter, und er war Abteilungsleiter im Rettungsdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe. 2003 entwickelte er mit Gunter Ernst MedDV, eine Hard- und Softwarelösung, um Prozesse effizienter zu gestalten. Denn im Rettungsdienst zählt jede Sekunde.

„Das, was wir aktuell in die Klinik übermitteln, ist ein digitales PDF“, sagt Alexander Schlier, Notfallmediziner und stellvertretender ärztlicher Leiter im Luftrettungszentrum der Johanniter Gießen. „Zusätzlich werden ein EKG, aufgenommene Bilder und noch ein paar Einzelwerte, die wir im Einsatz gesammelt haben, übermittelt.“ Die kompletten medizinischen Werte würden jedoch nicht als Einzelwerte digital in die Patientenakte des Krankenhauses überführt. Die Kliniken müssten aufwendig gesammelte Daten manuell erfassen.

Mit dem NIDApad von MedDV wird hingegen eine direkte Kommunikation zwischen Leitstelle und Rettungswagen ermöglicht. Zudem unterstützt es die Navigation zum Einsatzort. Die erfassten Daten werden nahtlos an die aufnehmende Klinik übermittelt, die Zeit bis zur Therapie wird deutlich verkürzt.

Auch für die Abrechnung ergibt sich laut Schlier eine Zeitersparnis je Einsatz von „bestimmt einer Viertelstunde“. Außerdem könne sich der Mitarbeiter im Notfalleinsatz auf den Patienten konzentrieren und brauche nicht parallel Vitalparameter aufzuschreiben. Die Daten würden in Echtzeit von den medizinischen Geräten an das NIDApad übertragen. „Ich brauche kein zusätzliches Notfallprotokoll mehr auszufüllen.“ Zusätzlich bekämen die Rettungskräfte Zugang zu Datenbanken, etwa zu Medikamenten oder Vergiftungen.

Die glatte Oberfläche und desinfektionsbeständige Materialien ermöglichten eine schnelle Reinigung des NIDApads. „Ich glaube, dass der größte Unterschied zur Konkurrenz der ist, dass wir Gründer und auch viele unserer Entwickler aus dem Rettungsdienst kommen – wir kennen den Rettungsdienst“, sagt Rausch. Das führe zu einer hohen Akzeptanz am Markt. Konkurrenten sind Pulsation IT, Takwa/Thieme Dokuform, CKS Systeme und Corpuls. Laut Rausch deckt MedDV rund 60 Prozent des Marktes für Rettungsdienstsoftware ab. 2023 verzeichnete man nach seinen Angaben einen Umsatz von 10,3 Millionen Euro, 2024 und 2025 seien es jeweils rund 14 Millionen Euro gewesen. Man beschäftige gut 120 Mitarbeiter.

Begonnen hatte man 2013 mit der Ausstattung des Bayerischen Roten Kreuzes. Nun sind mehr als 150 Organisationen und Unternehmen mit über 20.000 Mitarbeitern und Einsatzkräften Kunden – Rettungsdienstorganisationen, Kommunen, Feuerwehren und Kliniken. Laut Rausch verkauft man rund 3000 NIDApads im Jahr.

Die Ausstattung eines Rettungsmittels mit der digitalen Dokumentation durch ein NIDApad und den Schnittstellen zur Medizintechnik, zu Leitstellen und Kliniken kostet laut Rausch etwa 6000 bis 10.000 Euro. Zudem bietet MedDV Laufzeitverträge an, etwa Telenotärzten. Per Telemetrie könne er zum Beispiel anweisen, ein Medikament zu verabreichen, wodurch man gegebenenfalls einen Notarzt spare, sagt Schlier. „Der Telenotarzt wird von der Bundesregierung gefördert, weil er das Gesundheitswesen günstiger machen kann und die Lücke an zu wenig Notärzten stopfen hilft“, sagt Rausch.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 18.09.2026, Nr. 217, S. 22 - Pia Krause Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

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