Die Bieter steigern sich da ganz schön rein

In Sagres an der Algarve wird Fisch auf traditionelle Art versteigert / Man rühmt sich einer großen Vielfalt


Punkt 15.30 Uhr, ein Sirenenton durchschneidet die Luft. Möwen kreischen über kleinen Fischerbooten, blaue und orange Kisten krachen auf den Boden, es riecht nach frischem Fisch. In der Fischauktionshalle von Sagres, im südwestlichsten Ort Europas an der Algarve, beginnt eine der größten traditionellen Fischauktionen Portugals.

 Der Fisch wird sofort nach der Ankunft der Boote entladen, Paletten hereingetragen, nichts bleibt lange liegen. „Dieser Fisch ist frisch, frisch, frisch“, sagt der 45 Jahre alte Carlos Duarte von der Docapesca Portos e Lotas SA aus Lissabon, der die Abteilung in Sagres leitet. Das Unternehmen gehört dem Staat, es untersteht dem portugiesischen Ministerium für Fischerei und dem für Finanzen und ist für die Verwaltung aller Fischereihäfen und Auktionshallen (Lotas) des Landes sowie für die Erstvermarktung von Fisch in Portugal zuständig.

Der Fisch, der am Vormittag eintrifft, wird mit Eis gekühlt. „Alles, was am frühen Nachmittag ankommt, benötigt kein Eis, um die Frische zu bewahren, weil es praktisch direkt aus dem Meer stammt“, berichtet Duarte. Die „Lota de Sagres“, die Fischauktion von Sagres, beschäftigt zwölf festangestellte Mitarbeiter und ist eine der acht Auktionshallen an der Algarve, die von Docapesca betrieben werden. Insgesamt unterhält man entlang der portugiesischen Küste 26 Lotas und gibt rund 500 Menschen Arbeit.

Das Unternehmen ist nicht der Eigentümer der Fische. „Wir sind nur Vermittler für die Zwischenhändler“, erklärt Duarte. Einnahmen erzielt man mit Dienstleistungen, man sorgt für Eis und Kisten, und Verwaltungsgebühren. „Wir bekommen vier Prozent des Umsatzes der Fischer.“ Der Gesamtumsatz mit Fisch lag 2025 in Sagres bei rund sieben Millionen Euro, verkauft wurden gut 100.000 Tonnen.

Die Auktion dauert zwei bis drei Stunden, täglich werden 500 bis 1000 Kisten versteigert. Kisten laufen über das Förderband an einer kleinen quadratförmigen Kabine vorbei, in der ein älterer Mann mit einer weißen Kappe steht und den Fisch und die Meeresfrüchte klassifiziert. Eingetragen werden der Name des Bootes, die Fischgattung, die Größe des Fisches, Verletzungen und Mängel sowie das Gesamtgewicht in der Kiste.

„Aleijado!“, ruft ein Mann mit einer Brille, ebenfalls weißer Kappe und großem Schnurrbart. Die Käufer wissen sofort, dass verletzte Ware in der Kiste ist. Zum Beispiel verlieren Krustentiere und Oktopusse im Kampf schon mal einen Arm. Ein Mitarbeiter am Rollband kippt die Kiste, damit der Fisch für die rund 16 Käufer an diesem Tag besser sichtbar ist. Er hebt auch einzelne Exemplare hoch.

Der Verkauf beginnt. Auf einem Bildschirm sieht man den Preis, der langsam fällt. Der Computer berechne automatisch einen Ausgangspreis anhand des Werts vom Vortag, der bei Bedarf angepasst werden könne, erklärt Duarte. „Wir erhöhen immer am Anfang den Preis, um den höchstmöglichen Gewinn des Fischers sichern zu können. Er sinkt dann kontinuierlich, und sobald ein interessierter Käufer den Preis für sich für angemessen hält, drückt er auf seine Fernbedienung, und der Kauf ist abgeschlossen.“

Neu ist, dass man auch online kaufen und den Fisch abholen lassen kann. Der gekaufte Fisch wird auf einem genau definierten Platz des Käufers gestapelt und dann in dessen Kühltransporter verladen. Sagres gilt als eine der letzten sehr traditionellen Lotas Portugals, und so soll es auch bleiben, wie Duarte betont.

 „Die Fischerei wird immer industrialisierter, mit weniger Booten, aber mehr Technik“, sagt Duarte. „Umso wichtiger sind dann Kontrolle, Ausgewogenheit und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Beständen. Ohne dieses Gleichgewicht könnte es sein, dass es in zehn bis fünfzehn Jahren nur noch Aquakultur, also Zuchtfisch, gibt.“ Um dies zu verhindern, wird auch traditionell geangelt. Die Fischvielfalt in Sagres ist außergewöhnlich. Während in den meisten Teilen der Algarve hauptsächlich Seehechte, Gabeldorsche und Oktopusse angeboten werden, findet man hier zusätzlich eine breite Auswahl an Edelfischen wie Rotbarsch, Wolfsbarsch, Goldbrasse, Rochen, Steinbutt, Zackenbarsch und Rotbarbe.

 „In Sagres arbeiten viele kleine Küstenboote, die nachts auslaufen und noch am selben Tag zurückkehren. Dadurch ist der Fisch extrem frisch“, sagt Duarte. Die Augen sind glänzend und prall, die Schuppen sitzen fest, die Kiemen leuchten rot, und die Haut ist noch nicht ausgewaschen oder trocken.

Große und besonders wertvolle Fischarten wie Steinbutt, Nördlicher Schleimkopf, Wolfsbarsch und Rotbarsch werden fast ausschließlich exportiert. Mit Preisen von bis zu 50 Euro je Kilogramm sind sie für lokale Käufer oft zu teuer. Sie gehen an Spitzenrestaurants, Hotels oder ins Ausland, vor allem nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.

„Der Atlantik vor Sagres ist kälter und sauberer als das Mittelmeer“, sagt Duarte. „Dies wirkt sich direkt auf die Qualität und den Geschmack des Produkts aus. Und genau deshalb kauft Deutschland so viel Fisch von hier.“ Ein Käufer aus Andalusien fahre sogar regelmäßig rund 300 Kilometer, um Fisch zu kaufen und an die Spitzengastronomie zu liefern. „Er meinte, dass er hier zum ersten Mal fast lebende Rotbarsche erlebt habe.“

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 20.03.2026, Nr. 67, S. 22 - Gabriel Braz Kickmaier, Deutsche Schule Algarve, Silves

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