Zurück in die Achtzigerjahre: LCE fertigt Nachbildungen des legendären Sport Quattros von Audi. Kunden zahlen Hunderttausende Euro. Manche kommen mit dem Helikopter.
Alles, was wir tun, braucht kein Mensch", sagt Steven Koppenhöfer, der seit 2021 die Lake Constance Engineering GmbH (LCE) führt. "Doch wir sind hier, um Menschen Träume zu erfüllen." LCE mit Sitz in Markdorf in Baden-Württemberg ist nach eigenen Angaben das einzige Unternehmen auf der Welt, das Turbo-High-Performance-Sportquattro-Replikas in einer hohen Qualität mit hundert Prozent TÜV-Zulassung baut. Der original Sport Quattro von Audi wurde 1983 vorgestellt; er wurde als Rallye-Fahrzeug auf der Grundlage des Audi Quattros in einer Stückzahl von 220 Einheiten hergestellt. Im Dezember 1984 war er mit 195.000 DM das teuerste Serienfahrzeug aus Deutschland.
"214 Autos kamen auf die Straße, die restlichen sechs wurden nur als Teilespender verwendet", erzählt Koppenhöfer. Wie viele es von den 214 Wagen noch gebe, sei unklar. "Auf jeden Fall ist so ein Auto im Originalzustand sehr, sehr rar." Heute liege der Preis eines original Sport Quattros zwischen 600.000 und 700.000 Euro.
LCE betreibt auch High-End-Tuning, veredelt Fahrzeuge innen und außen. "Wir nehmen nur Bentley-, Mercedes- oder Porscheleder", sagt Koppenhöfer. Komponenten würden auch aus neuen Materialien gefertigt, weil das eigentliche Material etwa nicht standfest genug sei. "Wir müssen Motoren massiv verändern, den Hubraum vergrößern."
Angefangen hat alles mit dem Wunsch des Unternehmensgründers Daniel Weber, selbst einen Quattro zu besitzen. Der frühere Chef eines Automobilzulieferers aus Markdorf fand keinen - und baute 2019 die erste Nachbildung. 2020 wurden die ersten Replikas verkauft. "Heute stehen wir auf gesunden zwei Beinen", sagt Koppenhöfer. Bisher habe man gut 90 Stück verkauft, die Wartezeit betrage vier Jahre. Der Kunde kann über vieles bestimmen, etwa die Lederfarbe, die Farbe der Naht und das Eingravieren des Namens in den Sitz.
"Wir verändern ein Produkt, das uns in der Basis urheberrechtlich nicht gehört; und machen vorn wieder ein Audi-Zeichen dran", sagt Koppenhöfer. Wer sich mit Autos nicht auskenne, sehe auf den ersten Blick nicht, dass es eine Nachbildung sei. Als Verkäufer müsse man das immer verdeutlichen. "Würden wir das nicht tun, würden wir eine Urheberrechtsverletzung begehen, es entstünde eine Irreführung."
Ein Fahrzeug besteht nach Angaben von Koppenhöfer aus 2800 Teilen, von denen viele grunderneuert werden müssten. "Viele Teile werden neu von uns produziert." Man verwendet auch Originalteile von Audi. "Wir nehmen einen Quattro Coupé Typ 85; von diesem Auto wird das gesamte Chassis verwendet", erklärt Koppenhöfer. Alle Teile würden entfernt, es bleibe ein Rohchassis, das gekürzt werde. Dann kämen zusätzliche Versteifungspunkte rein, das Auto werde komplett wiederaufgebaut.
"Zwischendrin sieht das Auto wirklich sehr, sehr schlimm aus", erzählt der Unternehmensleiter. Die Karosserieteile ersetze man durch verbreiterte, größere Karbonteile. Außerdem benötigt man ein weiteres Spenderfahrzeug, eine zweitürige Limousine, von dem die A-Säule, die B-Säule und die Tür verwendet werden. Die Spenderfahrzeuge werden in ganz Europa aufgekauft, zwei Mitarbeiter täten nichts anderes. Im Innenbereich wird ebenfalls veredelt. So werde eine vierzig Jahre alte Türtafel mühevoll ausgebaut, entkernt, aufbereitet, neu bezogen und bestickt.
