Trauth produziert seit 115 Jahren Schokoküsse.
Eugen Trauth & Söhne stellt in Herxheim in der Pfalz seit 115 Jahren tagesfrische Schokoküsse her. Kaufen kann man sie direkt vor Ort. Das Unternehmen hat der Bäcker Eugen Trauth 1911 gegründet. Seine Frau Alice Budinger brachte einen Kolonialwarenhandel in die Ehe mit, wie Urenkel und Inhaber Daniel Trauth berichtet.
In dem Laden wurde nur Magenbrot verkauft, bis Eugen Trauth nach dem Ersten Weltkrieg auf dem Jahrmarkt die „Tête-de-nègre“ aus Frankreich entdeckte. „1928 stellte er dann Josef Krekeler ein, der Konditormeister war, und den ersten Schokokuss in Herxheim produzierte“, erzählt Daniel Trauth.
Das erfolgreiche neue Produkt habe man in ganz Süddeutschland ausgeliefert. Daniel Trauths Tante Marie-Luise Trauth baute 1986 die Garage zum heutigen Ladengeschäft um und stellte 1991 den Vertrieb mit dem eigenen Lastwagen ein. Sie habe erkannt, dass der Direktverkauf zukunftsträchtig sei, sagt Daniel Trauth.
Es gebe keine Konkurrenten, die ähnlich groß seien. Der Umsatz liege bei zwei Millionen Euro im Jahr. „Grundsätzlich ist der Umsatz in den vergangenen Jahren gestiegen, der Gewinn aber nicht, denn die Preise mussten aufgrund der Inflation angepasst werden.“ Das Ziel sei, so groß zu bleiben wie bisher. Bei einer größeren Produktionsmenge könnte die hohe Qualität der Schokoküsse nicht mehr sichergestellt werden. Man verkauft rund sieben Millionen Schokoküsse im Jahr. Am beliebtesten ist der klassische Schokokuss, gefolgt von den Sorten Kokos und Mokka. Die wenigsten Abnehmer findet die Sorte Rum.
Erhältlich sind die Schokoküsse im 25er-Karton. Im Sommer pausiert der Verkauf. „Der Schokokuss ist ein Produkt für kälteres Wetter“, sagt Trauth. Wegen der dünnen Schokoladenschicht sollte man Wärme und Sonne vermeiden. Das Produkt kann aber eingefroren werden – sollte man auch im Sommer mal einen Schokokuss essen wollen.
Neben Privatkunden kaufen Händler bei Trauth und bieten die Schokoküsse etwa auf Wochenmärkten an. Die abgeholte Ware teste man täglich, sagt Trauth. Die Schokoküsse enthielten keine Konservierungsstoffe und seien bis zu 16 Tage haltbar. „Nach 16 Tagen kann man die Schokoküsse immer noch essen, nur wird der Schaum zäh.“
Die Produktionskosten eines Schokokusses beziffert Trauth auf 15 bis 25 Cent, abhängig von den Rohstoffpreisen, „die sich wöchentlich ändern“. Mittlerweile koste ein Schokokuss zwischen 34 und 36 Cent. Er besteht aus Eiweiß aus Deutschland, Kokos von den Philippinen, Kakao aus Afrika. Die Preisschwankungen seien vor allem auf die schlechten Kakaoernten zurückzuführen. Die Kuvertüre hat einen Kakaoanteil von 54 Prozent. Dieses Jahr werde man etwa 70 Tonnen Kuvertüre benötigen.
Eine überzeugte Kundin ist die 16 Jahre alte Mannheimerin Charlotte Reuther. Zu Familientreffen hätten ihre Großeltern die Schokoküsse aus Herxheim mitgebracht. Mittlerweile kauft sie selbst dort ein, denn sie findet, dass Schokoküsse aus dem Supermarkt nur nach Fett schmecken.