Die verkaufen nur Schrott

Airbags und Sitzgurte werden zu Taschen

Die Geschichte der Airpaq GmbH aus Köln, gegründet von Adrian Goosses und Michael Widmann, beginnt 2017 an einer Universität in Rotterdam. Die beiden studierten Entrepreneurship und sollten gemeinsam einen Business Case schreiben, also zeigen, warum sich eine Idee wirtschaftlich lohnt und ob sie realistisch umsetzbar ist. Es sollte etwas Nachhaltiges sein. „Wir haben uns gedacht, wir gehen mal auf einen Schrottplatz und schauen, ob wir etwas finden, das man weiterverwenden kann. Dort sind wir dann auf Airbags gestoßen“, erzählt Goosses.

Auf dem Schrottplatz fanden sie außer Airbags Sitzgurte und Autogurtschlösser. Diese Materialien werden in der Autoproduktion oft weggeworfen, obwohl sie noch in Ordnung sind; schon kleinste Produktionsfehler reichen aus, damit sie nicht mehr verwendet werden dürfen. „Wenn Airbags nicht perfekt genäht sind und Textilfehler haben, dann dürfen sie in der Autoindustrie nicht mehr eingebaut werden“, sagt Goosses. Für die beiden waren es die „perfekten Materialien“, um daraus Taschen und Rucksäcke herzustellen. „Müll ist eine Ressource am falschen Ort“, sagt Goosses.

Für die Herstellung eines Rucksacks verwendet man zwei Airbags, drei Sitzgurte und ein Gurtschloss. Sie stammen meistens von Schrottplätzen rund um Köln. Die Materialien werden nach Rumänien geschickt und dort weiterverarbeitet, in der Näherei, die der Familie eines Mitgründers gehört. Teilweise kommen die Sachen auch von Schrottplätzen aus Rumänien. Die Airbags und Sitzgurte werden je Kilogramm bezahlt. Gurtschlösser haben laut Goosses einen festen Preis von zwei Euro je Stück.

„Wir haben einen eigenen Laden in Hamburg. Darüber hinaus verkaufen wir Produkte an rund 300 Einzelhändler mit Standorten in Spanien, Österreich und der Schweiz“, berichtet Goosses. Über den eigenen Onlineshop verkaufe man in die ganze Welt, bisher in rund 30 Länder. 2025 haben sie die internationale Präsenz deutlich ausgebaut. Ausschlaggebend war eine Kooperation mit dem Influencer Valentin Grüner, der über eine internationale Community verfügt. Er ist Content Creator, Naturschützer, Wildhüter und Gründer des Modisa Wildlife Projects. Er setzt sich dafür ein, die Natur der Kalahari-Wüste und die dort lebenden Löwen zu schützen. Auf Instagram erreicht er 1,9 Millionen Follower.

Gemeinsam haben sie die Sirga-Edition veröffentlicht. Die Löwin Sirga fand Grüner als hungriges und verlassenes Jungtier, er versorgte sie und half ihr zurück in ein selbständiges Leben in Freiheit. Mit dem Kauf eines Rucksacks unterstützt man das Projekt.

Typisch für das Airpaq-Design ist der Verschluss. Viele Modelle werden mit einem echten Autogurtschloss geschlossen. Außerdem lassen sich die Rucksäcke über einen 3D-Konfigurator individuell gestalten. Wie Goosses berichtet, hat Airpaq bis Ende vergangenen Jahres rund 170.000 Rucksäcke verkauft. Man habe schon 500.000 Airbags weiterverarbeitet.

Besonders aufwendig sei die Logistik. „Wenn wir wachsen oder Material brauchen, können wir es nicht einfach bestellen. Wir müssen erst schauen, ob es überhaupt passenden Ausschuss gibt, den wir verwerten können.“ Ein Rucksack kostet je nach Größe zwischen 100 und 219 Euro. Es bleibe ein Gewinn von 2,4 Prozent. 2025 lag der Umsatz nach eigenen Angaben bei 5 Millionen Euro. In den Jahren zuvor sei man etwas stärker gewachsen, doch sei die Entwicklung

stabil. Gerade arbeite man an einer Art Baggy-Style-Tasche. „Zudem wollen wir auch größere Bauchtaschen entwickeln.“

Außer Airpaq gibt es noch ein Kölner Unternehmen, das Autoteile wie Airbags und Sitzgurte upcycelt, die Redoggo GmbH. Sie verkauft Hundespielzeuge und Hundezubehör.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 05.03.2026, Nr. 54. S. 21 - Carina Gallinat, Gymnasium Ohmoor, Hamburg

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