Der Urquattro von Audi wurde für Rallyefahrten genutzt. Allerdings war er wegen des langen Radstandes nicht so wendig in den Kurven und sollte gekürzt werden. Man habe einen Prototypen gekürzt, aber die A- und die B-Säule und die Tür nicht verändert, sagt Koppenhöfer. Die Proportionen hätten nicht mehr gestimmt. "Das größere Problem war aber, dass der mehr als 1,90 Meter große Rennfahrer Walter Röhrl gesagt hat, die Fahrzeuglänge sei jetzt super, aber er gucke die ganze Zeit auf den Dachholm", erzählt Koppenhöfer. Doch man bekam den Sitz nicht tiefer und musste die A-Säule steiler gestalten. So ist der Sport Quattro entstanden - als eine Mischung aus einer zweitürigen Limousine und einem Quattro Coupé.
Der Motor sei eine komplette Eigenentwicklung, als Grundlage dienten ein alter 2,5-Liter-Dieselblock und ein 2,2-Liter-Benzinkopf. Immer neu seien alle sicherheitsrelevanten Bauteile, etwa die Bremsanlage. Eine Sportquattro-Replika zu bauen, dauert rund 1200 Arbeitsstunden. Sie soll wie neu aussehen, sich aber wie die Achtzigerjahre anfühlen. Anders als die deutlich kleineren Mitbewerber biete LCE die Replikas mit TÜV und jeglichen Zertifizierungen an. Der Marktanteil liege bei 95 Prozent.
Je nach Ausstattung beläuft sich der Preis einer gekürzten Sportquattro-Replika nach Angaben von Koppenhöfer auf 250.000 bis 350.000 Euro. Ein ungekürzter Wagen kostet rund 200.000 Euro, die Rallyeversion S1 E2 Replika 350.000 bis 450.000 Euro. "Heute bauen wir mindestens 12 bis 15 Fahrzeuge im Jahr", berichtet Koppenhöfer. Der Ertrag liege zwischen 10 und 20 Prozent des Verkaufspreises. In der Zentrale in Markdorf arbeiten 17 Personen. In Dänemark hat man drei und in den USA drei bis vier Mitarbeiter; dort wird ausschließlich Tuning angeboten. Der Gesamtumsatz lag im 2024 Koppenhöfer zufolge bei rund 13 Millionen Euro.
"Wir sind einer von den wenigen wirklichen Porsche-Tunern in Deutschland", behauptet Koppenhöfer. Vier Fünftel der Tuning-Aufträge beträfen Porsche-Autos. Die Aufträge reichen von einem neuen Satz Felgen bis hin zu Komplettumbauten. Der Preis variiert von ein paar Hundert oder Tausend Euro bis in den sechsstelligen Bereich. Der Umsatz in diesem Bereich liege im siebenstelligen Bereich. Das Geschäft mit den Sportquattros mache aber den Großteil des Erlöses aus.
"Mit unserem Silver Bullet, das ist ein Porsche 997 Turbo, haben wir schon einige Weltrekorde erzielt", sagt der Unternehmenschef. Einen Weltrekord hat man auch mit dem Porsche 992 Turbo S aufgestellt. Beim TTT Half Mile Rennen erreichte das Fahrzeug nach einem Motor-Upgrade eine Geschwindigkeit von 304,21 Stundenkilometer in nur 14,69 Sekunden.
Ken Block, ein amerikanischer Rallyefahrer, kaufte 2021 eine Sportquattro-Replika. Daraufhin habe man international gut verkaufen können, etwa nach Australien, Neuseeland, Kuwait, Dubai und Kanada. 2022 erwarb der Fernsehmoderator Jean Pierre Kraemer einen Wagen. Die Kunden seien zu 98 Prozent Männer, oft selbständig oder in einer führenden Position. Einer wählte, wie Koppenhöfer erzählt, einen gelben Sportquattro mit grünen Felgen und lila Innenausstattung. Im Bereich Tuning wollten manche 2000 PS haben. Bisweilen kämen Kunden mit dem Helikopter nach Markdorf oder mit dem Privatjet aus den Arabischen Emiraten.