Lahnpaper produziert das Papier für Werbeplakate in der Londoner U-Bahn.
Wer durch die feuchten und kalten U-Bahn-Stationen Londons läuft, sieht sie überall an den Wänden: Werbeplakate auf einem Papier, das so robust ist, dass es den Bedingungen unter der Erde standhält, sich aber bei Bedarf leicht wieder ablösen lässt. Entwickelt hat dieses Spezialpapier die Lahnpaper GmbH aus Lahnstein in Rheinland-Pfalz. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung, Produktion und den globalen Vertrieb von nassgelegten Vliesstoffen, imprägnierten Papieren und Synthesefaserpapieren spezialisiert. Sie sind stabile Basismaterialien zum Beschichten, Prägen und Bedrucken.
Lahnpaper beschäftigt 170 Mitarbeiter. Die Produktion von Spezialpapier erfordert mehrere Einzelschritte. Zunächst wird der Zellstoff mit viel Wasser zu Brei verarbeitet. Dann werden textile Fasern hinzugefügt. „Das sind spezielle Polyamid- oder Polyesterfasern“, sagt Nachhaltigkeitsmanagerin Ina Dahlmann. Das Gemisch wird in einer Papiermaschine gesiebt. Die übrig gebliebenen Fasern werden in Leim getränkt. Das fertige Papier wird aufgerollt und entweder zwischengelagert, oder es kommt sofort in die Imprägniermaschine.
Eines der bekanntesten Produkte des Unternehmens trägt den Namen Pretex. Das imprägnierte Spezialpapier sei robust, wetterfest und langlebig. Im Jahr 2023 hat das Unternehmen 1315 Tonnen Pretex verkauft, wie Dahlmann berichtet. Verwendet wird es unter anderem für Impfausweise, nautische Karten und als Cover für die Deluxe-3er-CD-Box „The Complete BBC Sessions“ der Band Led Zeppelin.
Lahnpaper gibt es seit gut 110 Jahren. Früher produzierte man vor allem Tapeten. „Da die Nachfrage nach Tapeten jedoch zurückgegangen ist und sich mit der Zeit auch Großkonzerne auf Tapeten spezialisiert haben, beträgt der Anteil unserer Tapetenproduktion heute nur noch 15 Prozent“, sagt Dahlmann. Man biete mehr als 200 Produkte und Rezepturen an und produziere gut 7000 Tonnen Papier im Jahr. „Großhändler und Unternehmen kaufen die von uns hergestellten Rohprodukte ein und verarbeiten diese dann zu ihren Produkten weiter. Deshalb wissen wir oft gar nicht, wo genau Lahnpaper drinsteckt und wie das Endprodukt aussieht“, erzählt Dahlmann.
Ein neues Produkt heißt „Varitess self-adhesive“, es verfügt über eine Selbstklebetechnologie. „Es ist eine trocken verklebbare Vliestapete mit einer matten Oberfläche, die ideal zum Bedrucken ist“, erklärt Dahlmann. Für eine kurze Zeit kann man sie verschieben, danach haftet sie dauerhaft, lässt sich aber laut Dahlmann, „sobald man es nicht mehr an der Wand haben möchte, rückstandfrei ablösen“.
Man produziere nicht in großen Mengen. Die Kleinteiligkeit des Sortiments und seine Anpassungsfähigkeit hebt Dahlmann als Besonderheit von Lahnpaper hervor. Der Umsatz habe 2023 38,8 Millionen Euro betragen.
Durch den Klimawandel wachsen die Bäume schneller. Gleichzeitig ist das Holz um acht bis zwölf Prozent leichter geworden; es ist weniger stabil als früher. „Wir müssen unsere Rezepturen ständig anpassen. Wir arbeiten mit einem Stoff, der aus der Natur kommt, und da ist es normal, dass der sich mal verändert. Das kann zum Teil am Klimawandel liegen, aber natürlich auch an anderen Faktoren, die wir nicht beeinflussen können“, sagt Dahlmann. Bei jeder Produktion werde im Labor getestet, ob das Produkt immer noch das könne, was es verspreche. „Manchmal müssen dann auch die kleinsten Anpassungen vorgenommen werden, damit wieder alles stimmt.“ Man entwickle die Produkte stetig weiter und hoffe, „irgendwann den Polyester- und Polyamidanteil zu verringern, ohne dass das Produkt an Qualität verliert“.
Im Bereich Security vertreibt Lahnpaper Spezialpapiere für Sicherheitsdokumente wie Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief und das Zahnarzt-Bonusheft. Diese Produkte liefert man auch in andere europäische Länder. „Da der Markt hier sehr klein und speziell ist, haben wir, was beispielsweise den Fahrzeugbrief und den Fahrzeugschein angeht, keine Konkurrenz“, sagt Dahlmann. Das Papier für den Fahrzeugschein sei reiß- und wasserfest und überlebe auch mal einen Gang in der Waschmaschine. „Früher haben wir auch den Führerschein hergestellt, aber dieser ist ja mittlerweile aus Plastik.“
Im Bereich Wallcovering verkauft man Vliesstoffe für Glattvlies, Renoviervlies und Tapeten. Kunden sind Tapetenhersteller. Zu dieser Kategorie zählen auch „Varitess self-adhesive“ und der Vorgänger „Varitess“, der für die Werbung in den U-Bahn-Stationen verwendet wird. „Varitess“ ist nicht selbstklebend.