Rinn produziert einen emissionsarmen Stein.
Grau, schwer, klimaschädlich – Beton hat keinen guten Ruf. Nach Angaben der Umweltorganisation WWF stammen rund acht Prozent der globalen CO2-Emissionen aus der Herstellung und Anwendung von Beton. Hohe Mengen an Treibhausgasen fallen durch die Beheizung des Drehrohrofens an, in dem der Zementklinker hergestellt wird, und in dem chemischen Prozess bei der Entsäuerung von Kalkstein.
Die Rinn Beton- und Naturstein GmbH & Co. KG aus Heuchelheim an der Lahn wollte zeigen, dass nachhaltiges Bauen mit Beton möglich ist, und hat den Klimastein entwickelt. Mit ihm können bis zu 60 Prozent CO2 einspart werden. Möglich wird das durch den Einsatz eines alternativen Bindemittels, das genauso leistungsfähig ist, jedoch mit 90 Prozent weniger Zementgehalt auskommt; dessen Herstellung verursacht aufgrund sehr hoher Temperaturen beim Brennen von Kalkstein viel Treibhausgas.
„Wir nutzen für die Produktion ausschließlich Ökostrom und kompensieren unvermeidbare Emissionen“, sagt Geschäftsführer Johannes Schramm. Die eigenen Photovoltaikanlagen deckten etwa zwei Drittel des Stromverbrauchs. Seit 2014 produziere Rinn damit als erster Steinhersteller in Deutschland komplett klimaneutral. Doch der Weg dorthin war nicht leicht; das 1900 gegründete Familienunternehmen musste sich von Grund auf verändern.
Über die Jahrzehnte wuchs Rinn zu dem führenden Hersteller von Beton- und Pflastersteinen in Deutschland heran. Heute beschäftigt man rund 500 Mitarbeiter, und die vierte und fünfte Generation leiten das Unternehmen. Man achtet auf die gesamte Lieferkette. „Wir beziehen 80 Prozent der Rohstoffe aus der Umgebung, und Steine werden am Ende ihres Lebenszyklus recycelt“, erklärt Schramm. Er benennt auch Nachteile: „Es kommt bei Klimasteinen aufgrund des schwierigeren Herstellungsprozesses öfters zu fehlerhaften Produktionen. Diese Steine werden zwar aus dem Verkehr gezogen und recycelt. Dennoch fallen bei der neuen Herstellung erneut CO2-Emissionen an.“
Die Exportquote liegt bei zehn Prozent. Geliefert wird meistens in direkte Nachbarländer, weil ab einer bestimmten Distanz die Lieferkosten zu hoch sind. „Rinn produziert in erster Linie Steine im Bereich Garten- und Landschaftsbau für den deutschen Markt“, sagt Schramm. Gleichzeitig habe der Verkauf für den öffentlichen Raum durch große Projekte zugenommen. Beispiele sind die Pflasterarbeiten auf dem Berliner Platz in Gießen und auf der Zeil in Frankfurt, auch wenn dort überwiegend herkömmliche Steine verwendet worden seien.
Der Umsatz lag laut Christian Kölsch aus dem Controlling von Rinn 2024 bei rund 86,5 Millionen Euro. 2025 dürfte er etwas niedriger ausgefallen sein. „Die Nachfrage ist nach der Corona-Pandemie deutlich gesunken“, sagt Kölsch. Während der Pandemie kümmerten sich viele Menschen verstärkt um ihre Gärten.
Die Herstellung der Klimasteine ist nicht nur fehleranfälliger, auch die Materialkosten von fünf Euro je Quadratmeter sind im Vergleich zu herkömmlichen Betonsteinen deutlich höher. Je nach Produkt und Format kostet der Quadratmeter nach Unternehmensangaben zwischen 53 und 72 Euro; für Standardsteine liegen die Preise zwischen 44 und 63 Euro. „Für viele Kunden sind höhere Preise immer noch ein entscheidender Faktor“, sagt Schramm. Auch wegen zunehmender Konkurrenz sei der Markt nicht mehr so lukrativ wie noch vor ein paar Jahren. Entsprechend ist der Verkauf der Klimasteine gesunken.