Die Fenster sind ganz schön beschlagen

Der Hidden Champion Gretsch-Unitas verkauft Schließsysteme in die ganze Welt.

Ob in Banken, Schulen oder Krankenhäusern - überall begegnet man Produkten der Gretsch-Unitas GmbH, meistens ohne es zu wissen. Das Familienunternehmen aus Ditzingen in der Nähe von Stuttgart bezeichnet sich als "führenden Anbieter innovativer Beschlagsysteme", liefert Hightech-Schließsysteme in alle Welt. Der Fokus liegt auf Baubeschlägen, Hebeschiebebeschlägen sowie mechanischen und elektronischen Schließsystemen. Hinzu kommen Automatiktüren und Lösungen für Gebäudetechnik.

Das Unternehmen sieht sich dabei nicht als Anbieter einzelner Produkte, sondern findet seine Stärke im Angebot kompletter, untereinander kompatibler Systeme. Ein Kundenbeispiel ist ein Krankenhaus, das Türen, Fenster, Lüftungsanlagen, Fluchtwege, ein Gebäudemanagementsystem und mehr benötigt. Bestellt man das alles bei mehreren Anbietern, sind die Produkte womöglich nicht kompatibel. GU bietet hingegen mit einem Sortiment von mehr als 35.000 Artikeln umfassende Lösungen aus einer Hand an. "GU verfügt heute in mehreren Produktbereichen über innovative Alleinstellungsmerkmale, etwa im Segment der Hebeschiebebeschläge", sagt Geschäftsführer Jörg Teunissen. Hier zähle man zu den Markt- und Technologieführern. Die kompatiblen, ganzheitlichen Systemlösungen ergäben sich aus dem Alltag heraus. Man realisiere individuelle, umfangreiche Projekte mit kundenspezifischen Anforderungen.

Zu den Kunden gehören vor allem Systemhäuser, Händler und Unternehmen, die Produkte von GU weiterverarbeiten und in größere Projekte implementieren. Unter anderem wurden mehr als 500 Schlösser von GU über die Unternehmen Simac und Momentum im Louvre Abu Dhabi verbaut. Auch für Einfamilienhäuser bietet GU Endprodukte wie Haustür- und Panikschlösser, Mehrpunktverriegelungen und Fensterbeschläge an. Das Unternehmen wurde 1907 von Viktor Gretsch gegründet. Er stellte Schnurzug-Oberlichtöffner, Fensterfeststeller und Kleinbeschläge her. "Viktor Gretsch war ein Techniker durch und durch. Was er nicht konnte, war verkaufen", erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer Michael von Resch. Das konnte Reschs Großvater, Johann Maus, der 1910 als Gesellschafter und gemeinsamer Geschäftsführer in das Unternehmen eintrat.

Bis 1914 war das Unternehmen auf 80 Mitarbeiter gewachsen, und man pflegte erste internationale Handelsbeziehungen. Nach dem Tod von Viktor Gretsch 1933 erwarb Johann Maus dessen Unternehmensanteile und baute den Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit seinen Söhnen aus. Seither ist das Unternehmen gänzlich im Besitz der Familie von Resch. Zwischen 1975 und 1977 übernahm GU den französischen Fensterbeschlaghersteller Ferco, der zu der Zeit den Drehkippbeschlag produzierte. "Mein Vater war der Überzeugung, dies wird der Fensterbeschlag der Zukunft - und so kam es", erzählt von Resch. 1983 kaufte man den Schlossspezialisten BKS, das war der Eintritt in den Türenmarkt.

Ein Jahr zuvor wurde die Gretsch-Unitas GmbH organisatorisch umstrukturiert, Dach- und Produktionsgesellschaft getrennt. Die Produktion der Fensterbeschläge übernahm die Tochtergesellschaft GU Baubeschläge. Weitere nennenswerte Tochteruntergesellschaften sind die GU Automatic GmbH, zuständig für automatische, barrierefreie Türsysteme, und die Ela-Soft GmbH, zuständig für Managementsysteme für Sicherheits- und Gebäudetechnik. Inzwischen beschäftigt GU rund 4300 Mitarbeiter an fünf Produktionsstandorten und in 39 Ländergesellschaften in aller Welt. Nach eigenen Angaben lag der Umsatz 2023 und 2024 jeweils bei rund 750 Millionen Euro. 2025 soll er ähnlich hoch gelegen haben. Etwa drei Viertel des Erlöses entfallen auf das Auslandsgeschäft.

In Gebäuden findet man immer größere Glasflächen in Hebeschiebeelementen. Mit der HS-LiftUnit sollen schwere Türflügel bis 400 Kilogramm mühelos bewegbar sein und das notwendige Drehmoment um 50 Prozent sinken, heißt es bei GU. Der Bedienkomfort steigt, gerade auch für Kinder und ältere Menschen. Die Funktionsweise basiert auf bewährten Prinzipien, die schon in der Patentschrift 1002656 des Deutschen Patentamtes der Bundesrepublik Deutschland, Ausgabe vom 25. Juli 1957, dokumentiert wurden.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 02.07.2026, Nr. 150, S. 20 - Konstantin Metzing, Katholische Schule Liebfrauen, Berlin

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