Die Cloud ist nicht allgegenwärtig

Warum die Produkte von DSI Aerospace aus Bremen in Weltraummissionen eine wichtige Rolle spielen.

Die DSI Aerospace GmbH mit Sitz in Bremen ist ein führendes Elektronikunternehmen in der Raumfahrtbranche und verkauft Module zur Datenverarbeitung, Kontrollsysteme, Massenspeicher und On-Board-Rechner. Man sei  europäischer Marktführer für Massenspeicher von Erdbeobachtungssatelliten und unter den ersten Drei auf der Welt, betont Marketingleiter Konstantin Geißinger.  

Massenspeicher dienten als Festplatten für die Daten, die wissenschaftliche Instrumente aufnähmen, erklärt Geißinger. „Aufgrund der großen Datenmengen, der Datenraten sowie der im Weltraum vorherrschenden Bedingungen handelt es sich  um hochkomplexe Systeme. Da Satelliten keinen durchgängigen Kontakt zur Erde haben, dienen Massenspeicher häufig als Buffer, als Zwischenspeicher.“

Die Größe der Speicher richte sich nach den Anforderungen der jeweiligen Mission. Für die ESA-Mission Biomass zum Beispiel war der Speicher 25 mal 25 mal 15 Zentimeter groß. In der Regel liefert DSI zwei bis drei Einheiten im Jahr. Der Preis der Massenspeicher liegt laut Geißinger im siebenstelligen Bereich.

Derzeit nimmt man an der Mission JUICE (Jupiter Icy Moons Explorer) teil. Ziel der Mission ist es, den Planeten Jupiter und seine 95 Monde zu erforschen. Die Raumsonde wird rund acht Jahre unterwegs sein, bevor sie den Jupiter erreicht. Für diese Mission liefere man den Massenspeicher, der nicht nur den langen Flug überstehen, sondern auch der intensiven Strahlung des Jupiters standhalten müsse, erklärt Geißinger. Eine besondere Herausforderung sei zudem die Sicherung der gewonnenen Daten. Aufgrund der Position der Himmelskörper ist eine ständige Datenübertragung zur Erde nicht möglich. Hinzu kommt das Risiko, dass bei der Übertragung Datenpakete verloren gehen. Daher sei es wichtig, dass die Daten sicher gespeichert würden, sagt Geißinger. 

 DSI Aerospace arbeitet mit mehreren deutschen Partnern schon an einem Nachfolgeprojekt der JUICE-Mission. Ziel der neuen Mission ist, den Jupiter-Mond Europa zu erforschen. Dafür wird ein hochkomplexes System entwickelt, das sich zunächst durch den dicken Eispanzer des Mondes schmelzen und anschließend ein Unterwasserfahrzeug freisetzen soll. Dieses soll selbständig Wasserproben entnehmen, analysieren und die gewonnenen Daten zur Erde übermitteln, wie  Geißinger berichtet. Man erhoffe sich, mögliche Lebensformen zu finden.

Ende diesen Jahres werden für diese Mission Systemtests in der Antarktis durchgeführt. DSI ist verantwortlich für die Programmierung des Systems, sowohl für das Unterwasserfahrzeug als auch für den mechanischen Schacht, der es in die Tiefe und wieder zurück transportiert. Zudem stammen die zentralen Steuereinheiten des Systems von DSI.

  Der größte Kunde des Unternehmens ist laut Geißinger  Airbus Defence and Space. Außerdem arbeite man mit den ebenfalls in der Raumfahrt tätigen Konzernen  OHB und Thales zusammen. Die Europäische Weltraumorganisation ESA sei ebenfalls Kunde. In Europa gebe es drei Unternehmen, die ESA-Satelliten herstellen könnten. Das seien Thales Alenia Space aus Frankreich sowie Airbus und OHB aus Deutschland.

Das Unternehmen wurde 1997 als Ableger der Hochschule Bremen gegründet.    Ein großer Meilenstein sei der Zuschlag bei den Copernicus-Missionen im Jahr 2020 gewesen, damals noch mit einem Team von 40 bis 50 Mitarbeitern, erzählt Geißinger. In den Copernicus-Missionen der Europäischen Union werden Daten über die Erde, die Luft und das Klima gesammelt. Diese Daten werden verwendet, um die Umwelt zu schützen, Katastrophen besser zu bewältigen und die Forschung zu unterstützen. Seit dem vergangenen Jahr kooperiere man mit Frontgrade Technologies aus den USA und liefere nun Produkte an die NASA.

 Der Umsatz habe im Jahr 2024 17,3 Millionen Euro betragen. Die Kosten der Projekte variieren je nach Umfang und Material. Bei hochkomplexen und individuellen Aufträgen lägen sie oft im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Für Nachbauten seien sie deutlich geringer. Derzeit arbeite man an rund 15 Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die mit Quoten zwischen 50 und 100 Prozent gefördert würden. Zu den wichtigsten Geldgebern gehören das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Europäische Union und die ESA. 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 05.02.2026, Nr. 30, S. 20 - Andrej Podgorny, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

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