Die Wiederkehr des ewig Gleichen

Die Maschinen von QiTech produzieren aus Plastikmüll Filament für den 3D-Druck

Der heute 22 Jahre alte Geschäftsführer der QiTech GmbH aus Darmstadt, Milan von dem Bussche, entwickelte zunächst 3D-gedruckte personalisierbare Handyhüllen. Dafür brauchte der Preisträger des Schulwettbewerbs „Jugend gründet“ 3D-Druck-Filament aus Plastik; es entstand die Idee, das Filament aus Plastikmüll herzustellen. Filament ist ein dünner Faden, der als Rohmaterial für den 3D-Druck dient.

Das Unternehmen besteht mittlerweile aus 21 Personen mit einem Altersdurchschnitt von 20 Jahren. QiTech hat zwei Sparten: Maschinenbau und Recycling. „Die ersten Produkte entstanden durch Videos, die wir hochgeladen haben. Firmen wollten nicht unsere Handyhüllen, sondern die Maschinen und das Filament. So fingen wir an, Maschinen zu bauen und das Filament herzustellen“, erzählt von dem Bussche. „Angefangen hat alles mit dem Küchenmixer, mit dem wir alles Mögliche an Plastikmüll geschreddert haben.“

Nun bauten sie alle Maschinen, die man brauche, um 3D-Druck-Filament herzustellen, Maschinen zur Plastikschmelzung, zur Plastikkühlung und zur Plastikwicklung. „Die Wickelmaschinen, die wir für 3D-Druck-Filament gebaut haben, verkaufen wir mittlerweile auch in anderen Industrien, zum Beispiel in der Kosmetik- und der Pharmaindustrie.“

Eine Lasermaschine überwacht den Durchmesser des Filaments. Die restlichen Maschinen passen sich an, um den Durchmesser von 1,75 Millimetern perfekt zu halten. Die Maschinen kommunizieren miteinander. „Die moderne Software hebt uns von der Konkurrenz ab. Das hat noch niemand so gemacht wie wir“, sagt von dem Bussche.

Die Maschinen könnten ausrangierte Industrieteile aus Acrylnitril-Butadien-Styrol – daraus bestehen Lego-Steine – zu Granulat schreddern und daraus neues 3D-Druck-Filament in perfekter Toleranz herstellen. Unter perfekter Toleranz versteht man, dass der Durchmesser von 1,75 Millimetern nicht überschritten wird, weil sonst der 3D-Drucker verstopft. „QiTech hat es geschafft, die Schnipsel (,Flakes‘), die nach dem Schreddern entstehen, direkt zu neuem Filament zu verarbeiten, ohne ,Pellets‘ als Zwischenschritt.“ Andere Hersteller hätten 80 Prozent Pellets und 20 Prozent Flakes. „QiTech dagegen hat 100 Prozent Flakes.“

Man verkaufe zum Beispiel an Unternehmen, die Prothesen druckten, und an Architekten, die damit Modelle fertigten. Den Großteil des Umsatzes erzielt QiTech nicht mit der Recyclingproduktion, sondern dem Verkauf der Maschinen. Der Plastikschrott stammt von Autorücklichtern, die nicht den richtigen Farbton haben. „Unsere Wickeltechnik verkaufen wir auch an Unternehmen, die Zahnseiden, Diabetesschläuche, Bluttransferschläuche oder Kabel für Alarmanlagen herstellen.“

In den vergangenen fünf Jahren habe man mehr als 100 Maschinen in 14 Länder verkauft, von Amerika bis Südkorea. Die Exportquote liegt bei 30 Prozent. Das Sortiment reicht vom Kleinwickler bis zum Hauptprodukt, der großen Wickelmaschine. Die Maschinenpreise reichen von 3000 bis 60.000 Euro. „Das Jahr 2025 ist das erste profitable Jahr“, sagt von dem Bussche. Bis Oktober betrug der Umsatz nach seinen Angaben eine halbe Million Euro und könnte, so schätzt er, zum Jahresende bei einer Million gelegen haben. Die Software und der Maschinenbau machen 70 Prozent aus. Die restlichen 30 Prozent stammen aus dem Recyceln. Das recycelte Material, das man aus Flaschendeckeln gewinnt, geht ausschließlich an Unternehmen zurück, die daraus neue Flaschendeckel herstellen.

„Wir programmieren in Rust, einer neuen Programmiersprache“, sagt von dem Bussche. „Die Software kann die Indus­triebauteile aller Hersteller ansteuern.“ Mit einer so vielseitigen Software könne man Künstliche Intelligenz in den Maschinenbau integrieren. Die KI könnte neue Module der Maschinensteuerung selbst schreiben und testen. „Das ist die Zukunft des Maschinenbaus.“

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 08.01.2026, Nr. 6. S. 18 - Lara Inia Müller, Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule, Ober-Ramstadt

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