Einen Schritt weiter

Mit einem robotergestützten System gehen lernen.

Aus FIFA-tauglichen Stadien kennt man die „Spidercam“, jene Kamera, die sich an Seilen über das Spielfeld bewegt und nahezu jeden Punkt erreichen kann. Überträgt man dieses Prinzip auf die Reha von Menschen, entsteht ein hochkomplexes System, das für Gangtrainings genutzt werden und in Sekundenbruchteilen unvorhersehbare Bewegungen in allen drei Dimensionen analysieren kann. Es kann etwa erkennen, ob ein Sturz droht.

Ein solches System hat die Reha-Stim Medtec GmbH entwickelt. Es heißt FLOAT – das steht für „Free Levitation for Overground Active Training“ – und hilft Menschen mit neurologischen oder orthopädischen Beeinträchtigungen das Gehen neu zu lernen. Die Idee entstand an der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Balgrist.

Man findet das 2010 vorgestellte System insbesondere in Kliniken, die Patienten etwa nach Rückenmarksverletzungen, Amputationen oder Gehirnverletzungen wieder zum Gehen bringen wollen, wie der Inhaber und Geschäftsführer Waldemar Rauch berichtet. Mit seiner Frau hat er das Unternehmen 2011 nach einer langen Karriere in internationalen Konzernen erworben.

Vor 2010 sei die Rehabilitation dieser Patientengruppen noch deutlich stärker von statischen und linearen Übungen geprägt gewesen, erklärt Rauch. Oft habe der Therapeut dann neben einem Laufband sitzen und jeden Schritt des Patienten führen müssen. „Damals musste man sich oft zwischen Bewegungsfreiheit und Sicherheit entscheiden“, sagt Rauch.

Mit neuen robotikgestützten Systemen wie FLOAT habe sich der Ansatz grundlegend verändert. Das System ermögliche eine kontinuierliche Sturzprophylaxe und zugleich deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Patienten könnten komplexe Bewegungsabläufe unter realitätsnahen Bedingungen neu erlernen.

„Die Patienten sollen genau die Bewegungen trainieren, die sie später in ihrem persönlichen Alltag sicher beherrschen müssen“, sagt Rauch. Für den einen gehe es darum, sicher eine Türschwelle zu überschreiten, der andere wolle sich selbständig und sicher in der Küche bewegen. Entscheidend ist laut Rauch, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurückzugewinnen.

Der FLOAT-Roboter war laut Rauch das erste von nur drei Systemen auf der Welt, das eine Bewegung in allen drei Dimensionen ermöglichte. In Deutschland sei ein solches System bislang einzigartig. Zu den konkurrierenden Lösungen zählt das ZeroG 3D-System des US-Unternehmens Aretech. Es basiert auf zwei Schienen und einer fahrbaren Querschiene, vergleichbar mit einem Industriekran. Ein weiteres System ist Rysen des niederländischen Unternehmens Motek. Es ist ein Vier-Seil-System in Kombination mit einem Bügel.

Was den FLOAT von anderen Lösungen unterscheide, sei das patentierte Seilleitsystem, sagt Rauch. Vier unabhängig voneinander gesteuerte Seile werden über passive Umlenkeinheiten zum Patientenbügel geführt und dort über Kraftsensoren angebunden. Die Seile bewegten sich flexibel entlang von zwei Schienen, während der Roboter eine stabile und quadratische Anordnung über dem Patienten beibehalte.

Auf einer Fläche von 15 mal fünf Metern können Bewegungen frei und ohne räumliche Einschränkungen durchgeführt werden. Aktuell bestünden jedoch noch Herausforderungen bei Übungen wie Aufstehen, Kniebeugen oder ähnlichen Bewegungsabläufen mit Höhenveränderungen auf einem Punkt.

Die Reha-Stim Medtec AG in der Schweiz ist die Muttergesellschaft der Reha-Stim Medtec GmbH aus Berlin, wo rund 15 Mitarbeiter arbeiten. Derzeit werden laut Rauch nur drei bis fünf FLOAT-Systeme im Jahr produziert. Der Preis beginnt bei 250.000 Euro. Insgesamt seien rund 20 Anlagen installiert worden, auch in Rehabilitationszentren in Turkmenistan, Singapur und Frankreich. Das Unternehmen erwirtschafte mit allen Produkten einen Jahresumsatz von etwa vier Millionen Euro.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 06.08.2026, Nr. 180, S. 18 - Maximilian Schmitt, Gymnasium am Rittersberg, Kaiserslautern

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