Hätte, hätte, Fahrradkette

Welche Vorteile Wachsen statt Ölen hat

Nie wieder schmutzige Hände – das ist das Versprechen der Optimize GmbH aus Langenfeld im Rheinland. Gegründet im Jahr 2022 produziert das Unternehmen Heiß- und Flüssigwachs als Schmiermittel für Fahrradketten. Schon seit einigen Jahren geht der Trend im Radsport hin zum Kettenwachs und weg von den Ölen. „Anfangs waren die Kunden noch sehr zögerlich“, sagt der Geschäftsführer und Gründer Felix Strieder. Inzwischen sei das Interesse groß. Videos erhielten in kurzer Zeit viele Aufrufe. „Interviews haben bereits rund 500.000 Klicks erreicht.“

Mittlerweile sei Optimize der größte deutsche Anbieter, was Strieder auf die starke Markenpräsenz zurückführt. So verwenden Marcel Meisen, der zehnfache Deutsche Meister im Cyclocross, und Paul Voß, der zweifache Deutsche Meister in der Gravel-Disziplin, die Produkte des Unternehmens.

Optimize verkauft Heißwachs und Flüssigwachs. Flüssigwachs sei gefragter, es werde ungefähr doppelt so oft verkauft. Das liege vor allem daran, dass es leichter anzuwenden sei, wie Kettenöl direkt aus der Flasche.

Für die Anwendung des Heißwachses muss die Kette abmontiert und in ein Heißwachsbad gelegt werden. „Dabei dringt das Wachs tief in die Glieder der Kette ein und schmiert die Kette zwischen den einzelnen Kettengliedern“, erklärt Strieder. Nach dem Abkühlen müsse die Kette „eingebrochen“ werden: Die durch das erhärtete Wachs festen Glieder werden gelockert.

375 Gramm Heißwachs kosten rund 40 Euro, 100 Milliliter Flüssigwachs etwa 27 Euro. Sind noch Graphen-Additive enthalten, die die Reibung verringern, kostet Heißwachs 80 und Flüssigwachs 70 Euro. Während Heißwachs nach 800 bis 1000 Kilometern abermals angewendet werden muss, sind es beim Flüssigwachs 250 bis 300 Kilometer. Beide Produkte werden in Langenfeld produziert.

Das Wachsen der Ketten habe Vorteile, sagt Strieder. So sei durch das feste Wachs die Aufnahme von Dreckpartikeln im Gegensatz zu flüssigen Ölen erschwert. Das sorgt dafür, dass die Kette sauber bleibt. Durch weniger Reibung sollen die Ketten länger halten. „Durch die Bank weg sehen wir eine mindestens doppelt so lange, wenn nicht sogar dreimal so lange Laufleistung der Ketten“, berichtet Strieder.

Außerdem ist eine Minderung des Kraftaufwands zu verzeichnen, wie Tests durch das Rennradmagazin „Tour“, die im Februar 2025 veröffentlicht wurden, zeigen. Die Minderung betrage im Vergleich zu geölten Ketten ein bis zwei Prozent. Was nach wenig klingt, kann im Leistungssport zwischen Sieg und Niederlage entscheiden.

Wachse seien zudem besser für die Umwelt, hebt Strieder hervor, „da nicht erst das Mineralfett von der Kette geholt werden muss und wir durch das Wachs auch insgesamt weniger Ketten verbrauchen“. Zwar gebe es auch biologisch abbaubare Öle, sie seien aber nicht sehr verbreitet.

Im Jahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen zwei Jahre nach seiner Gründung laut Jahresbericht einen Gesamtumsatz von rund einer Million Euro; das war im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viel. Seit der Gründung haben nach eigenen Angaben rund 70.000 Kunden die Produkte bestellt. Man verkauft über den eigenen Onlineshop und den deutschen Kettenhersteller Connex, der seine Ketten vorgewachst verkauft. Optimize beschäftigt vier Mitarbeiter. Die Exportquote liege unter 5 Prozent. „Die Produkte sind etwas für Hobby-

Professionals“, sagt Strieder. Besonders hilfreich seien sie, wenn man viel und oft durch dreckige Passagen fahre.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 05.03.2026, Nr. 54. S. 21 - Linus Claußmeyer, Mallinckrodt-Gymnasium, Dortmund

zurück