Gloria produziert seit 80 Jahren Feuerlöscher - ein Verbot beschert neuen Umsatz.
Wenn es brennt, kann der Griff zum Feuerlöscher Schlimmeres verhindern. Diese stellt die Gloria GmbH seit 80 Jahren her, seinen Ursprung hat das 1945 gegründete Unternehmen in einem Gartenhaus, wie Marketingleiterin Daniela Dürbusch berichtet. Der Gründer Heinrich Schulte-Frankenfeld stellte Druckbehälter, darunter Drucksprühgeräte und Feinsprüher, her und erkannte früh, dass sich diese nicht nur als Haus- und Gartengeräte eigneten, sondern auch als Feuerlöscher.
Anfang der Nullerjahre spaltete man das Gartengerätegeschäft ab. Seitdem konzentriert man sich auf den Brandschutz. In Deutschland beschäftigt Gloria 53 Mitarbeiter, rund 40 am Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Wadersloh, die übrigen betreuen im Außendienst Kunden in ganz Deutschland. Das Unternehmen gehört seit April dem italienischen Brandschutzkonzern ANAF Fire Protection.
Das Sortiment von Gloria umfasst Feuerlöscher, Brandmelder, Brandschutz-Trainingssysteme sowie Zubehör und Ersatzteile für Brandschutzgeräte. Produziert wird im polnischen Ropczyce, wo rund 300 Mitarbeiter in der Produktion und im Export tätig sind. Schon in den Sechzigerjahren exportierte man in mehr als 50 Länder, heute in die ganze Welt.
Nach Angaben von Northdata.de lag der Umsatz im Jahr 2021 bei 52,3 Millionen Euro. Laut Dürbusch liegt er im höheren zweistelligen Millionenbereich. "Wir sind ein gut aufgestelltes, profitables Unternehmen." Besonders gefragt sind Sechs-Liter-Schaumlöscher. Die Preise liegen zwischen etwa 75 und 130 Euro. Nach Angaben von brandschutz-zentrale.de sind die Feuerlöscher so beliebt, weil sie Brände der Klassen A und B hocheffizient löschen und dabei, im Gegensatz zu Pulverlöschern, kaum Verschmutzungen verursachen.
Zu den wichtigsten Kunden zählen Vertriebs- und Servicepartner, die die Produkte in Deutschland, Österreich und in der Schweiz vertreiben. In vielen europäischen Ländern arbeitet Gloria mit exklusiven Distributoren. Auch die Automobilindustrie gehört zum Kundenkreis, darunter VW und Tesla. Der Markt ist umkämpft. Wettbewerber sind unter anderem Jockel, Bavaria, Presto und Ogniochron, hinzu kommt Konkurrenz aus China.
Gleichzeitig verändern regulatorische Vorgaben das Geschäft. So rückt das EU-Verbot für PFAS-haltige Schaumlöscher näher. Vom 23. Oktober 2026 an dürfen entsprechende Feuerlöscher nicht mehr in Verkehr gebracht werden. PFAS-Schäume gelten aufgrund ihrer extrem stabilen chemischen Struktur als dauerhaft umweltschädlich und gesundheitlich riskant. Ein vollständiges Nutzungsverbot in der EU tritt spätestens Ende 2030 in Kraft. Funktionierende Feuerlöscher würden ausgetauscht, was dem Unternehmen zusätzliche Umsätze beschere, betont Dürbusch.
Gloria setzt auch auf die Digitalisierung, etwa den "VR Fire Trainer". Mithilfe einer Virtual-Reality-Brille trainieren Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Industriebetrieben den Ernstfall. In der Hand halten sie einen nicht befüllten Feuerlöscher, das Löschen erfolgt in einer virtuellen Umgebung. "Das erweitert die Möglichkeiten der Schulung erheblich", sagt Dürbusch.